Amok-Soldat erlitt im Irak eine Kopfverletzung

Der Soldat, der in Afghanistan für ein Blutbad gesorgt hat, war offenbar ein ausgebildeter Scharfschütze und hat sich im Irak ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Ihm droht die Todesstrafe.

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Trotz des Amoklaufs eines US-Soldaten wollen die USA an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten. «Wir können nicht zulassen, dass diese Ereignisse unsere Strategie oder Mission untergraben», sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Montag auf einem Flug nach Kirgistan. US-Präsident Barack Obama warnte vor einem überstürzten Abzug der US-Truppen aus Afghanistan.

Der US-Soldat hatte am Sonntag in der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Dorfbewohner, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, in ihren Häusern getötet. Nach Angaben des Pentagon war der Unteroffizier erstmals in Afghanistan, davor war er dreimal im Irak im Einsatz. Dort habe er sich bei einem Verkehrsunfall ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen, sagte ein Pentagon-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Verletzungen dieser Art sind bei US-Soldaten im Irak oder Afghanistan keine Seltenheit. Neurologen sehen inzwischen einen Zusammenhang zum späteren Auftreten eines posttraumatischen Stresssyndroms.

«Krieg ist Hölle»

Laut Panetta und dem Pentagon handelte es sich um die Tat eines Einzeltäters. Dieser werde sich vor einem Militärtribunal verantworten und müsse im Fall eines Schuldspruchs mit der Todesstrafe rechnen. «Nach meinem Verständnis könnte dies unter diesen Umständen in Betracht kommen», sagte Panetta. Er warnte, dass es im Krieg immer wieder derartige Vorfälle gebe: «Krieg ist die Hölle», sagte er. Umso wichtiger sei es, «dass wir diesen Krieg zu einem verantwortlichen Ende bringen».

Ähnlich äusserte sich auch Obama. Der Abzug der US-Truppen müsse auf «verantwortungsvolle Art und Weise» erfolgen, um zu verhindern, «dass wir am Ende wieder zurückkehren müssen», sagte der US-Präsident dem lokalen CBS-Ableger KDKA. Auf keinen Fall dürfe es ein blindes «Rennen zu den Ausgängen» geben, sagte er weiter. Die Afghanen müssten zuvor in der Lage sein, ihre Grenzen selbst zu verteidigen und eine Rückkehr von al-Qaida zu verhindern. Gleichzeitig aber müsse sichergestellt werden, «dass wir nicht länger in Afghanistan bleiben als wir müssen», fügte Obama im Sender KCNC hinzu.

«Unverzeihliche Tat»

Der Amoklauf hat die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Afghanen und den USA weiter verschlechtert. Präsident Hamid Karzai bezeichnete die Tat als «unverzeihlich», das Parlament in Kabul forderte die US-Regierung auf, den «Schuldigen in einem öffentlichen Verfahren vor dem afghanischen Volk» den Prozess zu machen. Washington warnte vor gewaltsamen Protesten in Afghanistan, Stammesführer in Kandahar riefen ausdrücklich zum Gewaltverzicht auf. Allen Befürchtungen zum Trotz blieb es zunächst ruhig.

wid/AFP

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