Zwischen krank und todkrank

Bischof Felix Gmür schockierte an der Konferenz in Rom mit einer ungeheuerlichen Aussage zum Thema sexueller Missbrauch von Minderjährigen.

Die Kernaussage von Bischof Felix Gmür an der vom Papst einberufenen Konferenz in Rom ist: «Alle wissen jetzt, es handelt sich um ein Verbrechen und ein Verbrechen muss verfolgt, angezeigt, bestraft werden.»

Die Kernaussage von Bischof Felix Gmür an der vom Papst einberufenen Konferenz in Rom ist: «Alle wissen jetzt, es handelt sich um ein Verbrechen und ein Verbrechen muss verfolgt, angezeigt, bestraft werden.»

(Bild: Keystone)

Ich fühle mich derzeit nicht gut. Ich habe erhöhte Temperatur, bin krank. Mag sein, dass mein Wahrnehmungsvermögen deswegen eingeschränkt ist. Aber es gibt bei meinem Fernsehgerät diese Replay-Funktion. So ist es mir möglich, die Aussage von Felix Gmür, Bischof von Basel, die er in Rom vor der Kamera des Schweizer Fernsehens für die Hauptausgabe der Tagesschau machte, noch einmal anzuhören. Und dann noch einmal.

Die Kernaussage ist diese: «Alle Bischöfe, alle Ordensleute, alle die hier waren, wissen jetzt, es handelt sich um ein Verbrechen und ein Verbrechen muss verfolgt, angezeigt, bestraft werden.»

Empörend an dieser Aussage, hier wörtlich wiedergegeben, ist das jetzt. Was haben denn die Bischöfe, die Ordensleute und alle, die an dieser von Papst Franziskus einberufenen Konferenz in Rom waren, gedacht? Dass der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen durch Pfarrer, die Vergewaltigung von Nonnen ein Kavaliersdelikt sei? Dass es nicht ganz so schlimm ist und man die Machtstrukturen der Institution Katholische Kirche nach Belieben und vor allem nach eigenem Gutdünken dazu verwenden darf, den Mantel des Schweigens über diese Taten zu legen?

Katholische Kirche ist todkrank

Ich schäme mich dafür, dass dieser Bischof in seinem grauen Mantel und seinem roten Schal mit dem wohlwollenden Lächeln eine derartig ungeheuerliche Aussage vor der Basler Fahne macht, die im Hintergrund der Kameraeinstellung klar und deutlich zu sehen ist. Es ist doch wohl zu hoffen, dass mindestens hier in Basel alle schon längst wissen, dass sexueller Missbrauch ein Verbrechen ist.

Und ich schäme mich für meinen Berufskollegen Philipp Zahn, SRF-Korrespondent in Rom, dass er diese Phrase ohne scharfe Gegenfrage, ohne Reaktion, entgegennimmt.

Ich bin krank. Wahrscheinlich geht es mir schon in ein, zwei Tagen wieder besser. Die katholische Kirche dagegen ist todkrank und ihr Wahrnehmungsvermögen offensichtlich völlig zum Erliegen gekommen.

baz.ch/Newsnet

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