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Damaskus soll C-Waffen gegen drei Dörfer eingesetzt haben

Ein Bericht von Chemiewaffen-Inspektoren legt neue Details aus dem syrischen Bürgerkrieg offen: Gegen drei Dörfer wurde Chlorgas als Waffe eingesetzt. Für die USA steckt die Regierung in Damaskus dahinter.

«Höchstwahrscheinlich» setzte Syrien Giftgas ein: Eine Frau wird in einem Spital behandelt. (14. April 2014)
«Höchstwahrscheinlich» setzte Syrien Giftgas ein: Eine Frau wird in einem Spital behandelt. (14. April 2014)
Reuters

Im syrischen Bürgerkrieg ist UNO-Inspektoren zufolge «höchstwahrscheinlich» Chlorgas gegen drei Dörfer eingesetzt worden. 350 bis 500 Menschen seien von den Attacken im vergangenen Jahr betroffen gewesen, 13 von ihnen getötet worden, hiess es im dritten Bericht einer Untersuchungskommission der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Er lag der Nachrichtenagentur AP am Dienstag vor.

Der Report fusse auf Interviews mit Bewohnern der Dörfer Talmenes und Al Tamana in der Provinz Idlib und der Ortschaft Kafr Sita in der Region Hama. 32 von 37 der Befragten erklärten demnach, sie hätten zum Zeitpunkt der Angriffe Helikopter mit Fassbomben und giftigen Chemikalien über dem Dorf gesehen oder gehört.

16 weitere Anwohner suchten demnach die Schauplätze auf und gaben an, die Bomben oder deren Reste gesehen zu haben. 29 Menschen hätten zudem den «markanten Geruch der Gaswolke» gerochen, der nach dem Einschlag der Bombe freigesetzt worden sei. Zum Bericht gehören zudem Beschreibungen von 152 Videos und 189 Beweisstücken sowie Fotos von Schauplätzen und dem Chlorin-Zylinder einer Fassbombe.

Für Samantha Power ist der Fall klar

Über die Verantwortlichen für die Angriffe äusserten sich die Autoren nicht. Doch die amerikanische UNO-Botschafterin Samantha Power machte die Regierung in Damaskus als Schuldigen aus. «Nur das syrische Regime benutzt Helikopter», twitterte sie. Ihm müsse klargemacht werden, dass es nicht genug sei, nur deklarierte Chemiewaffen zu zerstören. Das Abwerfen von mit Chemikalien bestückten Sprengstoffen auf Zivilisten müsse aufhören, forderte Power.

Der stellvertretende syrische Aussenminister Fajsal Mekdad hatte den Einsatz von Chemiewaffen oder Chlorin-Gas durch Regierungstruppen bereits im Dezember bei einem OPCW-Treffen vehement zurückgewiesen.

Chlorin ist leicht zu bekommen

Die Untersuchungsmission wurde am 29. April ins Leben gerufen, um Vorwürfe rund um den mutmasslichen Einsatz von Chlorin-Gas zu «feindlichen Zwecken» in Syrien zu prüfen. Das Gas ist leicht zu bekommen und wird weltweit in der Industrie verwendet, kann jedoch auch als Waffe eingesetzt werden.

Chlorin-Gas wird zwar nicht offiziell als chemisches Kampfmittel geführt. Doch acht Mitgliedsstaaten des UNO-Sicherheitsrats, darunter die USA und Jordanien, legten dem jüngsten OPCW-Bericht Ende Dezember einen Brief bei, in dem sie auf eine Resolution vom September 2013 verwiesen, die Syrien zur Zerstörung seines Chemiewaffenarsenals auffordert.

Am Dienstag wurde der Report zu den mutmasslichen Chorin-Gas-Attacken im Sicherheitsrat diskutiert. Diplomaten zufolge drangen die USA, andere westliche Länder sowie Jordanien auf eine rasche Reaktion des höchsten UNO-Gremiums. Doch Russland, der engste Verbündete Syriens, beharrte darauf, dass die Erkenntnisse des Berichts allein Sache der OPCW seien.

AP/chk

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