Jüngere Saudis sollen an die Spitze

Mit Investitionen in die Unterhaltungsbranche, Ausweitung der Frauenrechte und einem Generationenwechsel in den Führungsetagen kommt Saudi Arabien der Moderne näher.

Keine Widersacher. Wer sich den Plänen des Kronprinzen widersetzt, wird entlassen.

Keine Widersacher. Wer sich den Plänen des Kronprinzen widersetzt, wird entlassen.

Saudi-Arabiens Umbau geht in atemraubenden Tempo weiter. So wurde im streng wahhabitischen Wüstenreich erstmals eine Frau zur stellvertretenden Ministerin ernannt. Tamader bin Youssef Al-Rammah ist künftig die Nummer zwei im Ministerium für Arbeit und soziale Entwicklung. Neu werden Frauen auch in der Armee zugelassen, und im Sommer dürfen sie sich (endlich) ans Steuer setzen.

Um Kritiker des Reformkurses auszuschalten, sichert König Salman bin Abdulaziz Al Saud die Macht seines Sohnes Kronprinz Muhammad bin Salman ab. Mit neuen königlichen Dekreten hat er die Armeespitze neu besetzt. Nicht nur der Generalstabschef, sondern auch die Kommandanten der Luftwaffe und des Heeres wurden entlassen, zudem auch mehrere stellvertretende Minister. Jüngere Saudis sollen in die Spitzenpositionen nachrücken, die dem Thronfolger nahestehen, der zugleich auch Verteidigungsminister ist. Der Kronprinz ist zudem verantwortlich für die «Vision 2030», die Saudiarabien in die Moderne führen soll.

Zum Umbau Saudi-Arabiens gehört auch der Aufbau einer Unterhaltungsindustrie. Das Königreich, in dem es derzeit keine Kinos gibt, wird in den nächsten zehn Jahren 64 Milliarden Dollar in Spass für die Bürger investieren. Vorgesehen sind auch Events wie Vorstellungen des Cirque du Soleil, der in diesem Jahr auftreten darf. Von der Vergnügungsindustrie erwarten sich die Wirtschaftsstrategen ein Jobwunder. Während heute lediglich 17 000 Saudis in der Unterhaltungsindustrie arbeiten, sollen es bis Ende 2018 bereits 220 000 Saudis sein – zum Entsetzen der Konservativen und Ultra-Frommen.

Wer sich den ehrgeizigen Plänen des Kronprinzen widersetzt oder sie bloss kritisiert, wird entlassen. Dass der Kronprinz keine Widersacher duldet, mussten im letzten Jahr so einflussreiche und prominente Persönlichkeiten wie Prinz Al-Waleed erfahren, der wegen seines Reichtums als Warren Buffett Saudi-Arabiens bekannt ist. Zusammen mit anderen Prinzen, Ministern und Milliardären wurde Al-Waleed während mehrerer Wochen in einem Luxushotel festgehalten, das zu einem Edel-Knast umfunktioniert war.

Das Königshaus rechtfertigte das für Riad unüblich harte Vorgehen gegen die alte Elite mit der Notwendigkeit, die Korruption auszurotten. Denkbar ist aber auch, dass der Kronprinz mächtige Kritiker ausschalten wollte, die seinen Machtanspruch und seinen Reformkurs gefährden könnten.

Offiziell wurden für den Umbau des militärischen Machtapparats keine Gründe genannt. Beobachter vermuten indessen einen Zusammenhang mit dem Krieg gegen die von Teheran unterstützten Huthi im Jemen, in dem Saudiarabien keine nennenswerten Erfolge vorweisen kann.

Basler Zeitung

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