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«Wie ein Süchtiger, der russisches Roulette spielt»

Amerika schüttelt den Kopf ob dem Chaos in Zypern: Die EU treffe wieder einmal falsche Entscheidungen zur falschen Zeit, sagen US-Kommentatoren.

Nicht nur die Zyprioten sind wütend auf die EU: Ein Mann protestiert in Nikosia gegen die Massnahmen zur Bankenrettung. (18. März 2013)
Nicht nur die Zyprioten sind wütend auf die EU: Ein Mann protestiert in Nikosia gegen die Massnahmen zur Bankenrettung. (18. März 2013)
Keystone

«Manchmal erinnern mich die Europäer an Süchtige, die russisches Roulette spielen», schreibt Douglas J. Elliott, Kolumnist bei «CNN Money». Immer wieder würden sie den Revolver herausholen, ihn mit einer Patrone laden, die Kammer kreisen lassen, auf den Kopf zielen und abdrücken. Weil beim ersten Mal nichts passiere, feierten sie – und machten danach nochmals dasselbe, wieder und wieder, bis sie überzeugt seien, «dass niemals ein Schuss abgefeuert wird».

Das neuste europäische Roulettespiel drehe sich um Zypern, so Elliott weiter. Dass Europa sich entschieden habe, zur Sanierung des Landes die Bankkonten der Bürger antasten zu wollen, sei eine Fehlentscheidung gewesen. Denn auch in anderen krisengeschüttelten Ländern fürchteten die Menschen nun, mit ihrem eigenen Vermögen für die Eurokrise bluten zu müssen. Weitere Bank-Runs seien deshalb möglich, die Massnahme habe die Bankenkrise damit unnötig verschärft. Sie werde zudem dazu führen, dass die Vermögenden anderer Krisenländer ihr Geld vorsorglich ins Ausland bringen – falls sie es noch nicht getan hätten.

«Die Eurozone zockt weiter»

Die bessere Lösung wäre eine Rettung mit milderen Strafmassnahmen gewesen, schreibt Elliott. Denn Zypern sei ein kleines Land, dessen Probleme man mit der Übernahme von Insolvenzkosten zu einem relativ tiefen Preis hätte lösen können. «In den Köpfen der Deutschen» sei das zypriotische Bankenwesen aber offenbar zu eng mit russischen Oligarchen und Gangstern verbandelt, weshalb man sich dafür entschieden habe, es an der Abzahlung der Schulden zu beteiligen. «Die Eurozone zockt weiterhin mit riskanten, politisch zweckdienlichen Lösungen, um gerade eben die Probleme direkt vor ihrer Nase zu lösen.»

Die EU habe allerdings nicht nur im Zusammenhang mit Zypern Fehler gemacht, sondern schon viel früher, sagt der «New York Times»-Kolumnist Edward Harrison. Anstatt beim Auftauchen der ersten Probleme Richtlinien zu erlassen, wie bei Rettungsaktionen vorgegangen werden soll, habe man sich entschieden, erst dann zu reagieren, wenn kein Weg mehr daran vorbei führe. «Die Europäer zögerten zu lange, wie immer.»

Nun die Zyprioten an der Bankenrettung zu beteiligen, sei ein Fehler, «eine schlecht vorbereitete Ad-hoc-Lösung», so Harrison weiter. Und was derzeit gerade in Zypern passiere, «könnte überall in der Eurozone passieren». Die «Washington Times» geht sogar noch etwas weiter: «Der psychologische Schaden könnte nicht nur in Zypern und Europa, sondern auf der ganzen Welt unwiderruflich sein.»

Nicht ganz so pessimistisch ist der von der «Financial Times» befragte Finanzexperte Willem Buiter eingestellt: Natürlich sei es hart, dass die Zyprioten für ihren Bankensektor bluten müssten, so Buiter. Doch im Endeffekt sei es ein entscheidender Schritt «in die richtige Richtung», wenn die EU ihre Finanzprobleme in den Griff bekommen wolle.

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