Zeichnung soll Atomwaffenbau im Iran beweisen

Sie tauchte genau an dem Tag auf, als der Iran sich mit der IAEA zu neuen Gesprächen traf: Eine Skizze, die belegen könnte, dass in Parchin tatsächlich an einer Atombombe gebaut wird.

Brisantes Material aus unbekannter Quelle: Diese Zeichnung soll eine Sicherheitskammer zeigen, wie sie auch bei der Herstellung von Atombomben zum Einsatz kommt.

Brisantes Material aus unbekannter Quelle: Diese Zeichnung soll eine Sicherheitskammer zeigen, wie sie auch bei der Herstellung von Atombomben zum Einsatz kommt.

(Bild: Keystone)

Es könnte ein weiteres Indiz für einen Atomwaffenbau im Iran sein: Der Nachrichtenagentur AP wurde eine Zeichnung zugespielt, auf der eine Sicherheitskammer zu sehen sein soll. Brisant: In solchen Sicherheitskammern wird unter anderem die Sprengwirkung einer atomaren Explosion getestet.

Und: Sie soll sich im Forschungszentrum Parchin befinden - eben der umstrittenen Militäranlage, zu der die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) schon lange vergeblich Zugang fordern. Experten gehen davon aus, dass die Zeichnung korrekt ist.

Informant gibt brisantes Material weiter

Die IAEA vermutet, dass der Iran in Parchin trotz anderslautender Beteuerungen an einem geheimen Atomprogramm arbeitet. Oberste Priorität bei den heute Montag in Wien begonnen Beratungen mit iranischen Unterhändlern soll sein, die Militäranlage endlich besuchen zu dürfen.

Dass der Iran heimlich an einer Atombombe baut, scheint die Zeichnung von der Sicherheitskammer zu bestätigen. Die Zeichnung wurde der AP in Wien von einem Gewährsmann zur Verfügung gestellt, dessen Land das iranische Atomprogramm aufzudecken sucht. Sie stamme von einem Informanten, der die Einrichtung auf dem Militärstützpunkt Parchin gesehen habe, erklärte der Gewährsmann. Weitere Einzelheiten könne er nicht nennen, da dies das Leben des Informanten gefährden würde.

Ex-IAEA-Inspektor hält Zeichnung für echt

Der Gewährsmann stammt aus einem IAEA-Mitgliedsland, das den Behauptungen des Irans über sein Atomprogramm höchst kritisch gegenübersteht. Im Austausch für die Weiterleitung geheimer Informationen bestand er auf Anonymität, auch der Name seines Herkunftslandes dürfe nicht genannt werden.

Der frühere IAEA-Vizegeneraldirektor Olli Heinonen hält die Zeichnung für korrekt. Er sagte, sie habe «grosse Ähnlichkeit» mit einem Foto, das er vor kurzem gesehen habe und seiner Meinung nach die Druckkammer zeige, die die IAEA in Parchin vermute. Selbst die Farben der am Computer erstellten Zeichnung stimmten mit denen auf dem Foto überein, erklärte Heinonen, der sich bis vergangenes Jahr in seiner Eigenschaft als IAEA-Inspekteur mit dem Iran befasste. Heinonen wollte zum Schutz seiner Quelle keine weiteren Einzelheiten zu der Herkunft des Fotos nennen.

Gespräche in Wien sollen Fortschritt bringen

Bei den in Wien nach monatelanger Pause wieder aufgenommenen Beratungen zwischen Vertretern des Irans und der IAEA will die Behörde erneut versuchen, Zugangserlaubnis für die mutmasslich in Parchin versteckte Kammer zu erlangen. Jeder Hinweis darauf, dass der Iran die Existenz einer solchen Sicherheitskammer verheimlicht, und Details zu ihrer Funktion sind entscheidend für die Arbeit der IAEA-Inspektoren im Iran.

Die IAEA hofft auf einen Fortschritt bei den zweitägigen Gesprächen in Wien, die auch von der 5 1-Gruppe genau verfolgt werden. Sie gelten als Stimmungsbarometer für die Verhandlungen am 23. Mai von Vertretern Deutschlands und der fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien mit der iranischen Delegation in Bagdad.

Erst im April zeichnete sich eine Entspannung in den Atomstreit mit dem Iran ab. Teheran und Vertreter der internationalen Gemeinschaft einigten sich in Istanbul auf weitere Atomgespräche. Damit schien eine Eskalation im Konflikt zwischen Israel und Iran zunächst abgewendet. Israel nimmt dem Iran nicht ab, dass es nur die friedliche Nutzung von Kernenergie anstrebt und drohte mit einem Militärschlag.

Der iranische Chefunterhändler Said Dschalili sagte am Sonntag in Teheran, es liege am Westen, ob die zweite Gesprächsrunde erfolgreich verlaufe. Sollte die 5 1-Gruppe sich mit falschen Vorstellungen an den Verhandlungstisch setzen, werde das die Gespräche erneut blockieren.

Sicherheitskammer wurde schon im November erwähnt

Seit mehr als vier Jahren wehrt der Iran alle Versuche der IAEA ab, Geheimdienstinformationen zu überprüfen, wonach der Iran heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet. Die mutmassliche Existenz einer Sicherheitskammer wie auf der Zeichnung dargestellt wurde erstmals in einem Bericht der Behörde im November erwähnt. Darin ist von einem grossen Sicherheitstank die Rede, wie er für Tests zur Sprengwirkung einer atomaren Explosion genutzt wird. Es gebe entsprechende Satellitenbilder, die «mit dieser Information übereinstimmten».

Ein mit der IAEA-Mission vertrauter Gewährsmann sagte, die Bilder zeigten ein zylinderförmiges Konstrukt. Auf in der Folge gemachten Fotos sei zu sehen, wie um den Zylinder ein Dach und Mauern gebaut worden seien, um die Sicherheitskammer vor Satellitenüberwachung zu verbergen.

«In einer solchen Kammer testet man Sprengstoffe»

IAEA-Direktor Yukiya Amano sagte im März, es gebe «glaubwürdige Hinweise, dass der Iran Aktivitäten zur Entwicklung von atomaren Sprengsätzen nachgeht». Diplomaten sagten der AP später, dass Teil der Experimente offenbar ein kleiner Prototyp eines Neutronengenerators war. Neutronen werden verwendet, um eine atomare Explosion auszulösen, und nur ein Land, das Atomwaffen entwickeln will, würde eine derartige Technologie testen. Der Gewährsmann sagte, der Iran habe jegliche Stellungnahme dazu gegenüber den Kontrolleuren abgelehnt.

Eine solche Technologie ähnelt der zur Herstellung von Industriediamanten. Die IAEA vermutet, dass der russische Wissenschaftler Wjatscheslaw Danilenko dem Iran mit dem Entwurf für die Kammer geholfen hat. Danilenko hat das Diplomaten zufolge bestritten, doch sein Schwiegersohn soll der IAEA gesagt haben, dass der Container unter der direkten Aufsicht von Danilenko gebaut worden sei.

«In einer solchen Kammer testet man Sprengstoffe», sagte Mark Fitzpatrick, Sicherheitsexperte beim International Institute for Strategic Studies in London. «Wenn man etwas mit vielleicht 70 Kilogramm Sprengstoff in die Luft jagt, braucht man einen Behälter zum Schutz.» Insbesondere wenn man Uran benutze, wie das im Iran der Fall zu sein scheine, denn dann wolle man keine sichtbaren Spuren dieses Experiments hinterlassen.

fko/dapd

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