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«Alles, was zurückbleibt, ist so gut wie tot»

Eine israelische Veteranenorganisation hat ihren Bericht zum letztjährigen Gazakrieg präsentiert. Er enthält schockierende Aussagen – und nicht alle sind damit einverstanden.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Israelische Soldaten patrouillieren am Checkpoint Qalandia in der Westbank während des Konfliktes im Gazastreifen. (13. August 2014)
Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Israelische Soldaten patrouillieren am Checkpoint Qalandia in der Westbank während des Konfliktes im Gazastreifen. (13. August 2014)
Reuters

Sie will das Schweigen der israelischen Streitkräfte brechen und Soldaten dazu bewegen, kritisch zu sein. Deswegen nennt sich die Veteranenorganisation «Breaking the Silence». Die Nichtregierungsorganisation hat nun ihren Bericht zum Gazakrieg 2014 präsentiert.

Mehr als 60 Militärangehörige unterschiedlicher Dienstgrade haben sich geäussert – anonym. Ort und Zeit der dargelegten Ereignisse können nicht überprüft werden. Es sind Aussagen, die belegen sollen wie rücksichtslos und menschenverachtend Israel gegen die Palästinenser kämpft. Hier ist ein Auszug:

  • «Überall, wo keiner unserer Soldaten ist, darf geschossen werden.»
  • «Viele Menschen mit weissen Flaggen kamen heraus. Und (Warn-)schüsse wurden in ihrer Nähe abgefeuert.»
  • «Alles, was zurückbleibt, ist so gut wie tot.»
  • «Der Befehl lautete: ‹Zuerst schiessen›. Sei es auf Bewaffnete oder Unbewaffnete, egal.»
  • «Menschen, die euch aus den Fenstern ihrer Häuser anschauen, werden das – gelinde gesagt – nicht mehr tun.»
  • «Wenn du jemanden in Gaza erschiesst, ist das cool. Kein Problem.»

Die Aussagen fahren ein. Und sie sollen es auch. Jeder Aktivist verfolgt schliesslich ein Ziel. Die NZZ hat mit Gerald Steinberg gesprochen. Er ist ein israelischer Politologe und Chef des Monitoringdienstes für Nichtregierungsorganisationen NGO-Monitor. Steinberg sagt, «Breaking the Silence» sei eine Organisation, die «in nicht zu verantwortender Weise simplifiziert und antiisraelische Propaganda betreibt».

Der Bericht beschmutze nach Meinung vieler Israelis das Ansehen der Armee. Der Grossteil der Gesellschaft sieht die Organisation, die 2004 gegründet wurde, daher skeptisch. Doch dieses Mal sei es anders, sagte der Gründer Yehuda Shaul dem «Economist»: «Die Medien haben Teile unseres Berichts weniger kritisch veröffentlicht, und sie haben uns auf eine nichtfeindliche Art interviewt.» Der Bericht wurde vor seiner Publikation durch das Militär zensiert.

Die Militäroperation «Protective Edge» im Juli und August 2014 dauerte 50 Tage. Über 2000 Palästinenser wurden getötet, davon rund die Hälfte Zivilisten. 73 Israelis kamen ums Leben.

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