Neustart mit dem alten Kämpfer

Der ANC wählt Ex-Gewerkschafter und Millionär Cyril Ramaphosa zum Parteichef. Seine Unterstützer sehen in ihm den Erneuerer des Landes.

Grosse Freude: Der neue Vorsitzende macht ein Selfie. (18. Dezember 2017)

Grosse Freude: Der neue Vorsitzende macht ein Selfie. (18. Dezember 2017)

(Bild: Keystone Themba Hadebe)

Der als moderat geltende südafrikanische Vizepräsident Cyril Ramaphosa hat sich im Führungsstreit der Regierungspartei ANC durchgesetzt. Auf dem ANC-Parteitag in Johannesburg erhielt er am Montag 2440 Delegiertenstimmen, seine Gegenkandidatin Nkosazana Dlamini-Zuma unterlag mit 2261 Stimmen. Damit hat der 65-jährige Ramaphosa gute Chancen, 2019 den derzeitigen Präsidenten Jacob Zuma abzulösen.

«Wir erklären den Genossen Cyril Ramaphosa zum neuen Präsidenten des Afrikanischen Nationalkongresses», sagte eine Vertreterin der Wahlkommission nach Abschluss der mehrstündigen Auszählung. Ramaphosa erhielt nur 179 Stimmen mehr als seine Gegenkandidatin. Seine Anhänger quittierten das Ergebnis mit donnerndem Applaus, die Unterstützer seiner Gegenkandidatin reagierten mit einem Pfeifkonzert - die Reaktionen offenbarten eine tiefe Spaltung der einstigen Befreiungsbewegung.

Anti-Apartheid-Kämpfer der ersten Stunde

Ramaphosa, am 17. November 1952 im Township Soweto bei Johannesburg geboren, ist ein Anti-Apartheid-Kämpfer der ersten Stunde. Er wurde vom Apartheidstaat schon als Student zweimal jeweils mehrere Monate eingesperrt, unter anderem nach dem Soweto-Aufstand 1976. Doch Ramaphosa ging nicht ins Exil, wie etwa Zuma und Dlamini-Zuma. In den 1980er Jahren setzte sich der Jurist für die Stärkung von Gewerkschaften ein - eine der wenigen legalen Organisationsformen für Schwarze im Apartheid-Staat. Ramaphosa baute den Berufsverband der Bergarbeiter rasch zur grössten Gewerkschaft des Landes aus.

Der Gewerkschafter galt lange als wahrscheinlicher Nachfolger von Nelson Mandela. Nach den ersten freien Wahlen 1994 wurde er zum Vorsitzenden der Verfassunggebenden Versammlung. Doch die ANC-Führung entschied sich 1999 für Thabo Mbeki als neuen Präsidenten.

Daraufhin kehrte Ramaphosa dem ANC für mehrere Jahre den Rücken und avancierte zu einem erfolgreichen Geschäftsmann, dessen Vermögen sich im Jahr 2015 laut dem US-Magazin «Forbes» auf umgerechnet rund 440 Millionen Franken belief. 2012 fiel Ramaphosa politisch in Ungnade, da ihm als Aufsichtsrat der Bergbaufirma Lonmin eine Mitverantwortung für die Erschiessung von rund 30 streikenden Arbeitern der Marikana-Mine zur Last gelegt wurde. Doch er kehrte 2014 als Zumas Vize in die Politik zurück.

Korruptheit des Zuma-Clans attackiert

Im Wahlkampf wurde er vom gemässigten, wirtschaftsfreundlichen Flügel der Partei unterstützt. Gewinnt der ANC die Parlamentswahlen im Jahr 2019, dürfte Ramaphosa neuer Präsident Südafrikas werden. Im Wahlkampf attackierte Ramaphosa die Korruptheit des Zuma-Clans und versprach, die Wirtschaft Südafrikas wieder anzukurbeln und angesichts einer Arbeitslosenquote von über 27 Prozent neue Jobs zu schaffen. Kritiker werfen Ramaphosa vor, nur die Interessen der Wohlhabenden zu vertreten und zudem zu lange zum Vorgehen Zumas geschwiegen zu haben.

Zumas «Marionette»

Die 68-jährige Dlamini-Zuma hatte versprochen, sich mehr für die schwarze Mehrheit im Land einzusetzen. Diese lebt zu einem grossen Teil auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid noch in Armut. Gegner werfen der langjährigen Gesundheits-, Aussen- und Innenministerin dagegen vor, dass ihr Ex-Mann sie als «Marionette» benutze und dass sie ihm zu strafrechtlicher Immunität verhelfen wolle. Der 75-jährige Zuma ist wegen zahlreicher Korruptionsaffären und der ihm zugeschriebenen Veruntreuung öffentlicher Gelder auch innerhalb der eigenen Partei stark unter Druck - und ein Grund für die Zerrissenheit des ANC.

In seiner letzten Rede als Parteichef räumte Zuma am Samstag ein, dass die Südafrikaner mit den Ergebnissen der ANC-Herrschaft nicht «zufrieden» seien. Das betreffe unter anderem die grassierende Korruption und Kriminalität sowie die hohe Arbeitslosigkeit. Der Glanz des ANC ist unter Zuma stark verblasst. Bei Kommunalwahlen erlitt die Partei im vergangenen Jahr schwere Niederlagen: Wichtige Städte wie die Metropole Johannesburg und Pretoria fielen an die Opposition. Ein Wahlsieg im Jahr 2019 ist Beobachtern zufolge ungewiss.

fal/sda/ap

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