Zum Hauptinhalt springen

Der Mann fürs Grobe im Dienste der USA

Omar Suleiman etabliert sich in Ägypten als neuer starker Mann. Beim Geheimdienst hat der Vizepräsident eine zweifelhafte Vergangenheit – die auch die USA in ein schlechtes Licht rückt.

Wirkte fast 20 Jahre lang als Chef des Geheimdiensts: Omar Suleiman.
Wirkte fast 20 Jahre lang als Chef des Geheimdiensts: Omar Suleiman.
Reuters
Suleiman ergreift in der ägyptischen Regierung zunehmend das Wort. Im Geheimdienst galt er als Kontaktmann zur USA
Suleiman ergreift in der ägyptischen Regierung zunehmend das Wort. Im Geheimdienst galt er als Kontaktmann zur USA
AFP
1 / 2

Es gibt Gründe, weswegen Geheimdienste im Geheimen operieren. Fast 20 Jahre lang wirkte Omar Suleiman, Ägyptens neuer Vizepräsident, als Chef des Geheimdiensts hinter den Kulissen.

In dieser Zeit baute er enge Beziehungen zu den Diensten der USA auf - und war nach US-Berichten auch an dem Programm zur Verschleppung von Terrorverdächtigen zur Befragung und Folter durch den US-Geheimdienst CIA im Ausland beteiligt. Seit Suleiman als Anwärter für die Präsidentschaft gilt, fällt Licht auf seine Verbindungen zu den in Ägypten unbeliebten Amerikanern.

Wichtiger Partner für US-Geheimdienst

US-Geheimdienstler schätzen Suleiman als verlässlichen Partner, der in den 90-er Jahren nach einer Serie von Anschlägen auf Touristen mit grosser Härte gegen radikalislamische Gruppen vorging. Die Verbindungen reichen weit zurück.

In den 80-er Jahren war Suleiman in einer US-Agentenschmiede auf dem Stützpunkt Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina in Geheimdienstarbeit und «besonderer Kriegsführung» ausgebildet worden.

Der Mann für die Folter

Die enge Zusammenarbeit der Sicherheitsapparate Ägyptens und der USA hat eine dunkle Seite, und Suleiman soll dabei nach Recherchen von US-Journalisten eine Schlüsselrolle gespielt haben.

Es geht um die Praxis der US-Geheimdienste, weltweit Terrorverdächtige aufzugreifen und in Gefängnisse loyaler Drittländer zu verschleppen, wo sie brutalen Verhörmethoden bis hin zur Folter ausgesetzt wurden - was in Gefängnissen auf US-Gebiet verboten gewesen wäre.

Suleiman sei «der Kontaktmann der CIA in Ägypten für das Transferprogramm» gewesen, schreibt die Journalistin und Geheimdienstexpertin Jane Meyer im Magazin «New Yorker».

Abkommen zum Transfer von Verdächtigen

Der Reporter Stephen Gray berichtet in seinem Buch «Ghost Plane», Suleiman habe bereits 1995 mit den USA ein Abkommen zum Transfer von Verdächtigen zur harschen Befragung in ägyptischen Gefängnissen ausgehandelt.

Menschenrechtsgruppen werfen den USA vor, durch das geheime Transferprogramm gegen das Völkerrecht, die eigenen Gesetze und moralischen Prinzipien verstossen zu haben. In einem prominenten Fall sollen die USA den mutmasslichen Al- Kaida-Aktivisten Ibn Scheich al-Libi vor dem Irak-Krieg 2003 nach Ägyptem gebracht haben, um von ihm Aussagen über eine Zusammenarbeit des Terrornetzwerks Al-Kaida mit dem irakischen Machthaber Saddam Hussein zu erhalten.

Al-Libi sei gefesselt nach Kairo geflogen worden, wo die CIA auf die Arbeit Suleimans vertrauten, schreibt der US-Journalist Ron Suskind in seinem Buch «The One Percent Doctrine». Al-Libi machte schliesslich die gewünschte Aussage - die dann vom damaligen US-Aussenminister Colin Powell vor der UNO zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs angeführt wurde. Später zog Al-Libi die Angaben zurück.

Enger Partner Israels

Wertschätzung als enger Partner geniesst Suleiman auch in Israel, wie aus kürzlich von der Internetplattform Wikileaks veröffentlichten US-Botschaftsberichten hervorgeht. Es stehe «ausser Frage», dass Suleiman der israelischen Regierung als Nachfolger von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak «am liebsten» wäre, heisst es in einem geheimen Bericht der US-Botschaft in Tel Aviv aus dem Jahr 2008, aus dem die britische Zeitung «Telegraph» zitierte.

Zwischen Suleimans Geheimdienst und dem israelischen Verteidigungsministerium gebe es eine Telefonhotline, die «täglich in Benutzung» sei. Suleiman habe sogar angeboten, dass israelische Soldaten auf ägyptischem Territorium operieren dürften, um den Waffenschmuggel an Palästinenser zu unterbinden.

SDA/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch