Assads mächtiger Freund

Einen Flugzeugträger hat Russland nach Syrien entsandt. Hier unterhält Moskau seinen letzten Stützpunkt in der Region – und wichtige wirtschaftliche Beziehungen.

  • loading indicator

Russlands markiert Präsenz. Gleich eine ganze Flotte, darunter der einzige russische Flugzeugträger Admiral Kusnezow, war am Wochenende im syrischen Hafen von Tartus eingelaufen. Hier liegt einer der letzten verbliebenen russischen Stützpunkte im Ausland.

Moskau sprach offiziell von einem Routinebesuch, um die Vorräte der Schiffsbesatzung aufzustocken. Im Westen hingegen wurde die Anwesenheit der schweren Kriegsschiffe als russische Drohkulisse gegen die Nato wahrgenommen. Entsprechend erfreut zeigte sich die syrische Regierung um Präsident Bashar al-Assad über den imposanten militärischen Besuch.

Syriens Verteidigungsminister Dahoud Rajha hiess die russische Besatzung persönlich willkommen. Die syrische Nachrichtenagentur Sana feierte die Ankunft als ein Zeichen der Freundschaft.

Ein Verbündeter aus Sowjetzeiten

Die Machtdemonstration des russischen Verbündeten kommt für Assad zur rechten Zeit. Seit der blutigen Niederschlagung der Aufstände sind nach UNO-Angaben über 5000 Menschen ums Leben gekommen, international ist der syrische Präsident mit Ausnahme von wenigen Staaten isoliert. Moskau stellt sich derweil unbeirrt hinter die Politik Assads. Für Aussenminister Sergej Lawrow sind laut BBC die syrischen Oppositionellen «Extremisten, die bewusst eine humanitäre Katastrophe provozieren, um eine ausländische Intervention zu fordern».

Moskau hat seinen Einfluss im Nahen Osten aus sowjetischen Tagen fast gänzlich eingebüsst. Nach dem libyschen Umsturz sind dem Land nur noch Algerien und Syrien als Partner geblieben. An Damaskus gilt es daher festzuhalten. Nicht nur aus politischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Gemäss «Spiegel online» ist Bashar al-Assad ein treuer Kunde für Russlands Waffenschmiede. Syrien soll Aufträge im Wert von mehr als vier Milliarden US-Dollar deponiert haben. Erst im Dezember wurden trotz israelischer Proteste russische Anti-Schiff-Lenkwaffen nach Syrien geliefert. Zudem will der russische Ölkonzern Tatneft im grossen Stil syrische Ölfelder erschliessen. Von einem Auftrag über 13 Milliarden US-Dollar ist die Rede.

Das libysche Debakel

Nur schon aus diesen Gründen soll eine Wiederholung einer UNO-Resolution nach libyschem Vorbild, die ein ausländisches Eingreifen erlauben würde, verhindert werden. Bereits im Oktober 2011 legte Moskau sein Veto für verschärfte Sanktionen gegen Syrien ein. Durch den Sturz Ghadhafis gingen der russischen Waffenbranche gemäss «The Daily News Egypt» Aufträge im Wert von 4 Milliarden Dollar verloren.

Für Moskau scheint die Machtdemonstration vor Syrien fürs Erste gewirkt zu haben. Der russische Flugzeugträger Admiral Kusnezow und weitere Kriegsschiffe hätten heute die russische Militärbasis Tartus wieder verlassen. Gemäss der Agentur Interfax sei der Flottenverband wie geplant zu einer Übung im Mittelmeer ausgelaufen – eine Rückkehr damit jederzeit in Sichtweite.

jak

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt