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«Afrika muss sich auf das Schlimmste vorbereiten»

In Afrika gibt es vergleichsweise wenige Corona-Fälle. Experten warnen aber vor einer rasanten Ausbreitung des Virus mit katastrophalen Folgen.

Vorbereitung auf den Ernstfall: Pflegerin im Schutzanzug bei einer Übung in einem Spital in Harare (Zimbabwe).
Vorbereitung auf den Ernstfall: Pflegerin im Schutzanzug bei einer Übung in einem Spital in Harare (Zimbabwe).
Keystone

Während Europa das Epizentrum der Corona-Pandemie ist, vermelden die Länder Afrikas relativ niedrige Infizierten- und Opferzahlen – und das obwohl viele afrikanische Staaten enge wirtschaftliche Beziehungen zu China unterhalten, wo die Seuche ihren Anfang genommen hatte. Bis zum Wochenende starben rund 50 Menschen an Covid-19, und die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen lag bei rund 1200.

Die Zahlen dieser Momentaufnahme sind allerdings trügerisch. Einerseits haben die Corona-Fälle in den letzten Tagen deutlich zugenommen. Andererseits dürfte die tatsächliche Zahl der infizierten Personen um ein Vielfaches höher liegen, weil die Kapazitäten für grossflächige Corona-Tests auf dem riesigen Kontinent bei weitem nicht ausreichen. Immerhin gibt es mittlerweile dank internationaler Hilfe in fast allen afrikanischen Ländern Labore, die das Coronavirus nachweisen können.

Warnung der WHO

Angesichts des Tempos, mit dem sich das Corona-Virus exponenziell ausbreitet, sind die Sorgen um Afrika berechtigt. Das Virus könnte vor allem arme Länder mit schwachen Gesundheitssystemen stark treffen, befürchtet Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO). «Der beste Ratschlag an Afrika ist, sich auf das Schlimmste vorzubereiten und sofort damit anzufangen», sagte der aus Äthiopien stammende WHO-Chef in der vergangenen Woche.

Nach Einschätzung der WHO müssen sich Afrikas Staaten darauf einstellen, dass die im weltweiten Vergleich sehr niedrigen Infektionszahlen bald rapide steigen werden. Dabei könnte die Pandemie tödlicher verlaufen als in Asien und Europa. Überfüllte Grossstädte und Slums, wo die Armut gross und die Hygiene prekär ist, könnten sich zu gefährlichen Seuchenherden entwickeln. Ausserdem mangelt es an Spitalbetten, Pflegepersonal sowie Beatmungsmaschinen.

Ausgangssperren und geschlossene Grenzen

Im Kampf gegen das Coronavirus haben etliche Länder Afrikas bereits drastische Massnahmen ergriffen. Viele Regierungen verfügten Einreiseverbote für Bürger der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Ruanda verhängte zudem eine Ausgangssperre und schloss seine Landesgrenzen. Nigerias Regierung ordnete Schulschliessungen und Einschränkungen für religiöse Versammlungen an. In Marokko gilt eine Ausgangssperre. In Ägypten wurden Moscheen und Kirchen geschlossen.

Ägypten ist mit 285 Corona-Fällen und 8 Toten das bisher am stärksten betroffene Land Afrikas, wie WHO-Zahlen vom Wochenende zeigen. In Ägypten war am 14. Februar der erste Corona-Fall auf dem afrikanischen Kontinent registriert worden. Dabei handelte es sich um einen eingereisten Chinesen. In den meisten Fällen wurde das Coronavirus von Reisenden aus Europa eingeschleppt, wie die Statistiken weiter zeigen. Rund 40 der 54 Staaten des afrikanischen Kontinents, auf dem rund 1,3 Milliarden Menschen leben, haben bisher Corona-Fälle vermeldet.

Schutz gegen Corona-Infektion: In einem Shoppingcenter in Johannesburg sprüht ein Sicherheitsbeamter einem Kunden Desinfektionsmittel auf die Hände. Foto: Keystone
Schutz gegen Corona-Infektion: In einem Shoppingcenter in Johannesburg sprüht ein Sicherheitsbeamter einem Kunden Desinfektionsmittel auf die Hände. Foto: Keystone

Südlich der Sahara ist Südafrika mit 240 Infizierten, aber noch 0 Toten am stärksten betroffen. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sprach in einer TV-Ansprache bereits von einer drohenden «nationalen Katastrophe». Vor zwei Wochen noch erzählte man sich in Südafrika Corona-Witze über die «afrikanische Immunität». Inzwischen sind alle südafrikanischen Schulen geschlossen, zudem gelten Ausgangsbeschränkungen.

Auch Deutschlands bekanntester Virologe, Christian Drosten, schaut mit Sorge nach Afrika. «In den afrikanischen Ländern wird in diesem Sommer der Peak der Infektionen auftreten», sagte der Berater der deutschen Regierung in einem «Stern»-Interview. «Wir werden noch erleben, dass die Leute auf den Strassen sterben. Es wird schlimm sein in Afrika, sehr schlimm.»

Erfahrungen im Umgang mit Epidemien

Im Kampf gegen das Coronavirus gibt es aber auch Anlass zu Hoffnungen. Denn Afrika hat Erfahrungen im Umgang mit Epidemien, so kann es beispielsweise auf Lehren aus den Ausbrüchen des aggressiveren Ebolavirus zurückgreifen.

Als Anfang März ein Passagier aus Brüssel am internationalen Flughafen von Kameruns Hauptstadt Yaoundé mit Fieber gelandet war, wurde er sofort in ein Spital gebracht. Vier Stunden später wurde bei dem Mann eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert. Solche Gesundheitskontrollen an Flughäfen, aber auch an Landesgrenzen sind in Kamerun und anderen Ländern Afrikas an der Tagesordnung – und das, schon lange bevor das neuartige Coronavirus im chinesischen Wuhan ausbrach.

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