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Juden sind in Deutschland wie Freiwild

Der Antisemitismus ist in der Bundesrepublik nie ausgestorben. Das geben hohe Politiker zu.

In Deutschland werden jüdische Einrichtungen immer häufiger von der Polizei bewacht.
In Deutschland werden jüdische Einrichtungen immer häufiger von der Polizei bewacht.
Keystone

Das ist heute deutscher Alltag. Der Jude Levi suchte die Apotheke auf. Beim Eingang standen zwei Frauen. «Tschuldigung, ich schlängle mich mal vorbei», entschuldigte sich Levi. «Jetzt muss ich sogar noch für einen Juden Platz machen», reklamierte eine der Frauen («Der Spiegel», 42/2019).

In Deutschland herrscht eine judenfeindliche Stimmung. Der schreckliche Höhepunkt datiert vom 9. Oktober 2019 in Halle. Ein Täter, der, wie die Polizei annimmt, im weltweiten Antisemitismus vernetzt ist, führte auf die Synagoge einen Anschlag aus. Im Gebetshaus feierten 51 Gläubige den Jom Kippur. Den höchsten jüdischen Feiertag. Ein Schutzengel hat sie gerettet.

Die Polizei fand im Auto des Täters ein Arsenal von Waffen und Sprengkörpern. Er wollte die zum Gebet Versammelten töten. Aus Hass, wie er bei der polizeilichen Einvernahme gestand.

Juden in Deutschland sind eine «Miniminderheit»

Die verschlossene Türe der Synagoge war mit Schüssen nicht zu knacken. Als nach fünfzehn Minuten die Polizei am Tatort eintraf, konnte sie den Gewalttäter verhaften. Vorher hat er wahllos zwei Menschen erschossen und zwei schwer verletzt.

In Deutschland leben 200000 Juden. Bei rund 80 Millionen Einwohnern ist das eine Miniminderheit. Die nach Hitlers Holocaust Anspruch auf eine besonders rücksichtsvolle, faire Behandlung hat. Hätte, muss ich korrigieren.

Der Antisemitismus ist in der Bundesrepublik nie ausgestorben. Das geben hohe Politiker zu. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zum Beispiel kommentierte das abscheuliche Verbrechen in Halle, dies sei für ihn «unvorstellbar» gewesen. Ob er denn die letzten Jahre hinter dem Mond gelebt habe, fragte die «Frankfurter Rundschau» vorwurfsvoll.

Wolfgang Schäuble zeigte sich als Präsident des Deutschen Bundestags in seiner Trauerrede selbstkritisch.Im Kampf gegen die judenfeindlichen Rechtsextremisten zählte er Ver­säumnisse auf. Es müsse alles, und dies schnell, unternommen werden dafür, «dass jeder in diesem Land, egal, welcher Religion oder welchen Geschlechts, die grundlegende Sicherheit erfährt, frei und selbstbestimmt zu leben.» Es wird eine noch höhere Dunkelziffer befürchtet.

Der Mörder von Halle hat seinen Anschlag mit einer am Helm montierten Kamera live ins Internet über­tragen. Als ob es bereits normal wäre, wird bei einem Aufmarsch der Neo­nazis skandiert: «Jude, Jude, feiges Schwein.» Ohne dass die Polizei einschreiten würde. Die «Frankfurter Rundschau» notiert, dass die «Entwaffnung der Neonaziszene überfällig ist».

Hass und Hetze gegen Juden belastet in Deutschland den Alltag. Das Ausmass ist erschreckend. Als ob Juden Freiwild wären.

Das Internet ist in Deutschland ein rechtsfreier Raum. Alles ist erlaubt. Der Halle-Mörder: «Töte so viele Antiweisse wie möglich, bevorzugt Juden.»

Als beliebtes Game gilt die «Waffen-SS» (Schutzstaffel Hitlers). Weltweit haben es hundert Millionen Nutzer heruntergeladen. Die deutschen Behörden lassen diese Verherrlichung einer Nazipolizei für Kinder ab zehn Jahren zu.

Hass und Hetze gegen Juden belastet in Deutschland den Alltag. Das Ausmass ist erschreckend. Als ob Juden Freiwild wären.

Mit den emigrierten Muslimen ist der Konflikt Israel - Palästina mit nach Deutschland gekommen. Ich meine den Hass auf Israel. Der israe­lische Historiker Tom Seger hat jede Hoffnung auf Frieden aufgegeben.

Zahlreiche Juden trauen die Kippa nicht mehr

Tom Seger hat dies in einem zwei­seitigen Interview begründet («Neue Zürcher Zeitung», 23.10. 2019). Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen sei unlösbar geworden. «Ein Leben in Frieden gibt es nicht.» Das sei die harte Realität.

Der Sozialist Ben Gurion hat vor siebzig Jahren Israel gegründet. Sein Nachfolger Itzhak Rabin handelt ein Oslo einen Frieden mit Palästina aus. 1996 wurde er an einer Kund­gebung in Tel Aviv ermordet. Damit sei ein Frieden gestorben. Seger sagt, weil die Linke in Israel immer noch an einen solchen glaube, spiele sie politisch keine Rolle mehr. Viele der Millionen Muslime werden Judenhasser bleiben.

Zahlreiche Juden tragen nicht mehr die Kippa, den Davidstern. Der Rabbiner in Köln fährt wegen Belästigungen nicht mehr Bus und Tram.

Deutschland, du machst uns Sorgen.

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