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CIA: Teheran baut keine Atombombe

Die Atomenergiebhörde IAEA ist alarmiert über das iranische Atomprogramm. Die US-Geheimdienste sehen derweil nach wie vor keine Beweise dafür, dass der Iran eine Atombombe bauen will.

Keine klaren Absichten: Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad besucht eine Anlage für Uraniumanreicherung 300 Kilometer südlich von Teheran.
Keine klaren Absichten: Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad besucht eine Anlage für Uraniumanreicherung 300 Kilometer südlich von Teheran.
Keystone

Der Iran forciert laut einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sein umstrittenes Atomprogramm. Das Land habe seine Kapazitäten zur höherprozentigen Anreicherung von Uran verdreifacht. Die IAEA habe «weiter ernsthafte Sorgen wegen der möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Atomprogramms», heisst es. Ausserdem fehle der Atomenergiebehörde eine glaubhafte Erklärung Teherans für verschwundenes Uranmetall.

Baut Teheran tatsächlich die Atombombe? Die US-Geheimdienste sehen einem Zeitungsbericht zufolge nach wie vor keine Beweise dafür, dass der Iran eine Atombombe bauen will. In ihren jüngsten Einschätzungen kämen die CIA und die anderen Dienste des Landes zu ähnliche Schlussfolgerungen wie bereits vor fünf Jahren, wonach der Iran sein Atomwaffenprogramm eingestellt habe, berichtete die «New York Times» am Samstag unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Regierungsvertreter.

Noch kein Beschluss aus Teheran

Laut «NYT» gibt es bei den Geheimdiensten der USA, Israels und europäischer Staaten keine Zweifel daran, dass der Iran Nuklearmaterial anreichert und Elemente einer Infrastruktur entwickelt, die notwendig ist, um eine Atommacht zu werden. Der Iran habe aber nach Einschätzung der US-Geheimdienste selbst noch nicht beschlossen, ob er parallel dazu ein Programm zur Entwicklung von Atomsprengköpfen wieder aufnehmen wolle. Dieses Programm sei nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste 2003 im Wesentlichen eingestellt worden. Dies gab der US-Geheimdienstchef James R. Clapper und CIA-Chef David Petraeus am 31. Januar 2012 dem Senat zu Protokoll.

Womöglich sei es Ziel des Iran, mit der Anreicherung von Uran so etwa wie eine «strategische Zweideutigkeit» zu schaffen, berichtete die «NYT» weiter. Demnach könnte der Iran im Nahen Osten an Einfluss gewinnen, indem er die Welt im Unklaren darüber lässt, welche Ziele er mit seinem Atomprogramm wirklich verfolgt.

Mehr als 100 Kilogramm angereichertes Uran

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Bombe zu arbeiten. Teheran weist dies zurück und beharrt auf dem Recht zur Nutzung der Atomenergie. In dem Bericht IAEA ist ausserdem von «schweren Differenzen» die Rede, die zum Scheitern ihrer beiden letzten Missionen im Iran geführt hätten. In der Frage nach dem richtigen Ansatz, mit dem sich die Unklarheiten über das iranische Atomprogramm beseitigen liessen, habe keine Einigkeit hergestellt werden können.

Nach dem IAEA-Bericht hat das Land die Zahl der leistungsfähigen Zentrifungen in der unterirdischen Anlage Fordo verdoppelt und mehr als 100 Kilogramm höher angereichertes Uran hergestellt. Das sei weniger als die Hälfte der Menge, die für einen atomaren Sprengkopf nötig sei. Angereichertes Uran kann zivilen Zwecken dienen, ist aber auch für den Bau einer Atombombe notwendig.

Der Iran will das Material nach eigenen Angaben für die Forschung verwenden. Der iranische IAEA-Botschafter Ali-Asgar Soltanieh sagte laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars, der Bericht beweise die «friedliche Natur» des Nuklearprogramms des Landes. Zudem reflektiere der am Freitag in Wien veröffentlichte Report die Fortschritte, die der Iran in der Nukleartechnologie gemacht habe.

Putins Vorwurf an den Westen

Der Streit über das iranische Atomprogramm hatte sich jüngst verschärft. Die Europäischen Union hat ein Öl-Embargo verhängt und will die Islamische Republik mit dem Ausfall der lukrativen Einnahmen zum Einlenken zwingen. Der Iran hat seinerseits damit gedroht, die Strasse von Hormus zu blockieren, eine der weltweit wichtigsten Handelswege. Die US-Marine ist mit einem Verband in der Region und hat ankündigt, die Wasserstrasse offen zu halten. In Israel wurde derweil öffentlich über einen präventiven Militärschlag gegen verdächtige Nuklearanlagen im Iran spekuliert.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin warf dem Westen derweil vor, mit seinem Vorgehen gegen den Iran nicht auf das Atomprogramm des Landes abzuzielen, sondern letztlich einen «Regimewechsel» herbeiführen zu wollen. Dies geschehe unter dem Deckmantel des Kampfes gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, sagte Putin bei einem Besuch in der russischen Atomforschungsanlage in Sarow.

Mit Material von AFP und sda

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