Zum Hauptinhalt springen

«Zäune lösen das Problem nicht»

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kritisiert Frankreich und Grossbritannien für ihre Migrationspolitik. Die Situation in Calais sei lösbar.

Im neuen Dschungel Calais wird alles zu Geld gemacht. (05.August 2015)
Im neuen Dschungel Calais wird alles zu Geld gemacht. (05.August 2015)
Emilio Morenatti, Keystone
Die Flucht wird schwieriger, da die Barrikaden drastisch aufgebessert wurden. (7. August 2015)
Die Flucht wird schwieriger, da die Barrikaden drastisch aufgebessert wurden. (7. August 2015)
Emilio Morenatti, Keystone
Dabei sei die Situation lösbar, in Calais hielten sich lediglich 3000 Migranten auf. (6. August 2015)
Dabei sei die Situation lösbar, in Calais hielten sich lediglich 3000 Migranten auf. (6. August 2015)
Philippe Huguen, AFP
1 / 5

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat Frankreich und Griechenland mangelndes Engagement beim Umgang mit Flüchtlingen vorgeworfen. Angesichts der Flüchtlingskrise müssten beide Länder dringend handeln, forderte das UNHCR in Genf.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras bat die Europäischen Union, seinem von der Wirtschafts- und Schuldenkrise schwer getroffenem Land in der Flüchtlingsfrage zu helfen. Das UNHCR erneuerte seinen Aufruf an die französischen Behörden zu einer «dringenden, umfassenden und nachhaltigen Antwort» auf die Lage am Eurotunnel bei Calais. Frankreich müsse die Situation der rund 3000 festsitzenden Flüchtlinge als «zivilen Notfall» betrachten.

Fehlende Zusammenarbeit

Vincent Cochetel vom UNHCR, der dort die Europa-Abteilung leitet, schlug unter anderem vor, ungenutzte Kasernen im Land in Aufnahmezentren umzuwandeln. Das UNHCR kritisierte ausserdem die fehlende Zusammenarbeit Grossbritanniens. So weigere sich London etwa, Anträge auf eine legale Einreise von Flüchtlingen zu bearbeiten, die Verbindungen nach Grossbritannien hätten.

Auf der französischen Seite des Eurotunnels versuchen derzeit täglich hunderte Flüchtlinge, nach Grossbritannien zu gelangen. Rund 3000 Menschen campierten dort unter «entsetzlichen Bedingungen» in Zelten, kritisierte das UNHCR. Viele Flüchtlinge stammen aus Kriegsgebieten wie Syrien, Libyen und Eritrea. Nötig sei ein «umfassender Ansatz», forderte Cochetel. Das Problem gebe es seit vielen Jahren, und es werde weiterbestehen.

Kritik an London und Paris

Stärkere Sicherheitsmassnahmen sind nach Einschätzung des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zur Bewältigung der Flüchtlingsproblematik in Europa ungeeignet. «Zäune lösen das Problem nicht», sagte der UNHCR-Europadirektor, Vincent Cochetel, in Genf mit Blick auf die Lage in Calais.

«Sie fordern die Menschen nur heraus, grössere Risiken auf sich zu nehmen.» Cochetel kritisierte, dass Frankreich und Grossbritannien grössere Aufnahmekapazitäten abgelehnt hätten, ohne anderweitige Lösungen vorzuschlagen.

Notlage stellen

Das UNHCR ging auch mit Griechenland hart ins Gericht. Die Lage der Flüchtlinge sei «absolut beschämend». Cochetel sagte, er arbeite seit 30 Jahren für die UN-Behörde und habe noch nie eine vergleichbare Situation erlebt. «Das ist die Europäische Union, und es ist absolut beschämend.» In diesem Jahr kamen der UN-Behörde zufolge bereits rund 124.000 Flüchtlinge nach Griechenland. Sie fänden dort aber praktisch keine angemessene Infrastruktur vor.

Griechenland müsse sich dieser Notlage stellen, forderte Cochetel und regte an, einer Behörde die Koordinierung der humanitären Hilfe zu übertragen. Er warnte vor einer ähnlichen Lage wie in Calais. Zugleich beklagte er, dass die finanziellen Hilfen der EU für Griechenland vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen Flüchtlingszahlen zu niedrig seien und zu spät kämen.

Tsipras überfordert

Tsipras räumte nach einer Kabinettssitzung ein, die Flüchtlingskrise überfordere sein Land. Es sei ausser mit einer Wirtschaftskrise auch mit einer humanitären Krise konfrontiert. Athen werde aber Massnahmen zur Verbesserung der Lage der Flüchtlinge ergreifen. So sollten die auf den Inseln in der östlichen Ägäis an der Grenze zur Türkei gestrandeten Flüchtlinge künftig schneller auf das Festland gebracht werden. Der Staatsminister für Regierungskoordination, Alekos Flambouraris, werde sich um alle diese Fragen kümmern.

Zugleich forderte Tsipras europäische Hilfe: Es gehe um ein «internationales, ein europäisches Problem». Die Europäische Union habe keinen Sinn, wenn es ihren Mitgliedstaaten lediglich um die «eigenen Interessen» zu tun sei.

SDA/dia

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch