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McCain und Obama beissen sich fest

Das erste direkte Rededuell der beiden Kandidaten geht unentschieden aus. John McCain dürfte es kaum gelungen sein, seinen Rückstand zu verkleinern.

(Video: Reuters)

Die Debatte über gut anderthalb Stunden fand doch noch statt. John McCain war in die Universitätsstadt Oxford (Mississippi) gekommen, obwohl er am Vortag angedroht hatte, den Auftritt platzen zu lassen, weil er die Finanzkrise in Washington löse müsse. Ein definitiver Plan steht noch immer nicht, immerhin aber scheint sich ein Kompromiss zwischen beiden Parteien anzubahnen, der hoffen lässt, dass bis Sonntag eine Rettungsaktion entscheidreif ist.

Zuversicht für Sanierungsplan

Angesprochen auf den Sanierungsplan gaben beide Kandidaten keine verbindlichen Zusicherungen ab. Er wolle «weise und entschieden« vorgehen und nicht den Mittelstand dafür büssen lassen, was an Wallstreet schief gelaufen sei, sagte Obama. Faktum sei, dass diese Krise direkt auf die gescheiterte Politik der Regierung Bush zurückgehe, die von John McCain unterstützt werde. McCain räumte ein, dass er dem Plan skeptisch gegenüberstehe. «Indessen fühle ich mich heute Abend besser», da nun die Parteien erstmals zusammen arbeiteten. «Das ist nicht der Anfang vom Ende, sondern das Ende eines Anfangs». Obama meinte, er sei optimistisch, dass die Sanierung gelinge; McCain erklärte, er hoffe, für den Plan stimmen zu können. Fast die Hälfte der Debatte, die letztlich keine hohen Wellen warf, drehte sich um wirtschaftliche Fragen. Obama schien besser vorbereitet und zu Beginn mindestens auch deutlich angriffiger. Ihm gelang es es, sein Reformpaket mehrmals kohärent und detailreich zu skizzieren. Dazu gehört eine Sanierung des Gesundheitswesen, eine Steuerumverteilung von unten nach oben, ein Energie-Investitionsprogramm sowie eine Ausbildungs- und Forschungsinitiative.

Palin weiterhin abwesend

McCain sprach von einem Ausgabenstopp, einem Zurückstutzen der Subventionsprojekte und davon, dass er das Gesundheitswesen «sicher nicht in die Hände der Regierung übergeben» wolle. «Das amerikanische Volk kennt mich. Ich bin ein Maverick (ein mutiger Aussenseiter) und ich bin froh, ein Maverick als meinen Partner zu haben.» Seine Nummer zwei jedoch, Sarah Palin, trat nicht in Erscheinung. Sie stand den Fernsehstationen für keine Kommentare zur Verfügung. Im Unterschied dazu zog Joe Biden, der Vize von Obama, bereitwillig Red und Antwort. Seiner Meinung nach punktete McCain zu wenig klar. «John befand sich (mit der Aussen- und Sicherheitspolitik) auf seinem stärksten Terrain. Er hat verloren, und das ist fatal».

Obama würdigt Gegner

Die Debatte um Fragen der Aussen- und Sicherheitspolitik brachten keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Die Kandidaten wiederholten ihre bekannten Positionen und verschanzten sich hinter Wahlkampffloskeln und längst bekannte Vorkommnisse und Andenken. Auffällig war, dass Obama die Einschätzungen von McCain mehrmals ausdrücklich würdigte. Nicht weniger als acht Mal erklärte er sich mit den Ausführungen seines Gegners einverstanden. McCain dagegen attackierte Obama direkt und warf ihm sieben Mal vor, die aussen- und sicherheitspolitische Lage falsch eingeschätzt zu haben.

McCain im Rückstand

Dahinter steckte der Versuch der McCain-Kampagne, seine längere Erfahrung ins Zentrum zu schieben und die unentschlossenen Wähler in der Mitte anzusprechen. Ob dies gelungen ist, ist fraglich. Eine laufender Erhebung von Wählergruppen auf CNN zeigte, dass noch unentschiedene Bürger das Verhalten von McCain als schulmeisterlich und herablassend empfanden. David Gergen, ein erfahrener Politanalyst und Berater mehrere Präsidenten, meinte wie zahlreiche andere Beobachter auch, dass das Duell unentschieden ausgegangen sei. «Für McCain genügt dies nicht. Er brauchte einen klaren Sieg, um seinen Rückstand wettzumachen».

Die nächste Debatte findet kommende Woche zwischen den Vizes Joe Biden und Sarah Palin statt. McCain und Obama werden die Klingen noch zweimal vor den TV-Kameras kreuzen, unter anderem spezifisch zur Wirtschafts- und Finanzkrise der USA.

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