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Angst vor einem neuen Krieg

Nach dem Angriff israelischer Kampfjets auf Ziele in Syrien ist die Sorge vor einer Eskalation gross. Die Regierung in Damaskus droht mit Vergeltung. Iran und Russland solidarisieren sich bin Bashar al-Assad.

Angriff auf syrische Ziele: Israelischer Kampfjet. (Archivfoto)
Angriff auf syrische Ziele: Israelischer Kampfjet. (Archivfoto)

Nach dem jüngsten Luftangriff Israels auf strategische Ziele in Syrien droht die Lage in der ohnehin labilen Konfliktregion vollends zu eskalieren. Die Regierungen in Damaskus und Teheran drohten dem jüdischen Staat mit Vergeltungsschlägen.

In einem Brief an die Vereinten Nationen betonte die syrische Staatsführung das Recht des Landes, «sich, sein Territorium und seine Souveränität zu verteidigen». Israel und dessen Verbündete im UNO-Sicherheitsrat seien «voll verantwortlich für die Folgen dieser Aggression», hiess es in dem Schreiben des Aussenministeriums.

Teheran und Moskau solidarisierten sich demonstrativ mit dem Regime von Staatspräsident Bashar al-Assad und schürten damit die Sorge, dass das Blutvergiessen im Bürgerkriegsland die ganze Region ins Verderben stürzen könnte. «Das Zionisten-Regime wird seine Aggression gegen Syrien bereuen», wurde der iranische Atomunterhändler Said Dschalili im Staatsfernsehen zitiert. Aussenminister Ali Akbar Salehi sprach von einer klaren Verletzung der syrischen Staatssouveränität.

Russland: «Unprovozierter Angriff»

Auch das russische Aussenministerium erklärte, es habe sich dem Anschein nach um einen «unprovozierten Angriff auf eine souveräne Nation» gehandelt, «der grob gegen die Charta der Vereinten Nationen verstösst». Sollten israelische Kampfflugzeuge tatsächlich Ziele in Syrien angegriffen haben, sei dies völlig inakzeptabel, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti aus einer Stellungnahme.

Die radikalislamische Hisbollah-Miliz im Libanon geisselte den Militärschlag als «barbarische Aggression» und erklärte sich solidarisch mit «der syrischen Führung, den Streitkräften und dem Volk». Einen möglichen Angriff auf Israel erwähnte die Hizbollah in ihrer Erklärung nicht. Erst diese Woche hatte Israel einen Teil seines Raketenabwehrsystems nach Haifa verlegt – jene Stadt, die 2006 durch Angriffe der Hizbollah schwer getroffen worden war.

Gegenangriff auf israelische Ziele nur noch Frage der Zeit?

Tatsächlich habe Damaskus sowohl die Möglichkeit als auch die Mittel für einen Gegenschlag, warnte Syriens Botschafter im Libanon, Ali Abdul-Karim Ali. Die zuständigen Behörden müssten einen solchen Vergeltungsschlag bloss vorbereiten und den Zeitpunkt dafür wählen. Sein Stellvertreter Hussein Amir Abdollahian betonte, Israels Angriff werde «erhebliche Folgen» für das Land haben.

Die scheidende US-Aussenministerin Hillary Clinton warf Iran und Russland die ungebremste Unterstützung von Assads Truppen mit Geld und Waffen vor – trotz mittlerweile schon Zehntausender Bürgerkriegsopfer. Informationen des amerikanischen Geheimdienstes deuteten zudem darauf hin, dass die iranischen Revolutionsgarden die syrische Armee mit immer mehr eigenen Soldaten und Militärberatern unterstütze.

Westerwelle fordert Deeskalation

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle mahnte alle Konfliktparteien zum Innehalten. «Jeder muss jetzt seine Verantwortung kennen, jetzt ist die Stunde der Deeskalation», sagte er in Brüssel. «Wir müssen eine Eskalation der Gewalt in einer so schwierigen und auch besorgniserregenden Lage unbedingt vermeiden.» Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich besorgt und rief dazu auf, internationales Recht sowie die territoriale Integrität und Souveränität aller Länder in der Region zu wahren.

Die Hintergründe und das Ziel des fraglichen Luftangriffs vom Mittwoch bleiben indes weiter umstritten. Ein US-Regierungsvertreter versicherte, israelische Kampfjets hätten einen Lastwagenkonvoi bombardiert, der Waffen für die Hizbollah in den Libanon bringen sollte. Dabei habe es sich um Luftabwehrraketen des Typs SA-17 gehandelt, die gegen Hubschrauber und Jets eingesetzt werden können. Der Konvoi habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs neben einem Forschungszentrum befunden, das ebenfalls getroffen wurde.

Damaskus beharrt dagegen auf der Darstellung, dass es überhaupt keinen Waffenkonvoi gegeben und die Attacke alleine dem Militärforschungszentrum im Nordwesten der Hauptstadt gegolten habe. Israels Regierung hat den Angriff offiziell nicht bestätigt, soll ihn nach einem Bericht der «New York Times» aber an Washington gemeldet haben.

Die Regierung in Jerusalem wollte die Angaben nicht kommentieren. Es sei übliche Praxis, dass Israel aus Sicherheitsgründen solche Einsätze weder bestätige noch dementiere, sagte der Likud-Abgeordnete Zachi Hanegbi, ein Vertrauter von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und früher Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, im israelischen Armeeradio.

«Israel hat immer gesagt, dass eine rote Linie erreicht ist, wenn hochentwickelte Waffen aus Iran, Nordkorea oder Russland in die Hände der Hizbollah zu fallen drohen.» Die radikalislamische, schiitische Hisbollah-Miliz hatte Israel wiederholt vom Südlibanon aus mit Raketen angegriffen.

Kauf von Gasmasken zugenommen

Hanegbi verwies auch auf zwei Raketenabwehrstellungen, die in den letzten Tagen an der nördlichen Landesgrenze zum Libanon stationiert wurden. Örtliche Zeitungen berichteten zugleich, dass der Kauf von Gasmasken und ABC-Schutzanzügen in Nordisrael stark zugenommen habe.

Israelische Experten erläuterten, dass nicht nur chemische oder biologische Waffen im Besitz der Hizbollah inakzeptabel seien. Dies gelte auch für Langstreckenraketen und Boden-Luft-Abwehrsysteme. «Wir können nicht hinnehmen, dass sich das strategische Gleichgewicht in der Region verändert», sagte der ehemalige Vizechef des israelischen Generalstabs, Dan Harel, im Armeeradio.

Nach syrischen Armeeangaben bombardierte die israelische Luftwaffe gestern ein militärisches Forschungszentrum in der Ortschaft Dschamraja, nördlich der Hauptstadt Damaskus. Das Gebäude sei zerstört und zwei Arbeiter seien getötet worden. Anwohner bestätigten der Nachrichtenagentur AFP die Angriffe und berichteten, in der Anlage seien nicht-konventionelle Waffen entwickelt worden. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete parallel, ein Luftangriff habe auch einem Waffenkonvoi nahe der Grenze zum Libanon gegolten, was die syrische Armee bestritt.

AFP/dapd/kle/chk

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