Mit dem Checkbuch der Saudis

Ein Schlag der USA gegen Syrien könnte Hunderte Millionen Dollar, wenn nicht Milliarden kosten. Doch die Amerikaner dürfen auf Unterstützung hoffen – John Kerry spricht von einem «Angebot».

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Während sich für die Kriegspläne von US-Präsident Barack Obama eine Unterstützung im Senat abzeichnet, wird die Frage nach der Finanzierung eines solchen Einsatzes aufgeworfen. Wie der renommierte US-Ökonom Owen Stalster gegenüber dem «Economist» (Artikel online nicht verfügbar) sagt, sei dies das grosse, aber bislang zu wenig diskutierte Thema in diesem Zusammenhang. Angesichts von erbitterten Budget-Debatten verstehen einige Senatoren in der Tat nicht, warum so viele Ressourcen für eine Überseeoperation absorbiert werden sollen.

«Die Raketen, die bei einem Angriff verwendet würden, kosten pro Stück 1,5 Millionen US-Dollar», sagt Stalster. Selbst für einen Kurzeinsatz würden Hunderte dieser Raketen gebraucht, die USA müssten letztlich auch den Schutz Israels garantieren. Denn die mit dem Iran verbündete libanesische Hizbollah-Miliz könnte als Reaktion Israel mit Raketen angreifen. Da sei es unmöglich, sich nach dem Abschuss einiger Raketen wieder aus der Konfliktregion zurückzuziehen, so Stalster.

«Das Angebot liegt auf dem Tisch»

Um den USA die Syrien-Intervention zu ermöglichen, habe daher das erdölreiche Saudiarabien seine finanzielle Unterstützung zugesagt, weiss Stalster. Er bezieht sich dabei auf die gestrige Debatte im Ausschuss für auswärtige Beziehungen des US-Senats, der schliesslich einem Angriff zustimmte. In der Diskussion sagte US-Aussenminister John Kerry gemäss der «Washington Post», dass arabische Länder angeboten hätten, für die gesamten Kosten einer US-Militäroperation in Syrien aufzukommen.

«Das Angebot liegt auf dem Tisch», antwortete Kerry auf eine entsprechende Frage. Das stehe zwar nicht im Plan, und niemand spreche davon, aber diese Staaten seien sich ihrer Sache sicher. «Einige Länder sagen, wenn die USA den Einsatz so durchziehen würden, wie sie es bereits zuvor an anderen Orten getan hätten, dann würden sie die Kosten dafür tragen», so Kerry.

Saudiarabien sucht Vormachtstellung

Offiziell konnte sich die Arabische Liga, die Syriens Mitgliedschaft 2011 suspendiert hatte, zwar nicht auf eine Position zu einem US-Einsatz in Syrien einigen. Doch mehrere Golfstaaten lobbyieren hinter den Kulissen aktiv dafür. Besonders Saudiarabien spielt im Syrien-Konflikt eine ambivalente Rolle. Das sunnitische Königreich mischt im Hintergrund kräftig mit: Wie Katar liefert es bereits länger Waffen an die Regimegegner in Syrien. Denn der Bürgerkrieg ist längst zum regionalen Machtkampf geworden – und Saudiarabien hat handfeste Eigeninteressen: Das Land sucht seine Position zu stärken und ist um die Vormachtstellung in der instabilen Region bemüht.

Während das streng sunnitische Saudiarabien aussenpolitisch an Einfluss verloren hat, sind die Schiiten im Iran, im Irak, in Syrien sowie wegen der Hizbollah im Libanon im Aufwind. Besonders mit dem Assad-freundlichen Teheran kämpft Riad um die Führung. Und Syrien ist für den Iran die Basis seiner regionalen Macht. Denn das Assad-Regime besteht aus Alawiten – und das ist eine schiitische Gruppierung. Saudiarabien unterstützt demgegenüber sunnitische Oppositionelle. Der Wahabismus ist in Saudiarabien Staatsreligion – eine radikale, nur den Text von Koran und Sunna akzeptierende Form des Islam. Die Schiiten sind für die Sunniten eine Sekte.

Der regionale Machtkampf zeigt: Die Kosten eines Syrien-Einsatzes sind für die USA nicht nur finanzieller Natur – und erhöhen sich mit dem «grosszügigen» Angebot der arabischen Staaten nur noch.

rbi

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