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Die Qualen von Ghadhafis Amazonen

Sie begleitete Muammar al-Ghadhafi stets zu seinen öffentlichen Auftritten: Seine weibliche Leibgarde. Fünf Ehemalige erzählen nun über ihre Zeit mit dem Despoten.

Die Leibwächterinnen trugen Nagellack, Lippenstift und hatten ihre Haare sorgsam unter ihren Armeemützen versteckt. Ghadhafi an einem Gipfel der Saharastaaten Ende Mai 2010.
Die Leibwächterinnen trugen Nagellack, Lippenstift und hatten ihre Haare sorgsam unter ihren Armeemützen versteckt. Ghadhafi an einem Gipfel der Saharastaaten Ende Mai 2010.
Reuters
Der libysche Staatschef Muammar al-Ghadhafi bei einem Treffen mit Silvio Berlusconi in Rom.
Der libysche Staatschef Muammar al-Ghadhafi bei einem Treffen mit Silvio Berlusconi in Rom.
Reuters
In Libyen gab es nicht nur weibliche Bodyguards, auch in der regulären Armee dienten Frauen.
In Libyen gab es nicht nur weibliche Bodyguards, auch in der regulären Armee dienten Frauen.
Reuters
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Sie galten als Ghadhafis treueste Leibwächter und folgten ihm seit den frühen 80er-Jahren auf Schritt und Tritt: Die weiblichen Bodyguards oder «Amazonen», wie sie ehrfurchtsvoll genannt wurden.

Bei seinen Auslandsbesuchen präsentierte Ghadhafi seine Garde jeweils stolz. Etwa dann, wenn ihm der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Hof machte. Dabei trugen sie Uniformen, die in Sachen Prunk derjenigen ihres Anführers in nichts nachstanden.

Doch eine schockierende Enthüllung sorgt nun dafür, dass der mysteriöse Glanz um die rund 40-köpfige Frauentruppe abblättert wie der rote Lack, der ihre Fingernägel zierte. Gegenüber dem libyschen Psychologen Seham Sergewa äusserten sich fünf der ehemaligen Leibwächterinnen über die Zeit mit dem libyschen Despoten. Dabei seien sie wiederholt vergewaltigt, bedroht und schikaniert worden, schreibt die Nachrichtenagentur AFP.

An seine Söhne «weitergereicht»

Die Frauen sagten aus, dass Ghadhafi selbst sich an ihnen vergangen hätte. Danach habe er sie an seine Söhne «weitergereicht» und diese wiederum an andere hohe libysche Militärbeamte. Dies habe jeweils so lange gedauert, bis die anwesenden Männer «gelangweilt» die Finger von ihnen gelassen hätten.

In früheren Berichten war jeweils davon die Rede, dass Ghadhafi seine weiblichen Beschützerinnen aus einer Reihe von Bewerberinnen rekrutierte. Wichtige Kriterien: Nicht älter als 18 Jahre sollen sie sein und im Besitz ihrer Jungfräulichkeit.

Gegenüber Sergewa berichtet eine der Frauen, dass sie zur Leibwächterin gezwungen worden sei. Libysche Militärbeamte hätten einen Zeitungsartikel publiziert, der ihren Bruder des Drogenschmuggels bezichtigte. Daraufhin wurde sie vor die Wahl gestellt: entweder dem Despoten dienen oder ihr Bruder wandert ins Gefängnis.

Psychologe Sergewa sammelt gemäss AFP diese Aussagen, um sie gegen Ghadhafi verwenden zu können, falls dieser einst vor das Kriegstribunal gestellt würde.

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