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Anschlag auf Pipeline von Ägypten nach Israel

Seit dem Sturz von Hosni Mubarak ist die Gas-Pipeline nach Israel permanent im Visier von Extremisten. Erneut ist ein Anschlag verübt worden. Kairo beschwichtigt unterdessen seinen Nachbarn.

Wiederholt Ziel von Anschlägen: Die Pipeline zwischen Ägypten und Israel stand auch am 27. April 2011 bei El Arisch in Flammen (im Bild).
Wiederholt Ziel von Anschlägen: Die Pipeline zwischen Ägypten und Israel stand auch am 27. April 2011 bei El Arisch in Flammen (im Bild).
Keystone

Bei der Explosion im Norden der Sinai-Halbinsel in der Nacht auf heute ist nach Spitalangaben ein Mensch verletzt worden. Augenzeugen berichteten, drei bewaffnete Männer hätten von einem Lieferwagen aus Schüsse auf die Pipeline abgefeuert.

Der Anschlag ereignete sich in der Nähe der ägyptischen Stadt Al Arisch. In der Umgebung fingen auch Hütten und Olivenhaine Feuer. Der Feuerwehr gelang es, den Brand unter Kontrolle bringen, nachdem die Gaszufuhr gestoppt wurde.

Regionale Versorgungsleitung

Auf die Anlage waren seit Februar sechs Anschläge verübt worden, weitere Anschlagsversuche schlugen fehl. Mitte August waren vier Männer beim Versuch festgenommen worden, ein Gas-Terminal nahe Al Arisch zu sprengen. Ägypten hatte erhöhte daraufhin die Militär- und Polizeipräsenz in der Region.

Die Pipeline versorgt neben Israel auch Jordanien mit Gas. Islamisten hatten unmittelbar nach dem Sturz von Mubarak Front gegen die von Mubarak forcierten Wirtschaftsbeziehungen zu Israel gemacht und die Leitung mehrfach angegriffen.

Der Unmut vieler Ägypter richtet sich auch gegen die langfristig vereinbarten Gaspreise, die als zu niedrig erachtet werden. Die Militärregierung versucht derzeit gegenüber Israel und Jordanien, höhere Preise durchzusetzen. Israel bezieht 40 Prozent seiner Gaslieferungen aus Ägypten.

Ägypten nähert sich Israel wieder an

Ägypten hat gegenüber Israel nach wochenlangen Streitigkeiten einen Entspannungskurs eingeschlagen. Aussenminister Mohammed Amr sagte, sein Land respektiere den Friedensvertrag mit Israel und wolle ihn weder aufheben noch ändern. Der ägyptische Interimsregierungschef Essam Scharaf hatte das Abkommen von 1979 vorvergangene Woche infrage gestellt.

Ägypten erwarte von allen Ländern, mit denen es Vereinbarungen habe, diese einzuhalten, sagte Amr am Montag der Nachrichtenagentur AP. Auf die Frage, ob Israel den Geist oder Wortlaut des bahnbrechenden Vertrags verletzt habe, erklärte er: «Ich spreche nicht speziell von Israel, sondern von unseren Abkommen im Allgemeinen.»

Eskalationsspirale

Die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel hatten sich seit dem Sturz des israelfreundlichen Regimes von Machthaber Hosni Mubarak im Februar deutlich abgekühlt. Anfang September war es in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zu Massenprotesten vor der israelischen Botschaft gekommen. Bei anschliessenden Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften wurden mindestens drei Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt.

Wenige Tage später hatte Scharaf in einem vom ägyptischen Staatsfernsehen übertragenen Interview erklärt, der Vertrag mit Israel sei nicht «sakrosankt» und könne geändert werden. Daraufhin berief das israelische Aussenministerium den ägyptischen Botschafter zu Gesprächen ein.

Reise nach Washington

Ägypten hatte vor mehr als 30 Jahren als erstes arabisches Nachbarland Frieden mit Israel geschlossen, doch durch den arabischen Frühling hat sich das Machtgefüge in der Region verschoben und Israel gilt zunehmend als isoliert.

Amr reist nach Washington, um dort mit Regierungsvertretern über die amerikanisch-ägyptischen Beziehungen zu sprechen.

SDA/ dapd/rub

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