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Assad lässt Häftlingsrevolten blutig niederschlagen

In den syrischen Gefängnissen herrschen prekäre humanitäre Bedingungen. Sicherheitskräfte haben Aufstände in Aleppo und Homs gewaltsam beendet – die Opposition warnt vor Massenhinrichtungen.

Von den Kämpfen zerstört: Hausfassaden einer Strasse in Atareb in der Nähe von Aleppo. (19. Juli 2012)
Von den Kämpfen zerstört: Hausfassaden einer Strasse in Atareb in der Nähe von Aleppo. (19. Juli 2012)

Bei der gewaltsamen Unterdrückung einer Meuterei sind in einem Gefängnis in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo mindestens acht Häftlinge getötet worden. Wie der oppositionelle Syrische Nationalrat (CNS) heute mitteilte, setzten die Sicherheitskräfte in der Nacht auf heute scharfe Munition und Tränengas gegen einen «friedlichen Sitzstreik» der Insassen des zentralen Gefängnisses von Aleppo ein. Dort habe es zudem einen Brand gegeben. Inhaftierte hätten dabei versucht auszubrechen, schreibt der Fernsehsender BBC auf seiner Homepage.

Das Gefängnis sei aber aus der Luft von Helikoptern aus beschossen worden, so dass den Häftlingen nicht habe geholfen werden können. Die Gefangenen wollten nach Angaben des Nationalrats mit dem Sitzstreik gegen die schlechte Behandlung im Gefängnis protestieren.

Drohende Massenhinrichtungen

Vor wenigen Tagen habe es bereits eine Meuterei im Gefängnis von Homs gegeben, die ebenfalls gewaltsam unterdrückt worden sei, berichtet der arabische Sender al-Jazeera online. Demnach meldet die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, bereits am Samstag seien zwei Häftlinge getötet worden. Jetzt sei eine Gruppe von Richtern auf dem Weg ins Gefängnis, um den Aufstand am Wochenende zu untersuchen.

Ihre Präsenz vor Ort könnte zu Massenhinrichtungen führen, befürchtet der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Im Homser Gefängnis herrsche eine katastrophale humanitäre Situation. In den beiden syrischen Haftanstalten sollen sich nach Angaben der Opposition seit Beginn der Revolte gegen Präsident Bashar al-Assad «Massaker» zugetragen haben.

Eine unabhängige Bestätigung liegt wegen der chaotischen Lage im Land nicht vor. In den Gefängnissen in Syrien werden Tausende politische Gefangene festgehalten. Die oppositionelle Beobachtungsstelle berichtet, seit Sonntag seien mehr als 1260 Menschen im Land getötet worden – das entspräche der blutigsten Woche des 16-monatigen Aufstandes.

Aleppo im Fokus

Aleppo rückt zunehmend in den Fokus der erbitterten Kämpfe zwischen dem Regime und den Rebellen:Das syrische Wirtschaftszentrum galt bislang als Assad-Hochburg und blieb weitgehend von Unruhen verschont. Nun haben die Aufständischen zur «Befreiung» der bevölkerungsreichsten Stadt aufgerufen. Aktivisten teilten heute mit, die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) hätten mehrere Bezirke Aleppos bereits unter ihre Kontrolle gebracht.

International wächst derweil die Sorge, dass das Regime seine Chemiewaffen einsetzen könnte.US-Präsident Barack Obama hat Konsequenzen angekündigt, sollte sich Bashar al-Assad dazu entschliessen. Das Regime solle keinen «tragischen Fehler» begehen: «Die Welt schaut hin und würde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.» Die Führung von Präsident al-Assad hatte gestern gedroht, ihre Chemiewaffen im Fall eines Angriffs aus dem Ausland einzusetzen, nicht jedoch gegen die syrische Bevölkerung.

Opposition zu Übergang unter Assad-Vertrautem bereit

Die syrische Opposition wiederum ist nach eigenen Angaben zu einer Übergangsregierung unter einem Vertrauten von Präsident al-Assad bereit. «Wir sind mit einem Rückzug Assads und der Übertragung seiner Aufgaben an eine der Persönlichkeiten des Regimes einverstanden», sagte Georges Sabra, ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats, heute der Nachrichtenagentur AFP.

Syrien verfüge in der Führung und in der Armee über «patriotische Figuren», die das Land vorübergehend führen könnten, ergänzte er, ohne Namen zu nennen. Sabra bezog sich auf Jemen als mögliches Vorbild für den Machtwechsel. Dort hatte sich der langjährige Präsident Ali Abdallah Saleh im November nach monatelangen Protesten zum Amtsverzicht bereit erklärt und die Macht übergangsweise an seinen Stellvertreter Abd Rabbo Mansur Hadi übergeben. Dieser wurde dann im Februar zum neuen Präsidenten gewählt.

sda/AFP/dapd/rbi

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