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Al-Qaida ruft zum Mord an US-Diplomaten auf

Das Terrornetzwerk will für den islamfeindlichen Mohammed-Film Rache üben. In Kabul hatte eine 20-Jährige zuvor bei einem blutigen Vergeltungsschlag ein Dutzend Menschen getötet.

Die Attentäterin sprengte sich in ihrem Auto neben einem Minibus in die Luft: Polizeikräfte am Tatort in der afghanischen Hauptstadt. (18. September 2012)
Die Attentäterin sprengte sich in ihrem Auto neben einem Minibus in die Luft: Polizeikräfte am Tatort in der afghanischen Hauptstadt. (18. September 2012)
AFP

Die Al-Qaida hat wegen des islamfeindlichen Mohammed-Films zu Anschlägen auf amerikanische Diplomaten aufgerufen. Offenbar als Vergeltung für das im Internet kursierende Video verübten militante Islamisten am Dienstag in Afghanistan einen Selbstmordanschlag, bei dem mindestens zwölf Menschen ums Leben kamen. Unterdessen ging in Deutschland die Diskussion über ein mögliches Aufführungsverbot für den Film «Unschuld der Muslime» weiter.

Die al-Qaida im Islamischen Maghreb begrüsste am Dienstag in einer Stellungnahme den Tod des US-Botschafters in Libyen, Christopher Stevens, der bei einem Angriff auf das Konsulat in Bengasi am 11. September ums Leben kam. Die Gruppe drohte mit Anschlägen in Algerien, Tunesien, Marokko und Mauretanien.

Die USA hätten «die Muslime über zehn Jahre lang belogen, als sie sagten, sie führten einen Krieg gegen den Terror und nicht gegen den Islam», hiess es. Die al-Qaida im Islamischen Maghreb forderte Muslime auf, US-Diplomaten zu töten oder auszuweisen, «um unser Land aus Rache für die Kränkung der Ehre des Propheten vom Schmutz zu reinigen». Auch die al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel mit Sitz im Jemen hatte kürzlich zu Anschlägen auf diplomatische Einrichtungen der USA aufgerufen.

Attentäterin steuerte Autobombe in einen Minibus

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen mit ausländischen Arbeitern besetzten Bus in der afghanischen Hauptstadt Kabul kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben. Die Attentäterin steuerte ihren mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen Minibus, der die Arbeiter zum Flughafen bringen sollte, wie die Polizei erklärte. Bei dem Attentat habe es sich um eine Vergeltungsaktion für den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed gehandelt, teilte ein Sprecher der extremistischen Hesb-e-Islami mit.

Die Gruppe «nimmt alle ausländischen Truppen ins Visier, und alle Zivilisten, die nach Afghanistan gekommen sind, um ihnen zu helfen», hiess es in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP. Anführer der Hesb-e-Islami ist der 65-jährige Gulbuddin Hektmatjar. Er war einst afghanischer Ministerpräsident und Verbündeter der USA, mittlerweile betrachtet Washington ihn aber als Terroristen.

Gewalttätige Proteste in Kaschmir

Im indisch kontrollierten Teil der umstrittenen Region Kaschmir kam es unterdessen bei Protesten gegen den Film «Innocence of Muslims» (Unschuld der Muslime) zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. In der Stadt Srinagar schleuderten die Demonstranten Steine auf die Polizei, die Beamten antworteten mit dem Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken.

In Pakistan durchbrachen Hunderte wütende Demonstranten eine Barrikade vor dem US-Konsulat in der Stadt Peshawar. Bei Auseinandersetzungen mit Polizisten wurden Polizeiangaben zufolge mehrere Menschen verletzt.

Eine Protestkundgebung vor der US-Botschaft in der thailändischen Hauptstadt Bangkok blieb am Dienstag hingegen friedlich. Die Demonstranten zeigten Transparente mit der Aufschrift «Wir lieben den Propheten Mohammed» und «Hört auf, unsere Religion zu beleidigen» und skandierten Parolen wie «Nieder mit Amerika» und «Nieder mit Israel». Sollte die US-Regierung die Verbreitung des Films nicht unterbinden, werde die Welt in einem «See aus Feuer» versinken, drohte der Organisator der Kundgebung, Sa-id Sulaiman Husseini.

In der indonesischen Stadt Medan forderten die Demonstranten erneut, die Filmemacher zur Verantwortung zu ziehen. Rund 200 Menschen entrollten vor dem US-Konsulat ein Transparent, auf dem zu lesen war: «Fahre zur Hölle – Amerika». In der Stadt Makassar verlangten rund 100 Studenten die Todesstrafe für den Regisseur des Videos, Nakoula Bassely Nakoula.

Justizministerin skeptisch zu nationalem Verbot

Während die Bundesregierung weiter ein Aufführungsverbot für den Schmähfilm in Deutschland prüfen lässt, lehnen Teile der Opposition dies unter Verweis auf die Meinungsfreiheit ab. Aussenminister Guido Westerwelle und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (beide FDP) befürworteten eine gründliche rechtliche Prüfung. Die Meinungsfreiheit sei in Deutschland eines der höchsten Güter, aber nicht grenzenlos, sagte Westerwelle im Deutschlandfunk. Leutheusser-Schnarrenberger beurteilte die Wirkung nationaler Verbote dennoch skeptisch: «Rein nationale Entscheidungen können nur begrenzte Wirkung haben» sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast lehnte ein Verbot unter Verweis auf die Meinungsfreiheit hingegen ab. Sie sagte im ZDF, sie sehe «keinen rechtlichen Anhaltspunkt für ein Verbot».

sda/dapd/rbi/fko

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