Assad hat noch viele Freunde

Hintergrund

Russland, China, Iran, Irak – das Regime von Bashar al-Assad kann nach wie vor auf grosse Unterstützung zählen. Das Blutvergiessen in Syrien dürfte nicht so schnell ein Ende finden.

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Monica Fahmy@fahmy07

Seit vergangenem Samstag sollen in Syrien Hunderte Menschen getötet worden sein. Unter den Toten befinden sich laut Angaben von Aktivisten immer mehr Kinder. Trotz diplomatischer Grossoffensive der USA, der EU und der Arabischen Liga reissen die Horrornachrichten aus Syrien nicht ab.

Daran dürfte sich in absehbarer Zeit wenig ändern, ist Robert Fisk sicher. Der Journalist beim britischen «Independent» berichtet seit Jahrzehnten aus dem arabischen Raum. Assad werde nicht verschwinden, schreibt Fisk. «Noch nicht. Wahrscheinlich für eine lange Zeit nicht.» Die Medien seien voller Spekulationen, ob dies Assads «Benghazi-Moment» sei – in Anlehnung an die entscheidenden Momente im Kampf um Libyen –, «aber wenige in der Region verstehen, weshalb wir Westler so falsch liegen können».

Allianzen von Afghanistan bis zum Mittelmeer

Statt die Lage in Syrien aus westlicher Sicht zu betrachten, solle man den Nahen Osten «aus den Fenstern des massiven Präsidentenpalastes mit Aussicht auf die Altstadt von Damaskus» anschauen, so Fisk. Im Osten sehe Assad «den loyalen Iran, der zu ihm steht. Und den loyalen Irak – Irans neuer bester Freund in der arabischen Welt –, der sich weigert, (Syrien) zu sanktionieren.» Im Westen könne Assad auf die Schiiten im Libanon zählen.

«Von der afghanischen Grenze bis zum Mittelmeer hat Assad eine gerade Linie von Allianzen, welche zumindest seinen ökonomischen Kollaps verhindern wird», so Fisk. Mit Assad würde der Iran nicht nur Syrien, sondern seinen Einfluss auf die Hizbollah im Libanon verlieren. Kein Wunder, beliefert der Iran das Regime in Damaskus mit Waffen und angeblich auch mit Hizbollah-Kämpfern.

Syrischer Grossmufti dankt Ahmadinejad

Der oberste muslimische Geistliche Syriens hat laut Alarabiya.net dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad am Mittwochabend in Teheran für seine Unterstützung gedankt. Ahmadinejad habe Grossmufti Scheich Ahmed Badreddin Hassoun geantwortet, dass das «Hauptziel der dominierenden und tyrannisierenden Mächte» (die USA und ihre Alliierten) darin bestehe, «das zionistische Regime zu erhalten». Die USA und ihre Alliierten «wollen einen neuen Krieg in der Region anfangen und den islamischen Widerstand brechen», so Ahmadinejad.

Russland und China werden das syrische Regime trotz allem Blutvergiessen ebenso wenig im Stich lassen. Moskau sieht in Assad einen wichtigen Abnehmer russischer Waffen und den Gastgeber des einzigen russischen Flottenstützpunktes im Mittelmeer. Für Russland und China geht es bei der Unterstützung von Syrien auch darum zu verhindern, dass die UNO in die Souveränität einer Regierung eingreift, wie sie mit Aufständischen umgeht.

Machtkampf zwischen der Türkei und dem Iran

Heftiger Gegenwind weht Assad allerdings nun von der Türkei entgegen. Wie der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu gegenüber Medien sagte, sei es «nicht damit getan, ein Beobachter zu sein. Es ist an der Zeit, dem syrischen Volk eine starke Botschaft zu übermitteln, dass wir bei ihm sind.» Was genau die Türkei tun will, liess Davutoglu offen. Bei diplomatischen Bemühungen um die Vorherrschaft in der Region lässt es Ankara offenbar nicht bewenden. Die Rebellen der Freien Syrischen Armee operieren etwa von der Türkei aus, und die Türkei soll Aufständische schon mit Waffen ausgerüstet haben.

baz.ch/Newsnet

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