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Augenzeugen berichten von Gräueltaten der Islamisten

Willkürliche Hinrichtungen, Folter und Vergewaltigungen: Malier schildern das erschreckende Vorgehen islamischer Extremisten. Hunderttausende flüchten.

Hunderttausende fliehen vor Kriegsgefechten und Übergriffen der Rebellen: Ein Flüchtlingscamp in Mauretanien neben der Grenze zu Mali. (Archivbild)
Hunderttausende fliehen vor Kriegsgefechten und Übergriffen der Rebellen: Ein Flüchtlingscamp in Mauretanien neben der Grenze zu Mali. (Archivbild)
AFP

Die ehemalige französische Kolonie Mali ist seit März gespalten. Damals nutzten Tuareg-Rebellen ein Machtvakuum nach einem Militärputsch, um den Norden unter ihre Kontrolle zu bringen. Inzwischen haben sich dort islamische Fundamentalisten durchgesetzt, die mit Gewalt die islamische Rechtsprechung der Scharia durchsetzen wollen. Augenzeugen berichteten von Bestrafungen durch abgehackte Gliedmassen und von zahlreichen Vergewaltigungen.

Die Gesamtzahl der seit Beginn des Konflikts im Frühjahr 2012 geflohenen Malier innerhalb und ausserhalb des Landes könnte auf mehr als eine Million ansteigen, schätzt das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR).

Ausser den Gefechten zwischen den von Frankreich unterstützten Regierungstruppen und islamischen Extremisten gaben Zeugen in Gesprächen mit Helfern massive Übergriffe durch die Rebellen als Fluchtgrund an. Sie hätten willkürliche Hinrichtungen sowie Bestrafungen durch das Abtrennen von Gliedmassen unter Berufung auf die Scharia geschildert, berichtete UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming.

Schüler als «menschliche Schutzschilde» missbraucht

Zahlreiche solcher Vorwürfe werden auch in einem Bericht des UNO-Menschenrechtsrates zur Lage in Mali dokumentiert, über den am selben Tag in Genf informiert wurde.

So sollen die islamistischen Aufständischen im vergangenen Jahr zahlreiche Schüler als «menschliche Schutzschilde» vor Angriffen der Armee missbraucht haben. Zudem hätten sie in einem Fall 94 von 153 bereits entwaffneten Soldaten umgebracht. Die Armee habe ihrerseits aus Rache gefangene Tuareg-Rebellen willkürlich getötet.

Vergewaltigungen und Zwangsheiraten

Viele Frauen seien im Norden Malis Opfer von Vergewaltigungen geworden, heisst es in dem Expertenbericht, der auch der UNO-Vollversammlung in New York übergeben wurde. Vergewaltigten oder sexuell belästigten Frauen sei teils vorgeworfen worden, sie hätten ihre Körper nicht ausreichend verhüllt oder es gewagt, Motorrad zu fahren.

Vergewaltigungen vor den Augen von Familienmitgliedern seien oft gegen Angehörige bestimmter ethnischer Gruppen gezielt als Mittel zu deren Einschüchterung begangen worden. Zudem seien Mädchen von erst zwölf Jahren mit islamistischen Kämpfern zwangsverheiratet worden, heisst es in dem Bericht des UNO-Menschenrechtsrates. Alle dort dokumentierten Fälle beziehen sich auf das zurückliegende Jahr.

Das UNHCR stellt sich nach Angaben der Sprecherin auf bis zu 300'000 Menschen ein, die innerhalb Malis Zuflucht suchen, und 407'000, die in benachbarte Länder fliehen. Seit dem Frühjahr 2012 seien vor Kämpfen im Norden des Landes bislang rund 230'000 Menschen zu anderen Orten innerhalb Malis und fast 150'000 in Länder der Region geflohen.

Konna rückerobert

Inzwischen hat die malische Armee die Stadt Konna komplett zurückerobert. Die Armee habe die «vollständige Kontrolle» über die zentralmalische Stadt, teilten die Armee mit. Sicherheitskräfte und Einwohner bestätigten die Angaben.

Frankreich hatte die Stärke der islamistischen Rebellen nach Angaben von Diplomaten zunächst unterschätzt. Die Kämpfer seien gut ausgerüstet, ausgebildet und entschlossen gewesen, sagte ein hochrangiger französischer Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters.

Unterdessen kündigte die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS an, die Stationierung ihrer Eingreiftruppe in Mali zu beschleunigen. Die «kriminellen und terroristischen Bewegungen» hätten durch ihre Ablehnung des Friedensangebots den Krieg erzwungen, sagte ECOWAS-Kommissionspräsident Désiré Kadré Ouédraogo zu Beginn eines Krisentreffens in Abidjan in der Elfenbeinküste. Daher solle die Entsendung der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) beschleunigt werden.

Westafrikanische Soldaten angekommen

Die ersten hundert Soldaten aus Nigeria und Togo trafen am Donnerstagabend in Malis Hauptstadt Bamako ein. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan kündigte an, 1200 statt wie bisher geplant 900 Soldaten zu stellen. Bis zum 26. Januar sollen 2000 Soldaten entsandt werden, langfristig soll die MISMA mehr als 3000 Soldaten umfassen. Der Tschad, der nicht zur ECOWAS gehört, will seinerseits 2000 Soldaten stellen.

Die MISMA soll die malische Armee bei der Rückeroberung des Nordens unterstützen, der seit April unter der Kontrolle islamistischer Milizen steht.

Deutsche Transportflugzeuge

Frankreich hat 1400 Soldaten vor Ort, ihre Zahl soll demnächst auf 2500 steigen. Deutschland und andere EU-Staaten wollen logistische Hilfe leisten, jedoch keine Kampftruppen schicken. Mitte Februar soll aber eine EU-Ausbildungsmission für die malische Armee beginnen.

Am Donnerstagabend starteten die beiden deutschen Transall-Transportflugzeuge zur Unterstützung des Ecowas-Einsatzes von ihrem Stützpunkt in Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Bundeswehr flogen sie zunächst ins französische Evreux-Fauville, um dort Sanitätsmaterial der französischen Streitkräfte einzuladen.

SDA/kle

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