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Ecowas macht Malis Grenzen dicht

Nach Ablauf des Ultimatums an die Putschisten in Mali macht die Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ernst: Die Staatsgrenzen werden geschlossen. Zudem wird dem Land der Geldhahn zugedreht.

Viele stehen noch hinter ihm: Der malische Ex-Präsident Amadou Toumani Touré, der sich zusammen mit seiner Familie in Senegal in Sicherheit gebracht hat.
Viele stehen noch hinter ihm: Der malische Ex-Präsident Amadou Toumani Touré, der sich zusammen mit seiner Familie in Senegal in Sicherheit gebracht hat.
AFP
Will weiterhin Einfluss auf Malis Zukunft nehmen können: Der Putschistenführer Amadou Haya Sanogo (Mitte) mit Parlamentspräsident Dioncounda Traoré (rechts). (9. April 2012)
Will weiterhin Einfluss auf Malis Zukunft nehmen können: Der Putschistenführer Amadou Haya Sanogo (Mitte) mit Parlamentspräsident Dioncounda Traoré (rechts). (9. April 2012)
Keystone
Die Armee beklagt sich über zu wenig Unterstützung im Kampf gegen den von den Tuareg angeführten Aufstand im Norden. (21. März 2012)
Die Armee beklagt sich über zu wenig Unterstützung im Kampf gegen den von den Tuareg angeführten Aufstand im Norden. (21. März 2012)
Keystone
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Nach Ablauf eines Ultimatums zur Machtübergabe an eine zivile Regierung haben die Mitgliedsstaaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas als Reaktion auf den Putsch in Mali sofortige finanzielle Sanktionen gegen das Land angekündigt. Grund sei das Versäumnis der Offiziere, wieder eine verfassungsmässige Ordnung im Land herzustellen, teilte die Ecowas am Montag nach einer Krisensitzung im Senegal mit.

Die Sanktionen beinhalten zum einen die Schliessung der Grenzen aufseiten der malischen Nachbarstaaten. Zum anderen wird das malische Konto bei der regionalen Zentralbank eingefroren. Beide Massnahmen dürften die Wirtschaft des bettelarmen Landes hart treffen. Angesichts der geschlossenen Grenzen dürften Mali sehr wahrscheinlich der Treibstoff ausgehen, den es aus der Elfenbeinküste importiert.

In den Händen der Tuareg

Die beiden Städte im Norden des Landes waren am Wochenende in die Hände der Tuareg-Rebellen und der mit ihnen verbündeten Aufständischen gefallen. Die Rebellen kontrollieren inzwischen den Norden Malis.

Der malische Putschistenführer Amadou Sanogo versuchte, die Sanktionen abzuwenden. Er erklärte am Sonntag die Verfassung und alle staatlichen Institutionen für wiederhergestellt. Ausserdem versprach er, die Macht an eine Zivilregierung abzugeben und Neuwahlen zu organisieren - ohne allerdings einen Zeitpunkt dafür zu nennen.

Sanogo hatte am 22. März die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt und die Macht an sich gerissen. Die meuternden Soldaten verlangten unter anderem eine bessere Ausrüstung für den Kampf gegen die Tuareg-Rebellen. Die Nomaden kämpfen seit Jahren für die Unabhängigkeit ihrer Region Azawad.

Aufruf zur Ausreise

Angesichts des ausufernden Konfliktes forderten Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Belgien ihre Bürger am Montag auf, Mali sofort zu verlassen oder geplante Reisen zu vermeiden.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) empfiehlt Schweizer Staatsangehörigen, die sich in Mali aufhalten, «in Erwägung zu ziehen, das Land vorübergehend zu verlassen, solange kommerzielle Transportmittel existieren und dies sicher erscheint», wie das EDA auf seiner Website schreibt. Von Reisen nach Mali wird abgeraten.

Helvetas wegen Tuareg beunruhigt

Auch das Schweizer Hilfswerk Helvetas reagiert auf die instabilen Lage in Mali. Die Organisation hat seine Mitarbeiter in den Süden des Landes gebracht. Die humanitären Mitarbeiter aus Mali abziehen will Helvetas derzeit aber nicht. «Von den rund zwanzig laufenden Projekten sind nur eines oder zwei im Norden», sagte Pierre-Yves Suter, Helvetas- Verantwortlicher in Mali, am Montag der Nachrichtenagentur sda.

Die Situation nach dem Militärputsch werde sich in den nächsten Tagen normalisieren, schätzt Suter, der sich seit einem Jahr in der Hauptstadt Bamako aufhält. Die Tuareg-Offensive im Norden des Landes beunruhigt ihn hingegen: «Diese Situation droht zu einer Spaltung des Landes zu führen.»

IKRK will Dialog fortsetzen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hofft, den Dialog mit den Tuareg-Rebellen fortsetzen zu können. Der Zugang zu Flüchtlingen, Verletzten und Gefangenen stehe im Zentrum ihrer Bemühungen, sagte IKRK-Sprecher Steven Anderson. Um die Opfer des Konflikts sicher zu erreichen, führe das IKRK weiterhin den Dialog mit bewaffneten Gruppen.

In den letzten Wochen sei der Kontakt mit der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) möglich gewesen. Dieser werde weitergeführt, sagte Anderson. Die MNLA ist ein Zusammenschluss mehrerer Tuareg-Gruppen.

sda/afp/dapd/wid

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