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Zickenkrieg in Paris: Twitteraffäre trifft Hollande

Valérie Trierweiler, Freundin von François Hollande, legt sich über Twitter mit dessen Ex-Frau an. Wie 136 Zeichen ein Jahr Kommunikation des neuen französischen Präsidenten zunichtemachten.

Du gehörst zu mir: Wohl aus Eifersucht hat Valérie Trierweiler einen Tweet gegen Hollandes Ex, Ségolène Royal, verfasst.
Du gehörst zu mir: Wohl aus Eifersucht hat Valérie Trierweiler einen Tweet gegen Hollandes Ex, Ségolène Royal, verfasst.
Keystone

Man hatte sich in Frankreich schon auf eine wohlige Langeweile eingestellt – mit François Hollande, einem Präsidenten, der die «Normalitüde» zum Leitmotiv seines Regierens erklärt hatte. Alles sollte normal werden: der Umgang des Staatschefs mit dem Volk, sein Lohn, sein Alltagsgestus, seine Reisen. Hollande versprach, er werde das Private vom Öffentlichen trennen, sich beispielhaft und unparteiisch aufführen. Er zelebrierte sein Image mit solcher Insistenz, dass sein Vorgänger Nicolas Sarkozy, von dessen Stil er sich nachgerade idealtypisch abzusetzen versuchte, den Reportern kurz vor seiner Wahlniederlage mal zurief: «Was würdet ihr euch doch langweilen, wenn ich mal weg wäre. Worüber würdet ihr dann noch schreiben, hein? Ihr würdet mich schnell vermissen!»

Nun, lange währte die Langeweile nicht. Mit einem Tweet von 136 Zeichen hat Hollandes Lebensgefährtin, die Reporterin Valérie Trierweiler, das mühseligst geschaffene Image ihres Mannes torpediert. Die Nachricht war eine Attacke gegen dessen Ex, Ségolène Royal, Mutter von Hollandes vier Kindern, der sie recht explizit eine Niederlage bei den Parlamentswahlen wünschte. Die beiden mögen sich nicht. Bei der Neuen soll es Eifersucht sein. Anonyme Freunde erzählen, Valérie sei fixiert auf «Ségo», dulde deren Nähe zu ihrem Holden nicht, möge die auch nur politischer Natur sein. Und plötzlich scheinen die Geschichten um Sarkozy und dessen zweite Frau Cécilia, die ihm kurz vor seiner Wahl davonlief, und um dessen dritte Frau Carla Bruni, die den Glamourfaktor im Elysée auf ein frivoles Niveau trieb, vergessen.

Eine «Rakete», die ins Elysée eingeschlagen hat

Hollande wollte dieser «Peopleisierung» entgegenwirken und endet nun doch mittendrin in einer tragikomischen privaten, aber öffentlich ausgetragenen Beziehungskiste. Die Medien holen die Meinungen von Psychoanalytikern ein, die tief in die Seele von Madame blicken und darin das Dilemma einer Frau mit starkem Charakter zu finden glauben, die nach ihrer neuen Rolle suche und frei bleiben wolle in ihrer Meinungsäusserung – und der nun die Sicherungen durchgebrannt seien, wie es einer formulierte.

Noch spannender aber sind die politischen Folgen, die das Gezwitscher der Première Dame für den Präsidenten haben könnte. Die Analysten sind sich einig: Von einer «Rakete» ist die Rede, die da ins Elysée eingeschlagen habe und die Kommunikationsstrategie Hollandes aus einem ganzen Jahr Wahlkampf und einigen Wochen Präsidentschaft in Trümmer lege. Mit 136 Zeichen.

Trierweiler soll sich nicht einmischen

Hollandes Entourage versucht, die Geschichte von ihm fernzuhalten, das Gezwitscher als persönliche Verlautbarung Trierweilers darzustellen. Doch das ist natürlich eine Illusion. Der Tweet der Partnerin gilt als erster grosser politischer Fauxpas des Präsidenten. Vielleicht wird die Offenbarung des unkontrollierten Gezänks gar die symbolische Kraft dessen entfalten, was für Sarkozy 2007 der Besuch der Nobelbrasserie Fouquet's war. Symbole zählen. Sie lasten in den Anfängen, in der Kennenlernphase, besonders schwer.

Und hier geht es um die Würde der Funktion. Die Franzosen wählen zwar einen Präsidenten mit den Kompetenzen eines Königs. Doch dessen Frau wird dadurch nicht Königin, nicht einmal der Titel der Première Dame hat einen juristischen Rahmen. Und so dringt nun aus den meisten Kommentaren von schreibenden Männern u n d Frauen, Trierweiler solle sich gefälligst nicht einmischen, soll mit Twittern aufhören, soll ihre Person doch bitte schön zurücknehmen.

Vielleicht bewirkt Trierweilers Tweet genau das Gegenteil

Die «Normalitüde» ist also bereits in Gefahr. Oder müsste man sagen, dass Hollande mit seinen Alltagsproblemen, den Eifersüchteleien zwischen seiner früheren und seiner aktuellen Frau, noch viel normaler ist, als es sich mancher Franzose gewünscht hätte von seinem Präsidenten? Jedenfalls konnte er den Zwischenfall nicht verhindern, was für die rechten Gegner schon Beleg genug dafür ist, dass er auch das Land nicht gebührend regieren könne. Sie machen nun genüsslich Kampagne mit dem «Vaudeville» – dieser «lächerlichen» und «unwürdigen» Komödie. Ebenso virulent, nur verbal netter verpackt und einzig gegen die Frau des Präsidenten gerichtet ist die Kritik der Sozialisten.

Kostet das die Linke Stimmen am nächsten Sonntag, in der zweiten Runde der Parlamentswahlen? Ändert das womöglich sogar die politische Grosswetterlage so kurz vor der Machtübernahme? Wohl kaum. Höchstens im Wahlkreis von La Rochelle, wo der Tweet der Neuen die Wahl der Ex verhindern sollte. Vielleicht erreichte sie damit aber auch das Gegenteil. Das würde ja gut zur Geschichte passen. Sarkozy sei gegrüsst: Langeweile fühlt sich anders an.

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