Zum Hauptinhalt springen

Ein Vorgeschmack

Teheran will den Nahen Osten «iranisieren». Das birgt grosse Gefahren.

Scharmützel mit Folgen. Israel griff nach einem Zwischenfall mit einer iranischen Drohne Ziele in Syrien an.
Scharmützel mit Folgen. Israel griff nach einem Zwischenfall mit einer iranischen Drohne Ziele in Syrien an.
Keystone

Im Nahen Osten steigt – wieder einmal – die Spannung. Der Streit um die Vorherrschaft in der Region fokussiert sich auf Syrien, das nach sieben Jahren Bürgerkrieg ausgeblutet und in weiten Teilen verwüstet ist. Syriens Präsident Baschar al-Assad ist freilich bloss ein unbedeutender Akteur. Die wichtigsten Spieler, die in Syrien ihre gegensätzlichen Ziele verfolgen, sind Israel, Iran und Russland.

Russlands Präsident Wladimir Putin nutzt Syrien als militärisches Standbein im Mittleren Osten. Er ist der neue Hausherr, nachdem er mit seinen Truppen das Regime von Baschar al-Assad vor dem sicheren Untergang gerettet hat. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat sich in den vergangenen Monaten deshalb mehrmals mit Putin abgesprochen, um im syrischen Luftraum, der von Israel kontrolliert wird, eine Konfrontation mit russischen Fliegern zu vermeiden.

Ernste Bedrohung

Die iranische Armee und deren Stellvertreter haben sich in den letzten Jahren ebenfalls in Syrien engagiert, um Assad zu retten. Aus dem Engagement in Syrien, dem ersten militärischen Auslands-Sieg des Iran seit Jahren, will Teheran jetzt Kapital schlagen, um seine Position in der Region zu stärken. Nie war das iranische Regime seinem Ziel, eine durchgehende Verbindung bis ans Mittelmeer zu haben, so nahe wie jetzt.

Teheran will den Nahen Osten «iranisieren». Je näher iranische Einrichtungen an Israels Grenze rücken, desto effektiver ist der Hebel der Ayatollahs gegenüber Jerusalem. Zudem lässt sich in Teheran eine Auseinandersetzung mit Israel innenpolitisch besser «verkaufen» als mit arabischen Ländern wie Saudiarabien oder Ägypten.

Eine ständige Militärpräsenz Irans in Syrien will Israel indessen nicht hinnehmen, weil es darin eine ernste Bedrohungen seiner Sicherheit sieht. Als Netanyahu an der Münchner Sicherheitskonferenz Iran einmal mehr vor dem Auf- und Ausbau militärischer Stellungen in Syrien warnte, klang das so, als wolle er seine Landsleute und die Welt auf einen israelischen Angriff vorbereiten. Israel werde «wenn nötig» nicht nur die Stellvertreter Irans im Irak, in Syrien oder in Libanon ins Visier nehmen, sondern auch Iran selber, so Netanyahu.

Ende 2017 haben die Demonstrationen in Iran gegen das Regime zwar gezeigt, dass militärische Einsätze im Ausland unpopulär sind. Das Geld sollte man besser im Land einsetzen, statt es in Syrien oder Jemen zu verpulvern, war immer wieder zu hören. Um so wichtiger ist es für die iranische Regierung, gegenüber dem Erzfeind Israel Härte zu zeigen. Sie hofft, damit von innenpolitischen Problemen abzulenken.

Nach 90 Sekunden abgeschossen

Eine ähnliche Motivation wird auch Netanyahu unterstellt. Weil ihm in mindestens zwei Korruptionsfällen eine Anklage vor Gericht droht, könnte er versucht sein, mit einem Krieg von seinen innenpolitischen Problemen abzulenken. Doch Gerichtsverfahren sind für Netanyahu nichts Neues. Er hat die Justiz bereits vor mehreren Jahren beschäftigt, ohne dass er einen Krieg angezettelt hätte, um seine Haut zu retten.

Einen Vorgeschmack auf künftige Auseinandersetzungen zwischen Israel und Iran erhielt man am 10. Februar, als eine iranische Drohne, die von einem iranischen Stützpunkt in Syrien gestartet war, in den israelischen Luftraum eindrang. Ein israelischer Hubschrauber schoss sie nach 90 Sekunden ab. Im Nu griffen israelische Kampfjets zahlreiche militärische Ziele in Syrien an, darunter auch iranische Einrichtungen.

Darauf feuerte die syrische Fliegerabwehr Raketen auf die Kampfflugzeuge des Nachbarlands. Dabei gelang es den Syrern, einen der angreifenden israelischen Jets zu treffen. Er schaffte gerade noch den Rückflug nach Israel, bevor er am Boden zerschellte. Die Piloten hatten sich Sekunden vor dem Aufprall retten können, ohne in syrische Gefangenschaft zu geraten. Wären die beiden Piloten in Syrien aufgegriffen worden, wäre das für Israel vermutlich ein Kriegsgrund gewesen. Zumal die US-Regierung von Donald Trump wiederholt Israels unbeschränktes Recht auf Selbstverteidigung betont hat.

Zwar kann Putin, der Hausherr, kein Interesse an einer iranisch-israelischen Eskalation haben, weil dies seine bisherigen Erfolge in Syrien gefährden könnte. Aber der Schlagabtausch vom 10. Februar hat gezeigt, wie schnell die Lage ausser Kontrolle geraten kann. Auch wenn die Scharmützel keinen Krieg ausgelöst haben: Der Abschuss des israelischen Kampfflugzeugs – dem ersten seit 1982 – hat Folgen. In Israel weiss man nach dem Treffer, dass Einsätze im syrischen Luftraum nicht mehr risikolos sind, weil Baschar al-Assad von Russland eine effizientere Luftabwehr erhalten hat.

In Teheran wird der Treffer aber dahingehend interpretiert, dass die Unbesiegbarkeit der israelischen Armee ein Mythos sei. Das könnte Iran zu weiteren Provokationen verleiten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch