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Der Golfkrieg legte 1991 die Saat

20 Jahre ist es her, dass der irakische Diktator Saddam Hussein seine Armee in das Nachbarland Kuwait einmarschieren liess. Der Angriff, der den Golfkrieg auslöste, wirkt in beiden Ländern noch heute nach.

Wunden sind noch nicht verheilt: US-Marines patrouillieren an einer brennenden Ölquelle nahe Kuwait City am 7. März 1991.
Wunden sind noch nicht verheilt: US-Marines patrouillieren an einer brennenden Ölquelle nahe Kuwait City am 7. März 1991.
Keystone

Kuwait leidet unter dem Trauma, von dem grossen Nachbarn als 19. irakische Provinz annektiert worden zu sein. Der Irak wiederum muss bis heute Reparationen in Milliardenhöhe an Kuwait zahlen. In einigen Bereichen konnten sich beide Länder mittlerweile zur Zusammenarbeit durchringen, ihre gemeinsamen Grenzen sind aber immer noch ein Streitpunkt.

Saddam Hussein hatte am 2. August 1990 irakische Panzer in Kuwait einrollen lassen, um das wohlhabende Öl-Emirat zu annektieren. «Das war eine der furchtbarsten Entscheidungen, die er je getroffen hat», sagt der heutige irakische Aussenminister Hoschjar Sebari. «Der Irak hat seitdem wirklich immer unter dieser Entscheidung gelitten.» Schliesslich habe der UNO-Sicherheitsrat in Folge des Angriffs ein Embargo gegen den Irak verhängt.

US-Truppen starteten «Operation Wüstensturm»

Drei Wochen nach dem Einmarsch billigte der UN-Sicherheitsrat ausserdem die Anwendung von Gewalt, um die irakische Besatzung zu beenden. Fünf Monate später, im Januar 1991, startete die US-geführte «Operation Wüstensturm» gegen den Irak. Deutschland unterstützte den Militäreinsatz finanziell. Nach 41 Tagen erbitterter Kämpfe akzeptierte der Irak einen Waffenstillstand. In der Folge legte der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution die gemeinsamen Land- und Seegrenzen des Irak und Kuwaits fest.

Der Golfkrieg, so meinen viele Experten, legte die Saat für den US-Einmarsch im Irak im März 2003, dem jahrelange Kämpfe folgten. Noch heute leidet das Land unter Zwietracht zwischen den Konfessionen und regelmässigen Anschlägen. Eine direkte Folge des Golf-Kriegs sind ausserdem die hohen Schulden des Irak. Bislang zahlte er in einen von der UNO eingerichteten Entschädigungsfonds für Kuwait 30,15 Milliarden Dollar ein, 23,3 Milliarden Dollar stehen noch aus.

Sterbliche Überreste werden asugetauscht

Daher fliessen weiter fünf Prozent aus den irakischen Öl- und Gaseinnahmen in den Fonds. Dieses Geld fehlt dem Irak beim Wiederaufbau, dessen Infrastruktur unter dem Golfkrieg, dem UN-Embargo und dem US-Einmarsch sehr gelitten hat. Das Land muss ausserdem noch rund acht Milliarden Dollar Schulden bei Kuwait abzahlen, eine weitere Milliarde Dollar fordert der Golfstaat, weil die Iraker sich 1990 mehrerer Flugzeuge von Kuwait Airways bemächtigt hatten.

Unter internationalem Druck näherten sich die beiden Nachbarländer aneinander an. Am 2. August 2004 nahmen sie diplomatische Beziehungen zueinander auf. Einen Botschafter schickte Kuwait allerdings erst 2008 ins Nachbarland, der irakische Botschafter für Kuwait wurde erst im März ernannt. Immerhin arbeiten Bagdad und Kuwait mittlerweile beim Austausch von sterblichen Überresten von Opfern des Golfkriegs zusammen. Der Irak gab ausserdem in Kuwait beschlagnahmte Archive und Dokumente zurück.

Streit über gemeinsame Grenzen

Ein bedeutender Streitpunkt bleiben aber die gemeinsamen Grenzen. Ende 1994 hatte Saddam Hussein die von der UNO vorgenommene Grenzziehung anerkannt. Nach seinem Sturz wurde dieser Schritt aber nicht bekräftigt. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri el Maliki wollte das heisse Eisen vor der Parlamentswahl Anfang März nicht mehr anfassen. Aus Angst, dass das beim Wahlvolk nicht gut ankommt, wie Sebari zugibt. Eine neue irakische Regierung ist aber immer noch nicht gebildet worden. Diplomaten vermuten, der Irak bewahre sich die Grenzanerkennung als Faustpfand.

Kuwait will in der Frage nicht nachgeben. «Bis der Irak innere Stabilität erlangt und die Regierung fähig zu einer einheitlichen Aussenpolitik ist, bleiben die irakisch-kuwaitischen Beziehungen ein kontroverses Thema», sagt die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im kuwaitischen Parlament, Massuma el Mubarak. Ihr Land wolle ein neues Kapitel aufschlagen. Aber das ist laut Mubarak nicht einfach: «Die Wunden sind sehr tief.»

AFP/bru

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