Diplomat: Ghadhafi nicht hingerichtet

Kein Kämpfer des Übergangsrats habe auf Muammar al-Ghadhafi geschossen, nachdem er festgenommen worden war. Dem UNO-Sicherheitsrat liefert ein libyscher Diplomat eine andere Version.

Wenn Rechte Ghadhafis oder anderer verletzt worden seien, würden die Verantwortlichen bestraft: Der stellvertretende libysche UNO-Botschafter Ibrahim Dabbash.

Wenn Rechte Ghadhafis oder anderer verletzt worden seien, würden die Verantwortlichen bestraft: Der stellvertretende libysche UNO-Botschafter Ibrahim Dabbash.

(Bild: Keystone)

Die vorläufige Untersuchung der Todesumstände von Muammar al-Ghadhafi hat nach Angaben eines UN-Diplomaten des Nationalen Übergangsrats keinen Hinweis darauf ergeben, dass er nach seiner Gefangennahme erschossen wurde. Libyens stellvertretender UN-Botschafter Ibrahim Dabbashi sagte am Mittwoch vor dem UN-Sicherheitsrat, vorliegenden Informationen zufolge sei Ghadhafi bei Schusswechseln zwischen seinen Anhängern und denen des Nationalen Übergangsrats in Sirte verwundet worden.

Er blutete demnach am Unterleib und am Kopf und starb bei seiner Ankunft im Krankenhaus in Misrata. Keiner der «Revolutionäre» habe nach Ghadhafis Gefangennahme auf ihn gefeuert. Bei dem Treffen des Sicherheitsrats zu Libyen ging es um Fragen der Menschenrechte und um Zweifel an der Version des Übergangsrats über Ghadhafis Tod. Andere Berichte und Videoaufnahmen deuten auf einen Lynchmord nach seiner Gefangennahme hin.

Als Reaktion auf internationale Forderungen nach einer Untersuchung der genauen Todesumstände richtete die neue libysche Führung eine entsprechende Kommission ein. Deren Ergebnisse würden nach Abschluss ihrer Arbeit veröffentlicht, sagte Dabbashi. Sollten die Rechte Ghadhafis oder anderer verletzt worden sein, würden die Verantwortlichen bestraft.

Ghadhafi war nach Angaben des libyschen Übergangsrats in der Nacht zu Dienstag an einem geheimen Ort bestattet worden. Er war am vergangenen Donnerstag nach einem NATO-Luftangriff in seiner Geburtsstadt Sirte getötet worden.

Ghadhafis Familie will gegen Nato klagen

Die Familie des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi will vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag gegen die Nato klagen. Grund sei die Verwicklung des Militärbündnisses in den Tod Ghadhafi, sagte der französische Anwalt der Familie, Marcel Ceccaldi.

Der Angriff der Nato auf den Konvoi des fliehenden Ghadhafi habe direkt zu dessen Tod geführt. Die «absichtliche Tötung» sei nach den Statuten des Strafgerichtshofs ein Kriegsverbrechen, hob er hervor. Wann die Klage genau eingereicht werden solle, konnte der Anwalt noch nicht sagen. Ghadhafi war am vergangenen Donnerstag in seiner Geburtsstadt Sirte getötet worden. Er hatte versucht, aus der Stadt zu flüchten, doch der Konvoi war durch einen Nato-Angriff gestoppt worden.

Die Nato hatte erklärt, sie habe den schwer bewaffneten Konvoi angegriffen, weil dieser sich mit hoher Geschwindigkeit und ohne Rücksicht seinen Weg durch die Vororte von Sirte gebahnt habe. Von der Anwesenheit Ghadhafis habe die Nato zu diesem Zeitpunkt aber nichts gewusst. Ghadhafi war danach festgenommen und getötet worden. Ob er bei Gefechten starb oder gezielt von Truppen der Übergangsregierung umgebracht wurde, ist weiter unklar.

Übergangsrat will Fortsetzung von Nato-Einsatz

Der Nationale Übergangsrat in Libyen hat derweil eine Fortsetzung des Nato-Einsatzes in dem nordafrikanischen Land bis mindestens zum Ende des Jahres gefordert. «Nachdem wir den Sieg errungen haben, hofft das libysche Volk, dass die Nato ihren Einsatz bis mindestens zum Ende des Jahres fortführt», sagte der Präsident des Übergangsrates, Mustafa Abdul Jali, zur Eröffnung eines Treffens der Generalstabschefs der am Militäreinsatz beteiligten Länder in Doha. Eine Fortsetzung des Nato-Einsatzes komme Libyen und den Nachbarländern zugute.

Die Nato-Botschafter hatten sich in der vergangenen Woche vorläufig auf ein Ende des Einsatzes zum 31. Oktober verständigt. Nach der Forderung des libyschen Übergangsrates vertagte das Bündnis seine endgültige Entscheidung zur Beendigung des Einsatzes von Mittwoch auf Freitag.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen berate sich dazu mit der UNO und dem libyschen Übergangsrat, sagte eine Nato-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Eine formelle Anfrage zur Fortsetzung des Einsatzes liege indes nicht vor. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass die Nato ihre Entscheidung auch deshalb vertagte, weil Russland zunächst Beratungen im UNO-Sicherheitsrat zur Lage in Libyen verlange.

Obama sieht Libyen-Einsatz als Erfolgsrezept

Bei einem Auftritt in der Fernsehshow von Moderator Jay Leno hat US-Präsident Barack Obama die Rolle der USA beim Einsatz in Libyen noch einmal verteidigt. Die internationale Koalition, die zum Sturz von Machthaber Muammar al-Ghadhafi beitrug, sei an vorderster Front am Einsatz beteiligt gewesen.

Die Bildung einer breiten Allianz unter Einbeziehung europäischer und arabischer Länder habe das Leben von US-Soldaten gerettet, Geld gespart und das angestrebte Ziel erreicht. «Kein einziger US-Soldat war auf dem Boden», keiner sei getötet oder verletzt worden, sagte Obama am Dienstag in der Show. «Ich glaube, dass ist ein Erfolgsrezept für die Zukunft.»

rub/jak/miw/AFP

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