Die Verantwortung der Hamas

Dutzende von Toten im Gazastreifen: Wie es zum Massaker kam

Kein friedlicher Widerstand. Palästinenser schleudern Steine gegen die israelische Armee.

Kein friedlicher Widerstand. Palästinenser schleudern Steine gegen die israelische Armee.

(Bild: Keystone)

Wenn es nach der Hamas geht, kommt der Gazastreifen nicht zur Ruhe. Die Radikal-Islamisten wollen die Palästinenser so lange gegen Israel demonstrieren lassen, «bis unser Volk seine Ziele erreicht hat», sagt Hamas-Sprecher Fawzi Barhoum. Die vergangenen Tage waren zwar relativ ruhig. Aber für heute Freitag sind neue Protestaktionen geplant.

Gewaltfreie Demonstrationen sind nicht das Ding der Radikal-Islamisten. Eine ihrer zentralen Persönlichkeiten, Mahmoud al-Zahar, gab diese Woche in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al Jazeera zu Protokoll, dass sich die Hamas nicht einem «friedlichen Widerstand» verschrieben habe. Im Gegenteil: Die Option des bewaffneten Kampfes gegen Israel werde für die Hamas «immer wichtiger». «Wenn die Hamas von einem ‹friedlichen Widerstand› spricht, täuschen wir das Publikum», sagt al-Zahar, einer der Gründer der radikal-islamischen Bewegung. Und stolz fügt er hinzu: Hinter den Zivilisten würden «militärische Kräfte» der Hamas stehen.

Geplant und inszeniert

Ähnlich klingt es bei Hamas-Aktivist Salah Bardawil. Unter den 62 Toten vom Montag seien 50 Hamas-Mitglieder, lobt er den Einsatz seiner Bewegung. Gewaltbereit gibt sich auch Hamasführer Yayha Sinwar. «Unsere Jungs werden die ganze Welt damit überraschen, was sie alles auf Lager haben», hatte er vor dem blutigen Montag gedroht, «wir werden die Grenze niederreissen und die Herzen der Israeli «aus dem Körper zerren».

In Israel nimmt man die Drohung ernst. Denn überwinden Palästinenser die Grenze, trennen sie bloss 300 Meter bis zu den nächsten Kibbuzim und Dörfern. Nach 800 Metern sind sie bereits in der Stadt Sderot mit rund 25 000 Einwohnern. Häuser in Sderot wurden am Mittwoch von Maschinengewehrsalven getroffen.

Die Gewaltaktionen werden von der Hamas geplant und inszeniert. So wurden in Gaza laut einem Bericht der New York Times am Montag Palästinenser über Lautsprecher an Minaretten aufgefordert, zum Zaun an der Grenze zu Israel zu eilen, obwohl dort israelische Scharfschützen positioniert waren, die den Auftrag hatten, die Grenze zu verteidigen. Ein Reporter der Washington Post hörte, wie Aktivisten wider besseren Wissens behaupteten, dass israelische Soldaten ihre Stellungen verlassen würden. Die Palästinenser wurden von der Hamas damit angestachelt, in Richtung Grenze zu rennen, die scharf bewacht ist.

Präsentation als Opfer

Die Hamas weiss: Ihre Toten sorgen weltweit für Schlagzeilen. Dass am vergangenen Montag auch die US-amerikanische Botschaft in Jerusalem eingeweiht wurde, kam ihr sehr gelegen. Medien stellten die beiden Ereignisse so dar, als würde ein Zusammenhang zwischen dem Fest in der neuen US-Botschaft in Jerusalem und der Tragödie im Gazastreifen bestehen. Dabei organisieren die Palästinenser seit Ende März regelmässig einen «Marsch der Rückkehr» mit dem Ziel, nach Israel einzudringen. Dabei waren bis letzte Woche bereits Dutzende umgekommen, und die Zahl der Verletzten geht in die Tausende. Israels medizinische Hilfsangebote schlägt die Hamas aus.

Die Hamas hatte zynisch, aber aus ihrer Sicht richtig kalkuliert. Sie erhielt, was sie angestrebt hatte: nämlich eine breite Berichterstattung über das Vorgehen israelischer Soldaten, die als moralische Verlierer dastehen. Diejenigen aber, die das Massaker angezettelt haben, präsentieren sich als Opfer und mimen die Empörten.

Die makabre PR-Strategie wendet die Hamas seit vielen Jahren an. Bereits 2008 sagte der Hamas-Parlamentarier Fathi Hammad, dass der Tod «eine Industrie» der Palästinenser sei, in der Frauen, Alte und Kinder «besonders gut» und geeignet seien, die «zionistische Bombenmaschine» herauszufordern. Einst zählte die Hamas die Zahl der toten Israeli, um den Erfolg einer Terror-Aktion zu beurteilen. Heute trachtet sie danach, dass möglichst viele Palästinenser zu «Märtyrern» werden, um die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen. Denn nach den bisher zwölf Jahren, in denen die Hamas den Gazastreifen kontrolliert hat, hat sie für die Bevölkerung nichts Positives erreicht. Ihr Marsch der Rückkehr soll ihr helfen, davon abzulenken.

Basler Zeitung

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