Islamisten stellen Ultimatum an Ägypten-Touristen

Hintergrund

Nach dem Anschlag auf einen Touristenbus fordern militante Islamisten Ausländer auf, Ägypten bis Donnerstag zu verlassen. Das EDA und Schweizer Reiseveranstalter äussern sich zu den Risiken für Touristen.

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Vincenzo Capodici@V_Capodici

Eine islamistische Gruppe, die sich Ansar Bait al-Makdis nennt, hat vor drei Tagen auf der Sinai-Halbinsel einen Touristenbus in die Luft gesprengt. Nach diesem Attentat mit vier Toten und 14 Verletzten droht sie nun mit weiteren Anschlägen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurde die Drohbotschaft der Extremisten am Dienstag in englischer Sprache über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. Mit der Drohung verbunden ist ein Ultimatum an die Touristen, die sich in Ägypten aufhalten. Die Gruppe Ansar Bait al-Makdis lässt Ausländern bis morgen Donnerstag Zeit, um das Land zu verlassen. Ansar Bait al-Makdis stelle eine Bedrohung für Touristen dar, liess die ägyptische Regierung in einer Stellungnahme verlauten.

Wie gross ist die Terrorgefahr für Touristen in Ägypten? Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Reisehinweise für Ägypten zwar nicht verschärft, aber am Montag nach dem Anschlag auf den Touristenbus bezüglich der Sinai-Halbinsel präzisiert und auf die Gefahr weiterer Anschläge im ganzen Land hingewiesen. Trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen rät das EDA zu Vorsicht, «besonders an öffentlichen Plätzen wie Busbahnhöfen, Metrostationen und Märkten sowie in der Nähe von Regierungsgebäuden, Polizeistationen, Militäreinrichtungen und Museen oder anderen touristischen Sehenswürdigkeiten».

Badeferienorte am Roten Meer gelten als sicher

Gemäss den Reisehinweisen des EDA können die Badeorte – zum Beispiel Dahab, Sharm al-Sheik und Nuweiba – grundsätzlich besucht werden. Von Ausflügen ausserhalb der Badeorte wird abgeraten, eine Ausnahme sind die Flughafentransfers.

Die Schweizer Reiseveranstalter halten sich an die Reisehinweise des EDA, wie die Mediensprecher von Kuoni und Hotelplan auf Anfrage von baz.ch/Newsnet erklärten. «Wir bieten zurzeit nur die Badeferiendestinationen am Roten Meer an. Sie gelten als sicher, auch gemäss den Reisehinweisen des EDA», heisst es in einer Stellungnahme von Kuoni. «Ausflüge ab den Badeorten bieten wir nicht an.» Der Anschlag auf den Touristenbus am letzten Sonntag sei beim Grenzübergang Taba, 500 Meter von der israelischen Grenze entfernt, verübt worden. «Auch schon vor diesem Anschlag bot Kuoni keine Ausflüge in diese Region an, von welcher auch vom EDA abgeraten wird.»

Zurzeit befinden sich rund 100 Kuoni-Kunden in Ägypten. Dazu kommen knapp 280 Kunden von Hotelplan Suisse. Wie Kuoni bietet auch Hotelplan nur Badeferien an den gemäss den EDA-Reisehinweisen sicheren Destinationen an. Eine Verunsicherung unter den Kunden, die nach Ägypten reisen wollen, sei nicht festzustellen, sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Mediensprecherin von Hotelplan Suisse.

Erster Terroranschlag gegen Touristen seit 2009

Der jüngste Terroranschlag der Gruppe Ansar Bait al-Makdis und ihre explizite Drohung gegen Touristen eröffnet laut Experten eine neue Dimension im Kampf der Islamisten gegen die Übergangsregierung Ägyptens. Die Islamisten, die ihre Basis auf dem Sinai haben und sich al-Qaida zugehörig fühlen, sollen in den vergangenen Monaten Hunderte Soldaten und Polizisten getötet haben. Touristen blieben bis am letzten Wochenende von der Gewalt verschont. Die Gruppe Ansar Bait al-Makdis setzt nun darauf, den Militärmachthabern um ihren Chef Abdel Fattah al-Sissi mehr schaden zu können, indem sie den Tourismussektor gezielt ins Visier nimmt, zumal der Tourismus zu den wichtigsten Einnahmequellen Ägyptens zählt.

Das Attentat auf den Bus in Taba war der erste Terroranschlag auf Touristen in Ägypten seit fünf Jahren. Im Februar 2009 tötete eine Explosion auf einem Basar in der Hauptstadt Kairo eine Französin und verletzte mehrere Menschen. Und bei einem Terroranschlag auf ein Hotel in Taba, dem Badeort am Roten Meer, starben vor zehn Jahren 34 Menschen, darunter zwölf Israelis. Der verheerendste Anschlag auf Touristen in Ägypten ereignete sich im November 1997, als radikale Islamisten im Pharaonen-Tempel von Luxor 58 Touristen erschossen. Unter den Opfern waren 36 Schweizer.

baz.ch/Newsnet

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