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Wie Frankreich die Castortransporte verschweigt

Sie wohnen nur wenige Gehminuten vom Atomforschungszentrum Cadarache entfernt. Von den Castortransporten, die dort diese Woche starten, haben Franzosen allerdings erst aus deutschen Medien erfahren.

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Vorsicht Gefahr: Ein Transporter verlässt das Forschungszentrum in Cadarache.
Vorsicht Gefahr: Ein Transporter verlässt das Forschungszentrum in Cadarache.
AFP
Sicherheitsvorkehrungen: Das Gelände ist eingezäunt und wird mit Kameras überwacht.
Sicherheitsvorkehrungen: Das Gelände ist eingezäunt und wird mit Kameras überwacht.
AFP
Präzisionsarbeit unter erschwerten Bedingungen: Arbeiter in Cadarache.
Präzisionsarbeit unter erschwerten Bedingungen: Arbeiter in Cadarache.
AFP
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In der südfranzösischen Region um Cadarache sind die atomaren Transporte nicht öffentlich geworden. «Hier herrscht das grosse Schweigen, eine richtige Omertà», sagt die Anti-Atom-Aktivistin Denise Poussel.

Poussel wohnt zehn Kilometer von Europas grösstem Atomlabor entfernt und hat von deutschen Freunden bei Greenpeace von den anstehenden Transporten gehört. Cadarache nutzt Atommüll aus vielen europäischen Anlagen für Experimente und schickt die radioaktiven Abfälle dann wieder zu ihren Entstehungsorten zurück.

Atomzentrum schiebt Sicherheitsüberlegungen vor

Der Sprecher von Cadarache begründet die Verschwiegenheit der französischen Behörde mit den «Sicherheitsanforderungen an so einen speziellen Transport». Je mehr Menschen davon wüssten umso gefährlicher werde es, so Guy Brunel. Dieser Meinung ist auch die «Gendarmerie Nationale», die französische Bundespolizei. Auf Anfrage möchte sie sich nicht zu den Transporten äussern.

Während deutsche Medien überregional schon seit Wochen über die Details des Castortransports schreiben, hat die einzige Lokalzeitung vor Ort, «La Provence», diese bislang nicht erwähnt. Obwohl es laut Brunel «einige Transporte mit radioaktivem Abfall pro Jahr» von und zu Cadarache gebe, hätten die Franzosen nun erst durch das deutsche Ziel der Castoren erfahren, dass diese Konvois überhaupt durch ihre Wohngegend führen.

Die Strasse an Cadarache vorbei ist sonst nur wenig befahren. So können die Castoren relativ unbemerkt vom Institut zum nächsten Bahnhof gelangen. Auch auf einer Landkarte ist das 1670 Hektar grosse Gelände kaum zu identifizieren. Es liegt in einem hügeligen Wald 30 Kilometer nordöstlich von Aix-en-Provence, in dem besonders bei deutschen Touristen beliebten Gebiet Lubron.

Bürgerinformation oder Propaganda?

Das Forschungsinstitut betont aber, die Bürger einbeziehen zu wollen. Alle drei Monate erhielten die Bewohner der umliegenden Dörfer eine Art Hauspost mit neuesten Projekten und Plänen. Fast in jeder Familie sei jemand, der in Cadarache arbeite. Rund 6000 Menschen sind in der nuklearen Forschung und deren Infrastruktur beschäftigt. Der Sprecher der Anlage, Guy Brunel, spricht deshalb von «Infopost für die Bürger», Aktivistin Poussel bezeichnet die vierseitige Broschüre indes als «reine Propaganda».

So ist das Interesse an Protesten vergleichsweise gering. «Es ist schwer, etwas zu kritisieren, von dem alle leben», sagt Poussel. Durch das Atomlabor wurde aus einer relativ armen Gegend Frankreichs eine florierende Zone mit zahlreichen neuen Strassen und internationalen Schulen für die Kinder der Wissenschaftler von Cadarache. Die früheren Bauernhöfe sind Vierteln mit grosszügigen Einfamilienhäusern gewichen.

Poussel und ihre Mitstreiter haben es schwer. Als in ihrem Wohnort, La Tour d'Aigues, ein Kritiker in der Bürgerzeitung einen Artikel über die Atomkraft veröffentlichen wollte, sei er zurückgepfiffen worden. Schliesslich seien zwei Beigeordnete des Bürgermeisters in Cadarache angestellt.

(dapd)

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