Kämpfe zwischen US-Soldaten und russischen Söldnern

In Ostsyrien sind Amerikaner und Russen aneinandergeraten – was nie hätte passieren dürfen. Die «New York Times» hat nun die Schlacht rekonstruiert.

Zerstörung aus der Luft: Eine amerikanische MQ-9-Reaper-Drohne attackiert einen russischen T-72-Panzer bei Kämpfen im Osten Syriens. Foto: US-Verteidigungsministerium

Zerstörung aus der Luft: Eine amerikanische MQ-9-Reaper-Drohne attackiert einen russischen T-72-Panzer bei Kämpfen im Osten Syriens. Foto: US-Verteidigungsministerium

Vincenzo Capodici@V_Capodici

In den Wirren des Syrienkrieges besteht die Gefahr, dass Russen und Amerikaner ungewollt in direkte Kämpfe verwickelt werden. Ein solches Schreckensszenario könnte eine neue Eskalation mit kaum kalkulierbaren Folgen herbeiführen. Am 7. Februar 2018 kam es tatsächlich zu einer Schlacht, an der Amerikaner und Russen beteiligt waren. Das Besondere an diesem Zusammenstoss war, dass es sich bei den russischen Kämpfern nicht um Angehörige von offiziellen Truppen handelte, sondern um Söldner der sogenannten Wagner-Gruppe. Bei diesen Kämpfen verloren zahlreiche russische Kämpfer ihr Leben. Dennoch bemühten sich sowohl Moskau als auch Washington, die Ereignisse nahe der Stadt Deir al-Zour herunterzuspielen, zumindest in den offiziellen Verlautbarungen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Die Umstände der Schlacht bei Deir al-Zour hat nun die «New York Times» rekonstruiert. Die Zeitung sprach mit Direktbeteiligten in Syrien und stützt sich auch auf Dokumente aus dem Pentagon.

Kampf um Gasfeld

Auf der einen Seite standen die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit kurdischen und arabischen Kämpfern, auf der anderen Seite war eine Assad-treue Einheit mit Regierungssoldaten, Milizen und russischen Söldnern. Die Schlacht dauerte etwa vier Stunden, am Ende waren 200 bis 300 der Assad-treuen Kämpfer tot. Die meisten Opfer sollen Russen der Wagner-Gruppe gewesen sein. Die Amerikaner hatten weder Tote noch Verletzte zu beklagen, wie die «Times» berichtet.

Die Schlacht bei Deir al-Zour begann am späten Abend des 7. Februar, als eine Gruppe von rund 500 Pro-Assad-Kämpfern mit 27 Panzern und anderen Militärfahrzeugen auf einer Pontonbrücke den Euphrat überquerte. Offenbar hatte sie das Ziel, eines der grössten Gasfelder Ostsyriens einzunehmen. Das sogenannte Conoco-Feld bei Deir al-Zour hatten im September 2017 von Kurden geführte Truppen dem Islamischen Staat (IS) abgenommen – mithilfe der USA, die dort Spezialkräfte stationiert haben.

Beim Kampf um das Conoco-Gasfeld bei Deir al-Zour auch im Einsatz: B-52-Bomber der US-Luftwaffe. Foto: Reuters

Bevor die Schlacht begann, hatten Amerikaner und Russen Kontakt gehabt (über eine permanente Verbindung mit dem russischen Hauptquartier in Syrien). Weil die Russen erklärten, dass in der fraglichen Region keine eigenen Soldaten im Einsatz seien, entschieden die Amerikaner, den anrückenden Gegner zu vernichten. «Und so war es dann», sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis kürzlich bei einer Senatsanhörung.

Massiver Beschuss der US-Luftwaffe

Die Amerikaner reagierten mit einer massiven Gegenattacke, nachdem ein Angriff mit Mörsergranaten und T-72-Kampfpanzern begonnen hatte und 30 Geschosse im Umkreis von 500 Metern um den Stützpunkt einschlugen, auf dem etwa 40 US-Militärs stationiert sind. Neben der Artillerie setzten die USA vor allem auf ihre Luftwaffe: Zum Einsatz kamen Reaper-Drohnen, F-22-Stealth-Flugzeuge, F-15-Kampfjets, B-52-Bomber, C-130-Gunships und AH-64-Apache-Helikopter. Gemäss Angaben der «Times» nahm die US-Luftwaffe die Gegner drei Stunden lang unter Beschuss.

Während des Gefechts baten die Russen laut dem kurdischen Kommandanten um eine Feuerpause, um Tote und Verletzte zu bergen – nachdem sie zuvor bestritten hatten, dass russische Einheiten im Einsatz seien oder überhaupt ein Angriff in Gang sei.

Die als Wagner-Gruppe bekannte Einheit, in einer Frühphase des Ukrainekriegs gegründet, kämpft in Syrien mit angeblich mehr als 2000 Mann. US-Geheimdiensten zufolge haben die russischen Söldner auch die Aufgabe, lukrative Öl- und Gasfelder zu erobern und zugunsten des Assad-Regimes zu beschützen. Sie verdienen auch selber daran. Die Söldnertruppe operiert in Syrien mit dem Wissen und unter Anleitung des russischen Militärgeheimdienstes (GRU) – wobei der Kreml dies in Abrede stellt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt