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Amnesty International: Folter und Tod in syrischen Gefängnissen

Ein Rapport des Grauens: Amnesty International hat Videos und Zahlen ausgewertet – und kommt zum Schluss, dass in Bashar al-Assads Gefängnissen derzeit viel mehr Menschen sterben als sonst.

Nicht nur auf offener Strasse sterben die Gegner des Regimes: Das Bild zeigt angeblich einen Jugendlichen, der in Homs angeschossen wurde.
Nicht nur auf offener Strasse sterben die Gegner des Regimes: Das Bild zeigt angeblich einen Jugendlichen, der in Homs angeschossen wurde.
Keystone

In Syriens Gefängnissen werden regierungskritische Häftlinge laut Amnesty International (AI) gefoltert und getötet. Die Menschenrechtsorganisation fordert daher ein hartes Eingreifen des UNO-Sicherheitsrates.

Seit den ersten Demonstrationen im März seien mindestens 88 Menschen in syrischen Gefängnissen gestorben, teilte AI heute in London mit. In den vergangenen Jahren habe man durchschnittlich etwa fünf Tote in Gefangenschaft pro Jahr gezählt. Untersuchungen der Organisation zeigten zudem, dass viele der Getöteten zuvor schwer gefoltert, geschlagen und verstümmelt worden seien.

«Kein Zufall»

«Eine solche Häufung von Todesfällen hinter Gittern kann kein Zufall sein. Sie sind wohl die Folge derselben tödlichen Gewallt, die täglich auf syrischen Strassen ausgeübt wird», sagte Reto Rufer, Kampagnenkoordinator für Syrien von Amnesty International Schweiz, laut einer Mitteilung.

«Die Hinweise auf Folter, die wir erhalten haben, sind schockierend. Das syrische Regime verfolgt die Opposition systematisch und mit grosser Brutalität», sagte Rufer weiter.

Auch Kinder zu Tode gefoltert

Sämtliche in dem Bericht aufgeführten Opfer sollen festgenommen worden sein, weil sie an den Kundgebungen für Reformen in Syrien mitgemacht hatten. Bei allen 88 in Haft gestorbenen Personen handle es sich um Männer. Unter den Toten seien auch zehn Kinder, wie etwa ein 13-Jähriger, der mit verstümmelten Genitalien und Verletzungen durch Gewaltanwendung aufgefunden worden sei.

AI habe Videoclips von 45 der Fälle gesehen, die Verwandte und Menschenrechtsaktivisten geschickt hatten. 20 dieser Aufnahmen wurden unabhängigen forensischen Experten mit der Bitte vorgelegt, diese auszuwerten.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

«Zusammen mit der weit verbreiteten und systematischen Gewalt bei der Niederschlagung der Proteste könnten diese gehäuften Todesfälle in syrischen Gefängnissen den Straftatbestand der Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllen», erklärte Rufer.

Die Organisation rief daher den Uno-Sicherheitsrat dringend auf, den Internationalen Strafgerichtshof mit Ermittlungen zu beauftragen, ein umfassendes Waffenembargo zu erlassen sowie die Vermögenswerte von Präsident Bashar al-Assad und führender Mitglieder des syrischen Regimes zu sperren.

China und Russland sperren

Im Gegensatz zu den Massnahmen der Schweiz oder der EU sei die Reaktion des Uno-Sicherheitsrats bisher völlig ungenügend, erklärte AI. Dort sperren sich vor allem die Vetomächte Russland und China gegen eine griffige Resolution.

AI hat nach eigenen Angaben eine Liste mit den Namen von mehr als 1800 Menschen zusammengestellt, die bis am 15. August gestorben sind. Weitere Tausende seien in Gefangenschaft in Lebensgefahr.

SDA/ami

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