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Die informellen Vermögen der Armen

Die Armen besitzen sehr viel mehr als angenommen, sagt Ökonom Hernando de Soto. Er stützt sich dabei auf eine eigene Studie in Ägypten.

In Armutsstatistiken werden sogenannte informelle Vermögen fast immer vergessen: Dies sagt der peruanische Ökonom Hernando de Soto. (Screenshot Twitter.com/BWbreaking)
In Armutsstatistiken werden sogenannte informelle Vermögen fast immer vergessen: Dies sagt der peruanische Ökonom Hernando de Soto. (Screenshot Twitter.com/BWbreaking)

Der Kampf gegen Armut ist eines der grossen globalen Wirtschaftsthemen unserer Zeit. Der französische Ökonom Thomas Piketty stellt in seinem Buch «Das Kapital im 21. Jahrhundert» die These auf, dass «Kapital automatisch willkürliche und unhaltbare Ungleichheiten produziere». Dieser These widerspricht der peruanische Ökonom Hernando de Soto entschieden.

Piketty begehe den Fehler, dass er sich in seiner Analyse auf schlechte und sinnlose Statistiken stütze, schreibt De Soto auf welt.de. Der Präsident des Institute for Liberty and Democracy in Perus Hauptstadt Lima führt eine eigene Studie an, die er in Zusammenarbeit mit 120 weiteren Forschern im Auftrag des ägyptischen Finanzministeriums durchgeführt hatte. Dabei wurden die Daten in Direktbefragungen der Menschen erhoben. Ein Fazit der Erhebung lautet, dass 47 Prozent des Jahresarbeitseinkommens in Ägypten eben nicht aus Arbeit, sondern aus Kapital stammt.

18 Milliarden Dollar Renditen auf informelles Kapital

22,5 Millionen Arbeiter im afrikanischen Land würden gemäss De Soto rund 18 Milliarden Dollar allein in Form von Renditen auf nicht erfasstes Kapital verdienen. Die ägyptischen Arbeiter besitzen gemäss der Studie Immobilien im geschätzten Wert von 360 Milliarden Dollar – ein zigfaches aller ausländischen Direktinvestionen in Ägypten während rund zweihundert Jahren. Diese sogenannt informellen Einkünfte und Vermögenswerte würden in europäischen Studien und Statistiken meist nicht berücksichtigt, kritisiert der 74-Jährige.

An Pikettys Buch missfällt dem Peruaner ausserdem, dass darin vor künftigen Kriegen gegen die Ungerechtigkeit des Kapitals gewarnt würde. Diese Kriege würden bereits heute im Nahen Osten und in Nordafrika geführt. Der arabische Frühling, der Krieg in Syrien oder die Konflikte in Libyen seien nicht Kriege gegen, sondern Kriege um mehr Kapital.

De Soto fasst schliesslich zusammen: Die Wurzel von Armut und Gewalt liegt nicht im Kapital, sondern im Mangel daran. Die grosse Mehrheit der Weltbevölkerung lebt nicht in einem europäisch-westlichen Umfeld, hat also einen ganz anderen Blick auf die Welt und sieht Kapital und Arbeit nicht als Gegensätze oder gar Feinde. Was Menschen in Armut am meisten fehlt, ist die Möglichkeit Kapital zu schaffen und dann auch zu schützen.

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