Türkischer Präsident schwört Rache für PKK-Angriff

Kurdische Kämpfer haben bei einem der schwersten Angriffe seit Jahren mindestens 24 türkische Soldaten getötet. Präsident Abdullah Gül kündigte Vergeltungsschläge für die Attacke an.

Will Kampf gegen die PKK verschärfen: Abdullah Gül besichtigt einen Grenzposten in der Provinz Hakkari. (15. Oktober 2011)

Will Kampf gegen die PKK verschärfen: Abdullah Gül besichtigt einen Grenzposten in der Provinz Hakkari. (15. Oktober 2011)

(Bild: Keystone)

Beim schwersten PKK-Angriff seit Jahren haben kurdische Kämpfer im Südosten der Türkei mindestens 24 Soldaten und Polizisten getötet. Das bestätigte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Die türkischen Streitkräfte reagierten nach Medienberichten mit Bombenangriffen auf vermutete PKK-Einrichtungen im Irak. Zudem wurden nach Medienberichten Truppen in Marsch gesetzt. Im kurdischen Siedlungsgebiet in der Türkei war es zuletzt wiederholt zu kleineren Gefechten gekommen.

Angehörige der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK griffen am frühen Mittwochmorgen mit automatischen Waffen eine Armeeunterkunft in der Stadt Cukurca an. Wachleute erwiderten das Feuer. Bei dem halbstündigen Gefecht wurden zudem 22 Soldaten verwundet.

Anschliessend flohen die Angreifer. Sie wurden von Sicherheitskräften verfolgt, wie der türkische Nachrichtensender NTV meldete. In ersten Berichten war zunächst von 26 Toten die Rede.

Rückschlag für Friedensprozess

Insgesamt griffen PKK-Kämpfer laut NTV acht Ziele in der Grenzprovinz Hakkari an. Es war der folgenschwerste PKK-Angriff seit März 1999. Damals starben 13 Menschen bei einem Angriff auf ein Istanbuler Einkaufszentrum.

21 PKK-Kämpfer sollen Medienberichten zufolge bei den türkischen Vergeltungsschlägen getötet worden sein. Die jüngste Gewalt bedeutet einen schweren Rückschlag für den Friedensprozess zwischen Kurden und Türken.

Immer mehr Angriffe

Die Region wurde in den vergangenen Monaten vermehrt zum Ziel von PKK-Angriffen. Am Dienstag starben fünf Polizisten bei einer Explosion in der Provinz Bitlis. Das türkische Parlament hatte Anfang Oktober das Mandat der Regierung zur Bekämpfung der PKK im Nordirak verlängert.

Die Armeeunterkunft Cukurca liegt nahe der irakischen Grenze. Es wurde daher vermutet, dass die Kämpfer aus dem Nordirak kamen. Die PKK unterhält dort mehrere Militärlager. Türkische Kampfflugzeuge hoben laut NTV ab, um PKK-Ziele im Nordirak zu bombardieren. PKK- Stellungen in den Kandil-Bergen und nahe der Stadt Zap seien unter den Zielen.

Die PKK-nahe Nachrichtenagentur Firat meldete, türkische Kommandoeinheiten von der Grösse eines Bataillons - also mehr als 600 Soldaten - hätten die Grenze überquert. In türkischen Medienberichten hiess es, die Soldaten seien bis zu vier Kilometer auf irakisches Gebiet vorgestossen.

Präsident schwört Rache

Präsident Abdullah Gül schwor Vergeltung für den Angriff. Die Türkei werde vom Terrorismus nicht erschüttert werden, sagte er vor Reportern.

Auch Erdogan sagte dem Terror den Kampf an: «Wir werden nicht zurückweichen. Wir werden den Terrorismus und jeden bekämpfen, der ihn unterstützt - verdeckt oder offen.» Der Regierungschef sagte wegen der Angriffe eine geplante Reise nach Kasachstan ab.

Kurdische Partei bedauert

Die kurdische Partei für Frieden und Demokratie BDP kritisierte den PKK-Angriff mit ungewohnter Schärfe. «Diese Angriffe brechen uns das Herz. Wir sagen: Stopp! Es hat schon genug Tote gegeben», hiess es in einer Mitteilung.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der 1980er Jahre für Unabhängigkeit oder grössere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. Etwa 45'000 Menschen haben in dem Konflikt ihr Leben verloren.

kpn, wid/sda

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