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Wer zuletzt lacht

Luigi Di Maio galt seinen Konkurrenten als Polit-Kabarettist. Jetzt könnte er Premier werden – mit 31 Jahren.

Er bindet sich auch einmal eine Krawatte um. Di Maio präsentiert sich im Unterschied zu vielen schrillen Parteifreunden als gemässigter Pragmatiker.
Er bindet sich auch einmal eine Krawatte um. Di Maio präsentiert sich im Unterschied zu vielen schrillen Parteifreunden als gemässigter Pragmatiker.
Keystone

Seine Ministerliste hatte Luigi Di Maio letzte Woche schon einmal vorsorglich an Staatspräsident Sergio Mattarella geschickt. Sie umfasste 17 Namen – darunter seinen eigenen in der Funktion des neuen Ministerpräsidenten. Die übrigen Ministerkandidaten waren weitgehend unbekannte Persönlichkeiten. Offen blieb bei der Ministerliste auch, wer die Kandidaten ausgesucht hatte und nach welchen Kriterien – ein ewiges Problem bei den «Grillini».

Es war aber eigentlich auch egal – die Ministerliste war von der politischen Konkurrenz ohnehin bloss als «Farce» und «Polit-Kabarett» abgetan worden. Nun ist zumindest einer der Namen auf der Liste, jener von Di Maio, plötzlich sehr aktuell geworden: Bei der Regierungsbildung wird er ein entscheidendes Wort mitreden.

Steward, Kurier, Webmaster

Bis zu seiner Wahl ins Parlament im Frühjahr 2013 war Di Maio wie seine Ministerkandidaten ebenfalls ein politisch völlig unbeschriebenes Blatt gewesen; auch sein Bildungs-Curriculum präsentierte sich übersichtlich. Der politische Jungstar aus Pomigliano d’Arco in Kampanien hat keinen Beruf gelernt und auch kein Studium abgeschlossen; vor seinem Einzug ins Parlament jobbte er unter anderem als Steward im Fussballstadion von Neapel sowie als Kurier und als Webmaster. Für viele politische Gegner ist Di Maio die fleischgewordene Inkompetenz und Ignoranz. «Bevor er ins Parlament gewählt wurde, ist Di Maio noch mit Papas Taschengeld Pizza essen gegangen», spottete Kampaniens Regionalpräsident Vincenzo De Luca.

Das trifft die Sache ziemlich gut – aber politische Kompetenz ist in der Fünf-Sterne-Truppe noch nie besonders hoch im Kurs gestanden: Grillo und Di Maio punkten wie alle Populisten mit aggressiven Angriffen gegen die traditionellen Parteien, die sie – im Fall von Italien nicht immer ohne Grund – als korrupt und mafiös verunglimpfen. Di Maio ist immerhin einer der wenigen Exponenten der Protestbewegung, die sich auch einmal eine Krawatte umbinden: Der adrette Süditaliener ist der Dressman und das institutionelle Gesicht der Grillo-Populisten. Gleichzeitig gilt der Sohn aus einem postfaschistischen Elternhaus als Vertreter des rechten Flügels innerhalb der zwischen extrem links und extrem rechts oszillierenden Protestbewegung.

Unterwegs im Zickzackkurs

Insgesamt gibt sich Di Maio als gemässigter Pragmatiker. Als Premier-Kandidat hatte er in den vergangenen Monaten auch die Nähe der Unternehmer gesucht, die er etwa mit der Aussage zu beruhigen versuchte, dass der von Übervater Beppe Grillo propagierte Euro-Austritt für ihn nur «das letzte Mittel» wäre. Das ist nicht das einzige Beispiel für den oft atemberaubenden Zickzackkurs des 31-Jährigen und seiner Bewegung. Im vergangenen Jahr hatte Di Maio als Erster den «Taxi-Dienst» der privaten Flüchtlingsretter im Mittelmeer kritisiert; anschliessend ist er zurückgerudert und hat erklärt, dass eine kontrollierte Einwanderung für das überalterte Italien wichtig sei.

Bei den Konsultationen zur Regierungsbildung bei Staatspräsident Sergio Mattarella, die Ende März beginnen werden, muss Luigi Di Maio keine Ministerliste mitnehmen – als Spitzenkandidat der grössten Fraktion in beiden Parlamentskammern hat er solche Theatralik nicht mehr nötig. Sollte Italien künftig von einer Koalition mit Beteiligung der «Grillini» regiert werden, könnte er sehr wohl seinen Anspruch auf das Amt des Premiers anmelden. Den Spott der politischen Gegner bräuchte Di Maio nicht mehr zu fürchten: Denen ist das Lachen gestern gründlich vergangen.

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