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162 Menschen ertrinken vor Ägyptens Küste

Die Zahl der Todesopfer steigt und steigt. Über 160 Tote wurden bislang geborgen. Es handelt sich um eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien auf dem Mittelmeer.

Die Hilfe kommt zu spät: Ägyptische Mediziner und Rettungskräfte vor der Küste. (21. September 2016)
Die Hilfe kommt zu spät: Ägyptische Mediziner und Rettungskräfte vor der Küste. (21. September 2016)
Mohamed El-Shahed, AFP
Flüchtlinge warten auf dem Pier und hoffen, dass weitere gerettete Personen eintreffen.
Flüchtlinge warten auf dem Pier und hoffen, dass weitere gerettete Personen eintreffen.
Mohamed El-Shahed, AFP
Oft sind die Boote überfüllt und in einem miserablen Zustand. Es erstaunt nicht, dass die Boote kentern und viele Menschen im Mittelmeer ertrinken.
Oft sind die Boote überfüllt und in einem miserablen Zustand. Es erstaunt nicht, dass die Boote kentern und viele Menschen im Mittelmeer ertrinken.
Eman Helal, Keystone
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Zwei Tage nach dem Untergang eines mit Afrikanern besetzten Flüchtlingsbootes vor der ägyptischen Mittelmeerküste wird das Ausmass der Katastrophe immer deutlicher. Bis Freitag wurden 162 Leichen geborgen, wie der Gouverneur der Nildeltaprovinz Al-Buhaira, Mohammed Sultan, der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Suche gehe weiter. Er befürchte, dass Dutzende weitere durch das Unglück ums Leben gekommen seien, sagte Sultan.

Das vermutlich mit Hunderten Menschen völlig überladene Boot war am Mittwoch von Ägypten aus Richtung Europa gestartet und etwa zwölf Kilometer von der ägyptischen Hafenstadt Rosetta entfernt gekentert. Viele der Opfer waren Behördenangaben zufolge Frauen und Kinder, die nicht schwimmen konnten. Demnach überlebten mehr als 160 Menschen. Die meisten von ihnen seien Ägypter, hinzu kämen Sudanesen, Somalier und Eritreer.

Hunderte Menschen an Bord

Ein AP-Reporter sah nahe Rosetta, wie Fischerboote am frühen Freitagmorgen zwischen 20 und 30 Leichen an Land brachten. Rettungswagen warteten am Pier der Küstenwache. Auf Fotos waren Dutzende aufgereihte und in schwarze Plastiksäcke gelegte Leichen zu sehen. Andere trieben neben hölzernen Fischerbooten umher. Ein Fischer sagte, er wisse nicht, wie er die verwesten Leichen aus dem Wasser ziehen solle. Der Geruch von Verwesung breitete sich am Pier aus.

Die Behörden konnten bislang nicht sagen, wie viele Menschen sich genau in dem Flüchtlingsboot befunden hätten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sprach von etwa 450 Menschen, die ägyptische Nachrichtenagentur Mena von 600.

Behördenangaben zufolge hatte das kleine Schiff stunden- und vielleicht sogar tagelang auf See auf kleinere Holzboote gewartet, die Flüchtlinge von verschiedenen Orten entlang der Küste herbringen sollten. Dass das Boot gekentert sei, sei eine Folge der Überladung gewesen, berichteten Überlebende.

Leichen weggespült

Der Vorsitzende des Gemeinderates der Region, Ali Abdel-Sattar, sagte, Strömungen hätten die Leichen von Opfern viele Kilometer weit weggespült. Die Körper zweier ertrunkener Kinder und zweier Erwachsener seien am Freitag rund 20 Kilometer östlich des eigentlichen Untergangsortes gefunden worden. Viele der Insassen seien zum Unglückszeitpunkt offenbar unter Deck gewesen. Er vermute, dass viele von ihnen mit dem Rumpf untergegangen seien und deshalb nun auf dem Meeresgrund in einer Tiefe von knapp 16 Metern lägen.

Überlebende machten Schleuser für das Unglück verantwortlich. Die ägyptischen Behörden nahmen im Zusammenhang mit dem Vorfall am Donnerstag vier Personen fest.

Tausende Flüchtlinge und Migranten aus Krisenländern haben in den vergangenen Jahren versucht, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Die Überfahrt, die meist in Libyen startet, ist lebensgefährlich.

3500 Tote

Auch die Überfahrt von Ägypten aus zählte laut UN-Angaben zu den traditionellen Meeresrouten von Flüchtlingen und Migranten nach Europa. Seit 2014 ist die Zahl der Menschen aber stetig angestiegen. Meistens werden sie Experten zufolge von Schleppern in alten und überfüllten Fischerbooten auf ihre Reise geschickt.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind in diesem Jahr jetzt schon fast so viele Flüchtlinge bei der Mittelmeerüberfahrt ums Leben gekommen wie 2015. Nach mindestens 3675 Toten im Vorjahr hätten 2016 bislang rund 3500 Menschen die riskante Reise nach Europa nicht überlebt. Die aktuellsten Zahlen zum Untergang nahe Rosetta waren da noch nicht eingerechnet. Bisher überquerten demnach mehr als 300000 Flüchtlinge und Migranten das Mittelmeer, 2015 waren es mehr als eine Million gewesen.

sda/afp/fal

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