Zum Hauptinhalt springen

Diplomaten besuchen hohen Muslimbruder im Gefängnis

In Kairo versuchen Diplomaten weiterhin fieberhaft, eine Lösung zwischen Islamisten und Militärs zu vermitteln. Eine wichtige Rolle messen sie dabei offenbar dem mehrfach verurteilten Khairat al-Shater bei.

Schwierige Gespräche: Katars Aussenminister Khalid bin Muhammad al-Atiyah (Mitte) zu Besuch beim ägyptischen Vizepräsidenten Mohammed al-Baradei. (5. August 2013)
Schwierige Gespräche: Katars Aussenminister Khalid bin Muhammad al-Atiyah (Mitte) zu Besuch beim ägyptischen Vizepräsidenten Mohammed al-Baradei. (5. August 2013)
EPA/Behörden

Internationale Spitzendiplomaten haben sich in Kairo weiter um eine Entschärfung der explosiven Lage nach der Absetzung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi bemüht. Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine Herrschaft vom Militär entmachtet worden, seitdem ist er an einem unbekannten Ort inhaftiert.

Der stellvertretende US-Aussenminister William Burns, die Aussenminister von Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sowie ein EU-Vertreter suchten in der Nacht zum Montag erstmals Khairat al-Shater im Gefängnis auf, einen Top-Funktionär der Muslimbruderschaft.

Mehrfach verurteilt

Der Geschäftsmann gilt als Stratege der Islamisten. Im vergangenen Jahr war er die erste Wahl der Muslimbrüder für die Präsidentschaftskandidatur. Weil er aber mehrfach verurteilt war, wurde Mursi aufgestellt. Mursi hatte heftige Proteste der säkularen Opposition ausgelöst, die den Muslimbrüdern vorwerfen, einen Staat anzustreben, in dem Religionsregeln einen höheren Wert als Bürger- und Frauenrechte haben.

Die Anhänger der Muslimbruderschaft verlangen mit Massenkundgebungen und Dauerprotesten Mursis Wiedereinsetzung. Bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften wurden bisher rund 200 Islamisten getötet.

In der vergangenen Woche ordnete die Übergangsregierung die gewaltsame Räumung der beiden grössten Protestlager in Kairo an. Nach massiven Interventionen westlicher Regierungen setzte das Innenministerium die Räumungspläne bisher nicht durch. Viele befürchten im Falle einer gewaltsamen Auflösung der Proteste ein neues Blutvergiessen.

Spitzendiplomaten aus dem Westen und der arabischen Welt ringen derweil mit beiden Lagern in Ägypten um eine friedliche Beilegung der Krise, die die Absetzung Mursis durch das Militär ausgelöst hat.

Stillschweigen gewahrt

Über das Ergebnis der einstündigen Besprechungen der Diplomaten mit al-Shater wurde Stillschweigen gewahrt. Die staatlichen ägyptischen Medien bestätigten am Montag lediglich ein Treffen einer «regionalen und internationalen Delegation» mit der Nummer Zwei der Muslimbruderschaft.

Neben Burns waren der katarische Aussenminister Chalid al-Atija, sein VAE-Amtskollege Abdullah bin Said al-Nahjan und der EU-Vermittler Bernardino Leon bei dem prominenten Gefangenen.

Die Muslimbruderschaft reagierte reserviert auf das Treffen al-Shaters mit den Top-Diplomaten. In einer Stellungnahme vom Montag erklärte sie: «Doktor Mohammed Mursi ist der legitime gewählte Präsident, er alleine vertritt das ägyptische Volk, wer mit den Ägyptern sprechen will, muss deshalb mit ihm sprechen.»

Tausende Mursi-Anhänger demonstrierten am Montag in der Nähe des Obersten Gerichtshofs in Kairo. Sie verlangten die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten in sein Amt. Sicherheitskräfte sperrten das Gebäude grossräumig ab, um seine Erstürmung zu verhindern.

Heiligtümer zerstört

Militante Islamisten zerstörten derweil auf der Sinai-Halbinsel zwei islamische Schreine. Augenzeugen und Sicherheitsbeamte berichteten am Montag, neben dem Schrein von Scheich Salim im Bezirk Bir al-Abed und am Schrein von Scheich Hamid im Zentrum der Halbinsel seien in der Nacht Sprengsätze detoniert, die grossen Schaden anrichteten.

Solche Schreine sind oft Heiligen oder Nachkommen des Propheten Mohammed gewidmet. Anhänger der in Saudiarabien vorherrschenden wahhabitischen Interpretation des sunnitischen Islam lehnen jede Verehrung von frommen Menschen oder Familienangehörigen des Propheten Mohammed ab.

Seit dem Sturz Mursis haben sich die Aktivitäten militanter Islamisten und krimineller Banden im Norden und im Zentrum des Sinai intensiviert. Touristen im südlichen Scharm al-Scheich sind von den Unruhen bislang nicht betroffen gewesen.

SDA/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch