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Was sie vereint, ist die Wut gegen Sarkozy

Während Präsident Sarkozy immer unbeliebter wird, schöpfen Frankreichs Sozialisten neuen Mut. Lange galt die Partei als hoffnungslos zerstritten, nun kündigt sie eine Grossoffensive an.

Frankreichs Sozialisten wieder vereint: Parteichefin Martine Aubry (links) mit Segolene Royal.
Frankreichs Sozialisten wieder vereint: Parteichefin Martine Aubry (links) mit Segolene Royal.
Keystone

Frankreichs Sozialisten sind am Wochenende in La Rochelle in den Kampf um die Präsidentschaftswahl 2012 eingestiegen. Parteichefin Martine Aubry versprach ihren Anhängern eine «glaubwürdige Alternative» zur Regierung des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

«Wir werden für 2012 bereit sein, und wir werden nicht enttäuschen», sagte Aubry zum Abschluss der Sommeruniversität in La Rochelle, einem jährlichen Treffen von Parteiführern und -basis. Jüngsten Umfragen zufolge wurde Aubry eine Stichwahl gegen Sarkozy mit 53 zu 47 Prozent für sich entscheiden.

Doch das entschlossene Auftreten der Sozialisten ist auch trügerisch: Frankreich-Korrespondent Adrian Arnold sagte gegenüber der «Tagesschau», dass die Sozialisten-Partei immer noch zerstritten sei: «Diesem Frieden ist nicht zu trauen», so Arnold. In Wahrheit schmieden sich viele Sozialisten ihre eigenen Pläne, um bei der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr anzutreten. Auch von einem einheitlichen Parteiprogramm sei keine Spur.

Meinungsforscher prognostizieren

Der aussichtsreichste Kandidat der Sozialisten, der Chef des Internationalen Währungsfonds' Dominique Strauss-Kahn, fehlte jedoch in La Rochelle. Ihm trauen die Meinungsforscher sogar einen Sieg mit 59 zu 41 Prozent gegen den konservativen Staatschef zu.

Sarkozy hatte in den vergangenen Wochen im Rahmen des von ihm erklärten Kampfes gegen die Kriminalität mit der Zwangsabschiebung von Roma aus Frankreich für Kontroversen gesorgt. Die Sozialisten zeigten in der Debatte zunächst relative Zurückhaltung.

«Wir wollen das Feuer löschen»

Aubry versprach am Sonntag eine eigene Sicherheitspolitik. «Der Präsident hat sich für Streit entschieden, wir wählen Politik. Er hat Öl ins Feuer gegossen, wir wollen es löschen», sagte Aubry.

Sie kritisierte Sarkozy auch für seine «beschämenden Freunde», ein Hinweis auf die Affäre um die milliardenschwere L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. «Dies ist keine Präsidentschaft, es ist ein Leidensweg», rief Aubry ihren jubelnden Parteigenossen zu.

Frankreich hat seit 1995 keinen sozialistischen Präsidenten mehr gehabt. Umfragen zeigen bei 55 Prozent der Franzosen einen Wunsch nach einer linksgerichteten Regierung, zugleich gehen aber 57 Prozent davon aus, «dass die Linke es auch nicht besser machen würde als die Rechte».

SDA/mrs

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