Zum Hauptinhalt springen

Weshalb die Norweger unter Chinas Wirtschaftspotenz leiden

Seit der Nobelpreisverleihung an den Regimekritiker Liu Xiaobo stehen die Handelsbeziehungen zwischen Norwegen und China praktisch still. Nun gerät die norwegische Regierung auch von Innen unter Druck.

Sass neben einem leeren Stuhl: Thorbjoern Jagland, Vorsitzender des Nobelpreiskomitees, während der Verleihung des Preises an den inhaftierten Liu Xiaobo am 10. Dezember 2010.
Sass neben einem leeren Stuhl: Thorbjoern Jagland, Vorsitzender des Nobelpreiskomitees, während der Verleihung des Preises an den inhaftierten Liu Xiaobo am 10. Dezember 2010.

China war einst der grösste Importeur von Frischlachs aus Norwegen. Nach der Verleihung des Nobelpreises an den inhaftierten Dissidenten Liu Xiaobo im vergangenen Jahr haben norwegische Exportunternehmen es inzwischen aber schwer, Lachs nach China einzuführen.

Inspektoren des chinesischen Amts für Nahrungsmittelsicherheit halten die Lieferungen Tage, manchmal Wochen auf, die Ware verdirbt. «Wir bekommen gar keinen Fisch mehr rein», sagt Henning Beltestad, Vorstandsvorsitzender der Leroey Seafood Group aus Bergen.

Peking hatte davor gewarnt, dass die Beziehungen mit Norwegen unter der Preisvergabe an Liu leiden würden - dem Mann, der in der Volksrepublik für politischen Wandel einsteht. Sechs Monate nach der Verleihung des Preises sind die meisten Norweger verwundert, wie hartnäckig die Chinesen zu ihrer Ankündigung stehen.

Selektiver Boykott

Die politischen Kontakte sind nach Angaben der Regierung in Oslo weiterhin ausgesetzt, Gespräche über ein bahnbrechendes Handelsabkommen eingefroren. Vielen norwegischen Unternehmen ist der Zugang zu dem schnell wachsenden Markt in China verwehrt. Zugleich drängen umgekehrt aber chinesische Unternehmen auf den norwegischen Markt.

Handelsstatistiken verraten, dass die Chinesen nicht alle norwegischen Waren boykottieren. Güter, die für die Industrie gebraucht werden, wie Öl, Erze und Chemikalien, werden weiter importiert. Aber bei Waren, die einen speziellen norwegischen Charakter vermitteln, wie eben der Lachs aus dem Fjord, gibt es Schwierigkeiten.

Oslo zur Verbesserung der Beziehungen aufgefordert

Am Mittwoch veröffentlichte die chinesische Botschaft in Oslo eine seltene Mitteilung, in der es hiess, die Beziehungen der Länder seien angespannt, weil der Friedensnobelpreis an einen «Kriminellen» vergeben worden sei und die norwegische Regierung diese Entscheidung unterstützt habe.

Die Mitteilung stellte klar, dass es an Norwegen sei, die Beziehungen zu flicken. Die Regierung solle «effektive Massnahmen ergreifen, um die entstandenen negativen Auswirkungen zu beseitigen».

Die norwegische Regierung hat wiederholt darauf hingewiesen, dass sie keinen Einfluss auf die Entscheidungen des Nobelkomitees habe, auch wenn das Gremium vom Parlament berufen werde. Man wolle und könne nicht eingreifen, egal, ob man den Entscheidungen des Komitees zustimme oder nicht, hiess es.

Unternehmen appellieren an Regierung

Doch nun setzen norwegische Unternehmen die Regierung unter Druck, sich Peking gegenüber versöhnlich zu zeigen. «Ich bin sehr besorgt über die langfristigen Auswirkungen für norwegische Unternehmungen in China», sagt Lars Berge Andersen, Rechtsberater für norwegische Unternehmen in China. «Die Regierung muss einsehen, dass sie ein Problem hat und etwas unternehmen muss», sagt er. Die Sache habe sich nicht einfach erledigt, so wie alle gehofft hatten.

Vor dem Nobelpreis hatte es sich Norwegen zum Ziel gesetzt, als erstes europäisches Land ein Freihandelsabkommen mit China zu unterzeichnen. Die Gespräche liegen seit Oktober auf Eis. Der norwegische Unterhändler Haakon Hjelde verkündete, Peking habe mehr Zeit für Rücksprachen erbeten.

Ausserdem sagte China kurz nach Bekanntwerden des Nobelpreises für Liu ein Treffen mit einem norwegischen Minister bei der Expo in Shanghai ab. Der chinesische Botschafter ging in einen zweimonatigen Urlaub. Das norwegische Aussenministerium bestätigte, dass es seit dem 8. Oktober 2010 keine politischen Begegnungen zwischen beiden Staaten gegeben habe.

Neue Qualitätskontrollen eingeführt

Wenige Tage nach der Verleihung des Preises am 10. Dezember wurden in China Qualitätskontrollen für frischen Lachs aus Norwegen eingeführt. Zur Begründung verwies die Regierung auf Medienberichte, nach denen im Lachs Reste von Medikamenten gefunden wurden.

Frustriert wenden sich die Fischproduzenten inzwischen vom chinesischen Markt ab. Der Export von frischem Lachs in die Volksrepublik ist in den ersten vier Monaten des Jahres im Vorjahresvergleich um 70 Prozent auf 906 Tonnen geschrumpft.

SDA/kpn

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch