Terrortunnel statt Schulen

Es sei unmöglich, Schulen oder Spitäler zu bauen, heuchelte die Hamas jahrelang. Doch in Gaza gab es sehr wohl Zement: Damit wurden aber Tunnels und eine unterirdische Stadt gebaut. Ein Kommentar.

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Das Beste, was den Palästinensern in Gaza passiert ist, sind ihre Nachbarn, die Juden. Das gibt ihnen eine Garantie dafür, dass ein grosser Teil der Welt automatisch auf ihrer Seite steht, wenn es Zoff mit den Nachbarn gibt – selbst wenn die Palästinenser im Unrecht sind. Diese spontane Zuneigung, die wie ein Ur-Instinkt positive Emotionen auslöst, geniessen andere nicht. Weder die Christen im Irak, die jetzt gerade aus Mosul vertrieben werden, noch die Hunderttausenden in Syrien oder im Irak, die flüchten mussten – um nur zwei Beispiele zu nennen. Ihr Schicksal bewegt im Westen kaum jemanden, weder auf der Strasse noch am Biertisch, noch in Leserbriefen, noch im Internet.

Als palästinensische Bewegung profitiert die Hamas von diesem west­lichen Ur-Instinkt. Sie kann sich gegen ihre eigene Bevölkerung vergehen und dann Israel beschuldigen, für das Elend verantwortlich zu sein, ohne dass jemand im Westen gegen die Verdrehung der Fakten aufbegehrt. Niemand nimmt es den Radikal-Islamisten übel, dass sie die Welt während Jahren angelogen haben. Sie hätten keinen Zement, jammerten sie zum Beispiel, und deshalb sei es ihnen leider unmöglich, Schulen oder Spitäler zu bauen, wie sie das eigentlich sehr gerne tun würden, heuchelten sie uns vor.

Alle glaubten ihrer Behauptung, dass Israel mit der Absperrung des Gazastreifens das Bauen in Gaza verunmögliche. Heute wissen wir, dass es in Gaza sehr wohl Zement gab, mehr als genug sogar. Statt aber damit den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen, versenkte die Hamas den Zement (wortwörtlich) im Boden, um damit Terror-Tunnels und eine unterirdische Stadt zu bauen.

Besatzung beendet

Wegen des im Westen grassierenden Ur-Instinkts wird auch die Erklärung akzeptiert, dass die Armut in Gaza auf die Besatzung und die Abriegelung des Gazastreifens zurückzuführen sei. Allein, vor neun Jahren hat der damalige Premier Ariel Scharon den Gazastreifen verlassen und alle Israeli ins Kerngebiet zurückgeholt – 8000 Siedler und alle Soldaten. Von Besatzung kann heute keine Rede sein.

Dass in Gaza am Ende bloss Elend und Verzweiflung gedeihen konnten, ist den Palästinensern anzulasten. Denn kaum hatte Israel den Gaza­streifen geräumt, wählten sie die Hamas, die Bewegung also, die Almosen verteilt und Suppenküchen organisiert, aber keine Grundlage für eine gesunde Wirtschaft legt. Sie verfolgte stattdessen martialische Ziele, baute den Gazastreifen zu einer ­Festung aus, zu einem Zentrum des Kampfes gegen Israel. Die Hamas wusste: Dank der Präsenz der ­Nachbarn wird sie sich stets auf den westlichen Ur-Instinkt verlassen ­können, sollte das schiefgehen.

Basler Zeitung

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