Der touristische Frühling

Der Tourismus wurde in Nordafrika während des arabischen Frühlings 2011 praktisch lahmgelegt. Schweizer Reiseveranstalter bestätigen nun eine Erholung.

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Olivia Raths@tagesanzeiger

Der Tourismus in Nordafrika litt, als die Unruhen 2011 in vollem Gange waren. Inzwischen hat sich die politische Lage stabilisiert, und der Tourismus erholt sich von den Einbrüchen. Der Ägypter Ahmed Amin, Managing Director von Amin Travel in Zürich, äuassert sich an der Schweizer Tourismus-Fachmesse TTW: «Unser Ägypten-Geschäft liegt aktuell 50 Prozent über dem Vorjahr – damit ist der Verlust gegenüber 2010 teilweise wettgemacht.» 2011 erlebte es einen Einbruch um 50 Prozent. Viele Leute, die Ägypten noch nie bereist haben und das Land nicht kannten, seien verunsichert gewesen. Doch wer trotz der Unruhen dorthin reiste, habe nichts davon gemerkt, so Amin. Laut dem Ägypter ist dort keinem Touristen etwas zugestossen. Die Aktionen hätten sich ja gegen die Regierung gerichtet. Die Reiseveranstalter – auch aus der Schweiz – schickten Extraflüge nach Ägypten, um ihre Kunden vorzeitig nach Hause zu holen. «Von unseren Kunden wollte dies aber kein einziger», so Amin. «Sie fühlten sich wohl und nicht gefährdet in ihren Ferien.»

Weil die touristische Infrastruktur nach wie vor besteht, gibt es laut Amin nun mehr Platz für die Besucher. «Unsere Gäste, die 2011 und 2012 Ägypten besuchten, kamen begeistert nach Hause.» Laut dem Gründer von Amin Travel mussten die Gäste bei den Museen, Pyramiden und Tempelanlagen auch nicht Schlange stehen, ebenso wenig bei den Buffets in ihren Hotels. «Ausserdem war das Personal nicht gestresst und leistete daher einen besseren Service.» Trotz der Annehmlichkeiten seien die Preise für Ägyptenreisen so tief wie schon lange nicht mehr.

Wieder mehr Flüge nach Nordafrika

Diverse Schweizer Reiseveranstalter, darunter Kuoni, Hotelplan und TUI Suisse, haben für diese Herbst- und Wintersaison das Charterflug-Angebot aufgestockt. «Schon allein das beweist, dass die Nachfrage nach Ägypten-Reisen gewachsen ist», so Amin. Im ganzen Jahr 2011 reisten 130'000 Schweizer nach Ägypten – deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als es noch 195'000 waren. Wegen der wachsenden Nachfrage ist Amin zuversichtlich, dass bis Ende Jahr die Besucherzahlen von 2011 übertroffen werden.

Das Flugangebot aufgestockt hat auch der Tunesien-Spezialist Xenotours aus dem aargauischen Untersiggenthal. Wie Geschäftsführer Karl Hochstetter im Gespräch am TTW Zürich sagt, ist die Nachfrage seit Juni insbesondere bei der Insel Djerba angestiegen. «So konnten stillgelegte Flugketten und sogar ein exklusiver Flug von Bern nach Djerba reaktiviert werden.» 2011 sah es noch ganz anders aus: Xenotours fuhr ein Minus von 67 Prozent bei den Tunesien-Buchungen ein. «Das schmerzte. Unser Unternehmen überstand dieses schwierige Jahr, indem wir sofort Sparmassnahmen umsetzten und Reserven aus guten Zeiten verwendeten», so Hochstetter. Inzwischen hat das Tunesien-Geschäft wieder angezogen: Im bisherigen Jahr 2012 verzeichnete Xenotours eine Zunahme von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereits ab 2013 rechnet Hochstetter damit, das gute Tunesienjahr 2010 wieder einzuholen.

Boomland Marokko litt kaum unter Touristenschwund

Anders als Ägypten, Tunesien oder Libyen gab es aus Marokko kaum Schlagzeilen bezüglich des arabischen Frühlings. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich ist das Land relativ stabil und verzeichnete 2011 lediglich 4 Prozent weniger Touristen. «Die meisten Leute verstehen, dass das Königreich Marokko nicht von den Umwälzungen in anderen nordafrikanischen Ländern betroffen ist», sagt Nchirah Naciri, Direktorin des Fremdenverkehrsamts Marokko in Zürich, gegenüber baz.ch/Newsnet. Nach ihren Angaben verzeichnete das Land im Juni 2012 ein Touristenplus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, im Juli gar eines von 39 Prozent.

baz.ch/Newsnet

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