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«Die Hamas ist wie al-Qaida»

Nach allen Kräften bemühen sich internationale Top-Diplomaten um eine Feuerpause im Gaza-Streifen, doch der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu zeigt sich unversöhnlich.

Die diplomatischen Bemühungen für eine Waffenruhe im Gazastreifen laufen auf Hochtouren: UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (links) und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei der gemeinsamen Pressekonferenz. (22. Juli 2014)
Die diplomatischen Bemühungen für eine Waffenruhe im Gazastreifen laufen auf Hochtouren: UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (links) und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei der gemeinsamen Pressekonferenz. (22. Juli 2014)
Dan Balilty, Keystone

Mehr als 600 tote Palästinenser, dazu 29 getötete Israelis - das ist die traurige Bilanz nach zwei Wochen der Angriffe und Kämpfe im Gazastreifen. Ranghohe Diplomaten von Vereinten Nationen, aus den USA und Ägypten bemühten sich am Dienstag weiter mit Hochdruck um eine Waffenruhe - doch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drängte die internationale Gemeinschaft zu einem harten Vorgehen gegen die Hamas.

Die radikalislamische Palästinenserorganisation müsse dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass sie mehrere Waffenruheangebote abgelehnt habe und ihre Angriffe auf Israel fortsetze, sagte Netanyahu. Die Hamas sei «wie al-Qaida» und müsse deshalb auch entsprechend behandelt werden, erklärte der Regierungschef bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Ban Ki Moon ist optimistischer

Ban ist in der Region, um zwischen den beiden Parteien zu vermitteln. Der UN-Generalsekretär zeigte sich deutlich optimistischer. Er hoffe und glaube, dass die diplomatischen Gespräche die Kämpfe im Gazastreifen «in sehr naher Zukunft» beenden würden, sagte er in einer Videokonferenz mit dem UN-Sicherheitsrat.

In Kairo berieten US-Aussenminister John Kerry und sein ägyptischer Kollege Sameh Schukri über einen Ausweg aus der Krise. Schukri sagte, er wolle nicht nur einen Waffenstillstand erreichen, sondern auch eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen Palästinensern und Israelis. Eine Initiative Kerrys war im April gescheitert. Kerry sagte, er hoffe darauf einen Weg zu finden, auch die unterschwelligen Themen des Konflikts anzusprechen.

Viele Kinder als Opfer

Die Fronten sind jedoch verhärtet: Hamas-Führer Ismail Hanijeh signalisierte, dass die radikalislamische Organisation keine bedingungslose Feuerpause akzeptieren würde. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte wiederum, sein Land werde «so lange wie nötig» weiterkämpfen.

Später erklärte jedoch der israelische US-Botschafter Ron Dermer, Israel sei zu einer Waffenruhe bereit, wenn die Hamas zustimme. «Wenn wir einen nachhaltigen Frieden und Ruhe für Israel erreichen können, ist es das, was wir wollen», sagte er und fügte hinzu: «Es ist nicht unser Ziel, den Gazastreifen zurückzuerobern.»

Mit unverminderter Härte setzte Israel seine Offensive am Dienstag jedoch fort - zwei Wochen nach den ersten Luftangriffen auf den Gazastreifen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden dort bislang mindestens 609 Palästinenser getötet. Die Vereinten Nationen schätzen, dass rund 75 Prozent der Opfer Zivilisten sind, darunter viele Kinder. Israel beklagt bislang 29 Tote.

Hoher Preis für verschleppten israelischen Soldaten

Ein Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums bestätigte Berichte, wonach ein Soldat vermisst wird. Er habe sich zusammen mit sechs Kameraden in einem gepanzerten Fahrzeug befunden, das am Wochenende von einer Rakete getroffen worden sei. Die Kameraden wurden für tot erklärt, nur von dem Mann seien keine sterblichen Überreste gefunden worden.

Sollte sich der Mann lebend in den Händen der Hamas befinden, wie diese behauptet, würde dies das Militär vor eine grosse Herausforderung stellen. Israel verfolgt den Grundsatz, keine Soldaten zurückzulassen. In der Vergangenheit hat man dafür einen hohen Preis in Kauf genommen. 2006 verschleppten Extremisten den Soldaten Gilad Shalit. Für seine Freilassung liess Israel Jahre später mehr als tausend gefangene Palästinenser frei.

AP/thu

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