Zum Hauptinhalt springen

«Wir sind uns einig, uneinig zu sein»

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis wirbt derzeit in Europa für eine Erleichterung der Schuldenlast. Nach einem Gespräch mit dem deutschen Kollegen Schäuble war klar: Es bleiben viele Differenzen.

Agree to disagree: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble trifft sich mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in Berlin. (5. Februar 2015)
Agree to disagree: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble trifft sich mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in Berlin. (5. Februar 2015)
Michael Sohn, Keystone

Die neue griechische Regierung lehnt die Sparauflagen der internationalen Geldgeber und die Kontrolle durch die sogenannte Troika aus EZB, EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) ab. Das Land ist aber weiter vom Staatsbankrott bedroht und auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Derzeit werben Tsipras und sein Finanzminister Giannis Varoufakis in Europa für eine Erleichterung der Schuldenlast für Griechenland. Varoufakis hatte sich mit EZB-Chef Mario Draghi getroffen, heute sprach er mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat seinen griechischen Kollegen Giannis Varoufakis aufgefordert, bestehende Vereinbarungen zur Bewältigung der Schuldenkrise einzuhalten. Athen solle die Gespräche mit den Kontrolleuren der Sparauflagen, der so genannten Troika, wieder aufnehmen.

(Video: Reuters)

Schuldenschnitt nicht von aktueller Bedeutung

Verlässlichkeit sei die Voraussetzung von Vertrauen, sagte Schäuble nach einem Treffen mit Varoufakis in Berlin. Er sei sich mit dem griechischen Finanzminister einig gewesen, «dass das Thema Schuldenschnitt nicht von aktueller Bedeutung» sei.

Er räumte ein, dass das Gespräch in den eigentlichen Streitpunkten keine Fortschritte gebracht hat. Sie seien sich einig, dass sie sich nicht einig seien.

Eine Einigung mit Blick auf eine Lösung für die griechischen Finanzprobleme sei in der Kürze der Zeit auch nicht möglich gewesen. Manche der von Griechenland angekündigten Massnahmen gingen nach Deutschlands «Überzeugung nicht unbedingt in die richtige Richtung», umriss Schäuble diplomatisch die Differenzen.

Werben um Verständnis

Sein Land sei in einer «Notsituation» und Deutschland sei vielleicht das Land, das die Lage am besten verstehen könne, warb Varoufakis um Unterstützung. Deutschland sei mit seiner Geschichte «das Land, das uns am besten von allen verstehen kann», weil es die Auswirkungen von Demütigung und Hoffnungslosigkeit kenne. «Wir brauchen Deutschland an unserer Seite», sagte Varoufakis in Berlin

Der grüne Finanzexperte Sven Giegold sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, dass die griechische Regierung in der ersten Woche «sehr viel Schaden angerichtet» habe. Durch den EZB-Entscheid sei die «Luft» für Tsipras und seine Minister bis Ende Februar «noch enger» geworden. Griechenland müsse jetzt erst einmal deutlich machen, wie es die Reformpolitik verändern wolle.

SDA/pst

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch