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Wikileaks: Vatikan verweigerte Mitarbeit im Skandal um Missbrauch

Bei der Untersuchung von Kindesmissbrauch in Irland durch Geistliche hat der Vatikan laut der Internetplattform eine Zusammenarbeit verwehrt. Zudem sollen Kirchenvertreter vor der Justiz geschützt worden sein.

Krisentreffen in Rom: Papst Benedikt XVI. mit irischen Bischöfen am 15. Februar 2010 im Vatikan.
Krisentreffen in Rom: Papst Benedikt XVI. mit irischen Bischöfen am 15. Februar 2010 im Vatikan.
Keystone

Irland hat bei den Ermittlungen zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche offenbar Druck aus dem Vatikan nachgegeben, Kirchenvertretern Immunität zu gewähren. Das deuten zumindest Depeschen von amerikanischen Diplomaten an, die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Das Pressebüro des Vatikans wollte sich am Samstag nicht zum Inhalt der Unterlagen äussern, kritisierte die Veröffentlichung allerdings als sehr ernste Angelegenheit.

Streit um Verlangen nach Informationen

Laut den Unterlagen herrschte zwischen dem Vatikan und Irland zwischenzeitlich eine diplomatische Eiszeit: Die Anforderung von Informationen über die Missbrauchsfälle durch die sogenannte Murphy-Kommission in Irland im vergangenen Jahr habe «viele im Vatikan verärgert», die in der Anfrage einen «Affront gegen die Souveränität des Vatikan» gesehen hätten. Dies zitierte die britische Zeitung «The Guardian» am Samstag aus einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Rom. Der Vatikan störte sich demnach an der Form der Kontaktaufnahme.

«Während die Vatikan-Kontakte sofort tiefes Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck brachten und betonten, dass die oberste Priorität das Verhindern einer Wiederholung sei, waren sie auch verärgert, wie die Situation politisch umgesetzt wurde», führte die US-Diplomatin Julieta Noyes dem Bericht zufolge in ihrer Depesche aus. Demnach hatte die Murphy-Kommission nicht die offiziellen diplomatischen Kanäle genutzt, sondern direkt an den Vatikan geschrieben, um Informationen über den Umgang mit Missbrauchsfällen zu erhalten.

«Anfragen einfach ignoriert »

Der Vatikan habe sich auch darüber geärgert, dass die irische Regierung nicht eingeschritten sei, um bei der Murphy-Kommission auf die Nutzung der üblichen Kommunikationswege zu dringen, zitierte der «Guardian» aus der von Wikileaks veröffentlichten Depesche. Ausserdem habe der Eindruck bestanden, dass einige irische Oppositionspolitiker versuchten, aus der Angelegenheit Nutzen zu ziehen, indem sie die Regierung öffentlich aufforderten, vom Vatikan eine Antwort auf die Anfrage der Murphy-Kommission zu verlangen.

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone schrieb dem Bericht zufolge schliesslich an die irische Botschaft und forderte, dass alle weiteren Anfragen über diplomatische Kanäle gestellt würden. Der irische Botschafter im Vatikan, Noel Fahey, sagte der US-Diplomatin Noyes der Depesche zufolge, der Streit um die Murphy-Kommission sei «die schwierigste Krise gewesen, die er je bewältigt» habe. Letztlich habe Dublin nicht auf die Bereitstellung von Informationen durch den Vatikan gedrungen. Faheys Stellvertreterin Helena Keleher habe allerdings die Einschätzung abgegeben, dass der Vatikan «die Dinge schlimmer gemacht habe, indem er die Anfragen einfach ignoriert hat».

Missbrauch in tausenden Fällen

Der im November 2009 veröffentlichte Murphy-Bericht prangerte an, dass in Irland katholische Würdenträger jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuscht hatten. Insgesamt war von 14'500 Opfern die Rede. Nach der Veröffentlichung des Berichts waren unter anderem auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und in Italien Missbrauchsskandale um katholische Geistliche bekannt geworden. Papst Benedikt XVI. verurteilte die Vergehen wiederholt und traf Missbrauchsopfer persönlich.

AFP/raa

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