Viele Hinrichtungen bleiben ein Staatsgeheimnis

Mindestens 690 Hinrichtungen wurden 2018 weltweit erfasst. Doch die Dunkelziffer ist laut Amnesty International viel höher.

Menschlichkeit statt Barbarei: Demonstranten in Thailand fordern die Abschaffung der Todesstrafe. (19. Juni 2018)

Menschlichkeit statt Barbarei: Demonstranten in Thailand fordern die Abschaffung der Todesstrafe. (19. Juni 2018)

(Bild: Keystone Narong Sangnak)

Mindestens 690 Menschen in mindestens 20 Ländern wurden im vergangenen Jahr nach Angaben von Amnesty International (AI) hingerichtet. Allerdings umfasst der am Mittwoch veröffentlichte Bericht der Menschenrechtsorganisation zu Todesstrafen im Jahr 2018 nur die dokumentierten Exekutionen. AI schätzt, dass allein in China, das keine offiziellen Zahlen herausgibt, «tausende» Menschen hingerichtet wurden – mehr als im Rest der Welt zusammengenommen.

Die Zahl der dokumentierten Hinrichtungen ist den Angaben zufolge zwar mit 690 Fällen auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Im Jahr 2017 waren es demnach noch 993 Exekutionen. In dem Jahresbericht werden Exekutionen in insgesamt 20 Ländern dokumentiert, drei Staaten weniger als im Jahr zuvor.

Der Iran führt diese Statistik vor Saudiarabien, Vietnam und dem Irak an. Insgesamt sind vier Staaten für 78 Prozent der Exekutionen verantwortlich. Die Übersicht:

  • Iran – mindestens 253
  • Saudiarabien – 149
  • Vietnam – mehr als 85
  • Irak – mindestens 52

Im Iran ging die Zahl der Hinrichtungen im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich zurück, das Land setze aber seine völkerrechtswidrige Praxis fort, Menschen zu verurteilen und hinzurichten, auch wenn diese zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, erklärte AI. In den USA wurden 25 Menschen hingerichtet.

Laut der Statistik wurden im vergangenen Jahr mindestens 2531 Todesurteile in 54 Ländern neu gefällt. Zwei Drittel aller Staaten haben AI zufolge die Todesstrafe abgeschafft oder verhängen sie in der Praxis nicht mehr.

Keine Todesstrafe in 142 Ländern

«142 Staaten wenden die Todesstrafe heute nicht mehr an, 1987 waren es nur 69 – das ist eine wichtige Entwicklung zu einer Welt ohne Hinrichtungen», erklärte Markus N. Beeko, Generalsekretär von AI in Deutschland. Die Menschenrechtsorganisation setzt sich für die vollständige Abschaffung der Todesstrafe ein.

Einen deutlichen Anstieg der Todesurteile um mehr als 75 Prozent verzeichnete AI in Ägypten, von 402 im Jahr 2017 auf mindestens 717. Viele davon gingen auf Massenverurteilungen nach «unfairen Verfahren» zurück, teilte AI mit. Übersicht über die meisten verhängten Todesurteile (ausser China):

  • Ägypten – mindestens 717
  • Irak – mindestens 271
  • Pakistan – mindestens 250
  • Bangladesh – mindestens 229

In Burkina Faso wurde die Todesstrafe im vergangenen Jahr den Angaben zufolge abgeschafft. Gambia und Malaysia hätten ein Moratorium erlassen und verzichteten bis auf weiteres auf Hinrichtungen.

fal/sda

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