Paris regt Angriff auf syrische Giftgasanlagen an

Nachdem die UNO «hinreichende Anhaltspunkte» für den Einsatz von chemischen Waffen in Syrien äusserte, legen Paris und London Beweise vor. Frankreichs Aussenminister Fabius fordert die USA zum Handeln auf.

«Die rote Linie ist überschritten»: Der französische Aussenminister Laurent Fabius in Paris.

«Die rote Linie ist überschritten»: Der französische Aussenminister Laurent Fabius in Paris.

(Bild: AFP)

Für den französischen Aussenminister Fabius ist eine Linie überschritten: Sarin sei in mehreren Proben nachgewiesen worden. Auch Grossbritannien bestätigt den Nachweis der Kampfstoffs.

Frankreich und Grossbritannien haben nach eigenen Angaben Beweise für den Einsatz des chemischen Kampfstoffs Sarin im syrischen Bürgerkrieg. Der französische Aussenminister Laurent Fabius sagte, es gebe zumindest in einem Fall «keinen Zweifel» für den Sarin-Einsatz, für den das syrische Regime und seine Verbündeten verantwortlich seien. Das britische Aussenministerium teilte wenig später ebenfalls mit, in einem britischen Labor untersuchte Proben aus Syrien hätten Sarin enthalten.

Alle Optionen liegen auf dem Tisch

Fabius erklärte, in Frankreich seien mehrere Proben analysiert worden, von denen einige von Reportern der Zeitung «Le Monde» aus Syrien mitgebracht worden seien. «Wir haben eine vollständige Kette verfolgt, vom Angriff bis zu dem Augenblick, in dem Menschen getötet wurden und der Entnahme der Proben und ihrer Analyse», sagte Fabius im Fernsehsender France 2.

In Anspielung auf die Äusserung von US-Präsident Barack Obama, der Einsatz von Chemiewaffen in Syrien würde das Überschreiten einer «roten Linie» bedeuten, sagte Fabius, eine Linie sei überschritten: «Alle Optionen liegen auf dem Tisch». Dazu gehöre, militärisch zu intervenieren, «wo das Gas produziert und gelagert wird».

«Hinreichende Anhaltspunkte»

Das britische Aussenministerium sagte nicht, wann und wo seine Proben entnommen worden seien. Der britische UNO-Botschafter Mark Lyall Grant sagte, verschiedene chemische Kampfstoffe seien eingesetzt worden, «manchmal einschliesslich Sarin, manchmal nicht».

«Das Ausmass der Grausamkeiten», die in Syrien geschähen, werde «immer klarer», sagte Hague am Dienstag in London.

Auch laut einem UNO-Bericht gibt es «hinreichende Anhaltspunkte» dafür, dass von Mitte Januar bis Mitte Mai in mindestens vier Fällen Chemiewaffen in begrenztem Umfang verwendet wurden. Allerdings sei unklar von wem. Ein eindeutiger Nachweis könne nur von Inspektoren vor Ort in Syrien erbracht werden. Zurzeit lässt die syrische Regierung keine UNO-Inspektoren ins Land.

Noch mehr Beweise nötig

Der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, erklärte, die Berichte aus Frankreich seien «vollkommen übereinstimmend» mit den Ergebnissen von US-Untersuchungen. Er betonte aber zugleich, es seien noch mehr Informationen nötig. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon reagierte geschockt auf die neuen Beweise und bezeichnete laut seinem Sprecher den «Katalog an Gräueltaten» in der Studie für den UNO-Menschenrechtsrat als «abscheulich und bestürzend».

Die Streitkräfte von Staatschef Assad sollen über das weltweit viertgrösste Arsenal an Chemiewaffen verfügen, unter anderem über Senf- und Nervengas. Chemische Waffen sind international geächtet, ihre Herstellung und Lagerung laut einer Konvention verboten. Rebellen und Regierung beschuldigen sich gegenseitig, in diesem Jahr mehrfach Giftgas eingesetzt zu haben.

In dem UNO-Bericht heisst es dazu: «Es ist auf Basis des vorliegenden Beweismaterials nicht möglich gewesen, den konkreten Kampfstoff, das Abschusssystem oder die Täter festzustellen.» Zwar gebe es Hinweise darauf, dass Regierungstruppen C-Waffen eingesetzt hätten, doch sei dies für die Rebellen ebenfalls nicht auszuschliessen.

wid/sda

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