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Wulff rechnet ab

Erstmals nach seinem Rücktritt spricht der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff. Für ihn ist klar, von wem er zum Rücktritt «gezwungen» wurde. Und er stellt Forderungen.

Christian Wulff kann aufatmen. Nach 105 Tagen durfte der frühere deutsche Bundespräsident die Anklagebank als unbescholtener Bürger verlassen. Das Landgericht Hannover hat Wulff vom Vorwurf der Korruption freigesprochen. Laut dem Gericht fehlten Beweise für die erhobenen Vorwürfe.
Christian Wulff kann aufatmen. Nach 105 Tagen durfte der frühere deutsche Bundespräsident die Anklagebank als unbescholtener Bürger verlassen. Das Landgericht Hannover hat Wulff vom Vorwurf der Korruption freigesprochen. Laut dem Gericht fehlten Beweise für die erhobenen Vorwürfe.
Keystone
Der Freispruch für Wulff kam nicht überraschend. Seit dem Zwischenfazit von Richter Frank Rosenow kurz vor Weihnachten war die Tendenz des Gerichts kein Geheimnis mehr. Mehrfach erklärte der weisshaarige Jurist, dass die Anklagevorwürfe zwar «möglich, aber nicht zwingend» seien.
Der Freispruch für Wulff kam nicht überraschend. Seit dem Zwischenfazit von Richter Frank Rosenow kurz vor Weihnachten war die Tendenz des Gerichts kein Geheimnis mehr. Mehrfach erklärte der weisshaarige Jurist, dass die Anklagevorwürfe zwar «möglich, aber nicht zwingend» seien.
Reuters
Der heute 54-jährige CDU-Politiker hatte bereits Anfang 1998 für das Amt des Regierungschefs von Niedersachsen kandidiert. Der studierte Rechtsanwalt hatte rasch in der Jungen Union sowie in der Landes- und Bundes-CDU Karriere gemacht. Bild: Wahlkampfrede des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zugunsten von Wulff in Hannover.
Der heute 54-jährige CDU-Politiker hatte bereits Anfang 1998 für das Amt des Regierungschefs von Niedersachsen kandidiert. Der studierte Rechtsanwalt hatte rasch in der Jungen Union sowie in der Landes- und Bundes-CDU Karriere gemacht. Bild: Wahlkampfrede des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zugunsten von Wulff in Hannover.
Keystone
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Im Gespräch mit dem deutschen Nachrichtenmagazin «Spiegel» teilte Wulff aus. Zur Rolle der deutschen Journalisten sagte er: «Das erinnert mich an eine Jagdgesellschaft, die ein nicht zum Abschuss freigegebenes Tier erlegt und anschliessend sagt: War trotzdem richtig, das Tier hatte sicher Tollwut.»

Wulff sieht sich als Opfer der Medien. Diese hätten ihn aus politischen Gründen zum Rücktritt gezwungen. Die angegebenen Gründe wie die angeblichen Vorteilsnahmen seien nur vorgeschoben gewesen: «Ich war einigen mächtigen Medienschaffenden zu unbequem geworden», sagte er dem «Spiegel». Sein Bekenntnis, dass der Islam zu Deutschland gehöre, hätte viele Journalisten verärgert. Andere hätten ihm seine Kritik an den Banken und der katholischen Kirche verübelt. Die Journalisten hatten den Eindruck, dass er vom Springer-Verlag «zum Abschuss freigegeben wurde». Da wollten auch die anderen Medien nicht abseits stehen und schossen sich auf ihn ein, so Wulff.

Als Konsequenz aus seiner Affäre forderte Wulff, dass die Regeln des deutschen Presserates überarbeitet werden. Auswüchse in der Berichterstattung sollten strenger geahndet werden können. Die Medien müssten sich immer wieder kritisch fragen, ob sie mit ihrer grossen Macht auch verantwortungsvoll und korrekt umgingen. «Was ich beklage, ist die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziationen», sagte Wulff. So hätten sich etwa Journalisten darüber lustig gemacht, dass sein Lieblingsbuch das Märchen «Der kleine Prinz» sei und nicht ein Buch aus dem literarischen Kanon.

In den deutschen Medien wurde das Interview breit besprochen. «Nach dem Freispruch durch die Justiz erhofft sich der frühere Bundespräsident nun auch eine Rehabilitierung durch die Öffentlichkeit», schreibt der «Tagesspiegel». Doch ob Wulff sich mit solchen Interviews einen Gefallen tut, sei eine andere Frage. Offenbar sei das Ausmass der Kränkung so gross, dass es dieser Art der Aufarbeitung bedarf, so der «Tagesspiegel». Die «Welt» berichtet, dass das Gespräch mehrmals vor dem Abbruch gestanden sei.

Christian Wulff war von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten, nachdem mehrere Medien über angebliche Vorteilsnahmen von ihm berichtet hatten. Zudem hatte er das niedersächsische Parlament nicht korrekt über einen privaten Hauskredit informiert, der ihm von einem befreundeten Unternehmer genehmigt wurde. Für Aufruhr sorgte ferner ein Anruf bei Kai Diekmann, dem Chefredaktor der deutschen «Bild»-Zeitung. Wulff versuchte, Einfluss auf deren Berichterstattung zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme im Amt und der Korruption. Wulff wurde freigesprochen.

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