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Der Mann, der die Vuvuzela erfand

Zehn Jahre ist es her, dass der Fabrikangestellte und Hobby-Fussballer Neil Van Schalkwyk erstmals eine Plastiktröte industriell herstellte. Inzwischen ist er ein wohlhabender Mann.

«Vuvuzela kommt bald nach Russland»: Neil Van Schalkwyk am Freitag in Kapstadt.
«Vuvuzela kommt bald nach Russland»: Neil Van Schalkwyk am Freitag in Kapstadt.

Wenn der Verteidiger Neil Van Schalkwyk vor 15 Jahren nicht den Ausgleich für die Jugendmannschaft von Santos Kapstadt geschossen hätte, würden den Zuschauern der Weltmeisterschaftsspiele heute vielleicht nicht vom Vuvuzela-Lärm die Ohren wehtun.

Bei einem jubelnden Fan sah er eine lange, selbstgemachte Trompete und damit war die Idee geboren. «Das war der Moment, der hängengeblieben ist», sagt Van Schalkwyk, der als Erfinder der von den Südafrikanern heissgeliebten Tröte gilt.

Schalkwyk arbeitete damals in einer Plastikfabrik. Es müsse doch einen Weg geben eine ähnlich Trompete mit demselben ohrenbetäubenden Klang herzustellen, dachte er. «Ich habe viel Schlaf darüber verloren», sagt er. Jetzt möchte er sich bei denen entschuldigen, die «ein wenig Schlaf verlieren», denn die Ööööööööös der Vuvuzelas erfüllen auch die nächtlichen Strassen von Kapstadt. Mittlerweile wurden schon Tausende Trompeten verkauft, denen ein Gehörschutz direkt beigelegt wurde.

Vuvuzela tritt Siegeszug um die Welt an

Vor zehn Jahren hat Schalkwyk damit begonnen, seine Erfindung zu vermarkten. 2001 produzierte er 500 Tröten. Der Durchbruch kam, als eine Firma 20'000 Stück als Werbeartikel bestellte. Er konnte seine Vuvuzela allerdings nicht patentieren lassen. «Eine Trompete ist eine Trompete und die gibt es schon seit Jahrhunderten», sagt er. Stattdessen liess er den Namen «Vuvuzela» als Schutzmarke eintragen. Er übersetzt das Wort mit «jemanden mit Lärm duschen.»

Heute klopfen selbst russische und brasilianische Geschäftsleute an seine Tür, um die Vuvuzelas in Lizenz zu produzieren. «Es sieht so aus, als kommt die Vuvuzela auch nach Russland», sagt Schalkwyk. Dank der deutschen Firma Urbas-Kehrberg ist er bereits an den Vuvuzela-Einnahmen in Europa beteiligt. Schalkwyk glaubt, dass etwa ein Viertel der in Europa verkauften Tröten echte, lizenzierte Vuvuzelas sind. Der Hype um die Trompete scheint die ganze Welt zu erfassen.

Geschäft im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen

Natürlich hat das Instrument nicht nur Fans. Das kollektive Tröten in den Stadien hört sich in den Fernsehübertragungen an wie ein wütend gewordener Bienenschwarm. Nach anfänglichem Zögern und heftigen Zuschauerprotesten Filtern die Fernsehanstalten den von Zuschauern ungeliebten Ton zunehmend heraus - der einzige Weg, den Fernsehpublikumswünschen nachzukommen. Denn aus den Stadien wird die Tröte wohl nicht verbannt werden. FIFA-Chef Josef Blatter hat, sehr zu Schalkwyks Freude, die Vuvuzela zum afrikanischen Kulturgut erklärt. Auch der Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu ist ein Verteidiger der Tröte.

In der Zwischenzeit arbeiten für Schalkwyk rund 100 Leute und produzieren täglich neue Vuvuzelas. Von dem Gewinn der letzten zehn Jahre, von umgerechnet rund 750'000 Euro, stammt etwa die Hälfte aus dem vergangenen Jahr. Und Tausende Fans werden wahrscheinlich noch ein, zwei oder noch mehr Vuvuzelas als Andenken kaufen, bevor sie nach Hause fliegen. Das grosse Geschäft beginnt für ihn gerade erst.

Wenn die Mannschaft gewinnt, beschwert sich keiner

Anders als in Europa, wo seit jeher die Fanchöre die Stimmung in den Stadien dominieren, gehören Tröten und Trommeln in Südafrika schon lange zur Fussballfankultur. «Im Land werden elf verschiedene Sprachen gesprochen und bestimmte Lieder werden woanders einfach nicht verstanden», sagt Schalkwyk. «Aber es gibt eine Sprache, die alle verstehen: die Vuvuzela.»

Die Kritik der Spieler an dem Getröte will er nicht gelten lassen. Spätestens seit Spaniens Sieg im Confederationscup im vergangenen Jahr kenne jeder die Vuvuzelas. Die Spieler hätten sogar viele davon mit nach Hause genommen, sagt er. Und nach Argentiniens Auftritt gegen Südkorea werde sich auch Lionel Messi nicht mehr über die Vuvuzela beschweren, ist er überzeugt.

dapd/oku

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