Hamas richtet drei verurteilte Mörder hin

Seit der Bildung einer palästinensischen Einheitsregierung vor zwei Jahren wurde die Todesstrafe im Gazastreifen nicht mehr angewandt – bis jetzt.

Das Moratorium der Todesstrafe ist gebrochen: Sicherheitskräfte der Hamas im Süden des Gazastreifens. (21. April 2016)

Das Moratorium der Todesstrafe ist gebrochen: Sicherheitskräfte der Hamas im Süden des Gazastreifens. (21. April 2016)

(Bild: Keystone Khalil Hamra)

Die radikalislamische Hamas hat drei verurteilte Mörder im Gazastreifen hingerichtet. Die Exekutionen hätten nicht öffentlich am frühen Dienstagmorgen stattgefunden, teilte das Innenministerium der Hamas mit.

Vergangene Woche hatte Hamas-Staatsanwalt Ismail Jaber gesagt, 13 verurteilte Männer sollten öffentlich exekutiert werden. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union hatten diese Pläne verurteilt. Kurz darauf sprach Jaber nur noch davon, dass die Hinrichtungen vor Medienvertretern stattfinden könnten.

Die Schweiz reagiert

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verurteilte die Hinrichtungen am Dienstag. Das EDA habe in den vergangenen Monaten mehrmals bei den zuständigen Behörden interveniert, um die Wiederaufnahme dieser Praxis zu verhindern.

Die Schweiz bekräftige ihre Ablehnung der Todesstrafe und rufe die Behörden im Gazastreifen auf, ein Moratorium der Todesstrafe einzuhalten, wie das in den übrigen besetzten Palästinensergebieten bestehe, und geplante Hinrichtungen auszusetzen. Es handle sich um die ersten Hinrichtungen seit der Bildung der palästinensischen Einheitsregierung im Juni 2014.

Moratorium scheint gebrochen

Mit den drei Hinrichtungen hat die Hamas erstmals seit der Machtübernahme 2007 Menschen für Mord exekutiert. Bisher wurden nur Palästinenser hingerichtet, die der Zusammenarbeit mit Israel beschuldigt worden waren.

Nach Angaben der Hamas hatten die drei Männer unabhängig voneinander drei Menschen getötet und ihre Taten gestanden. Die Männer seien in der Stadt Chan Junis im südlichen Gazastreifen erschossen worden. Familienmitglieder der Opfer seien bei den Exekutionen dabei gewesen.

Vergangene Woche hatten Hamas-Abgeordnete eine neue Verordnung zur Todesstrafe im Gazastreifen gebilligt. Jaber teilte am Donnerstag mit, dass diese Woche fünf verurteilte Mörder hingerichtet werden sollten. Acht weitere sollten nach dem Fastenmonat Ramadan im Juli exekutiert werden.

mch/sda

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